Online-Games: Spass, aber sicher

| Bettina Bichsel

Kinder sehen bei Spielen am Computer, auf dem Tablet oder auf dem Handy hauptsächlich den Spassfaktor. Als Eltern müssen wir genauer hinschauen und ihnen dabei helfen, Kostenfallen und andere Risiken zu erkennen.

Von Online-Spielen spricht man, wenn ein Spiel entweder über einen Web-Browser gespielt wird oder wenn ein Videospiel über einen spezifischen Online-Modus verfügt. Auch Handy-Spiele, die als App heruntergeladen werden und zum Spielen eine Internetverbindung brauchen, können dazu gezählt werden, weil die Risiken gerade für Kinder dieselben sind. Auch wenn man hier eher von mobilen Spielen spricht und bei klassischen Online-Games vor allem der Mehrspieler*innen-Aspekt im Vordergrund steht.

Online-Spiele machen nicht nur Spass, sondern schulen auch verschiedene Fähigkeiten wie strategisches Denken, Feinmotorik, Teamarbeit oder Kreativität.

Im Unterschied zu einem Game, das ich auf meiner Spielkonsole allein oder mit Freund*innen im selben Raum spiele, bin ich bei Online-Spielen plötzlich mit Leuten aus der ganzen Welt vernetzt. Ich kann mit ihnen chatten, um mich zum Beispiel darüber auszutauschen, was ich an dem einen Spiel besonders mag oder welche Stellen ich am schwierigsten finde. Ich kann gegen andere kämpfen oder mich verbünden, um als Gruppe zu agieren.

Bekannte Online-Games sind beispielsweise Fortnite, World of Warcraft, Clash of Clans, Minecraft oder Slither.io. Zu den beliebtesten Handy-Spielen gehören (neben den mobilen Versionen der genannten Online-Games) unter anderen Candy Crush, Fluffy Fall, Hay Day oder Hero Rescue. Aber auch Social-Media-Plattformen wie Facebook nutzen den Unterhaltungsfaktor von Spielen und bieten kleine Games an, die schnell mal zwischendurch gespielt werden können.

Online-Spiele machen nicht nur Spass, sondern schulen auch verschiedene Fähigkeiten wie strategisches Denken, Feinmotorik, Teamarbeit oder Kreativität. Gleichzeitig gibt es Dinge, die gerade für jüngere Spieler*innen undurchschaubar sind und entsprechend zu einem Risiko werden können. Auf folgende Aspekte möchte ich kurz eingehen:

  1. Datenschutz
  2. Cybermobbing und Cybergrooming
  3. Kostenfallen (In-Game-Käufe bzw. In-App-Käufe)

Datenschutz

Wenn zum Spielen ein Profil eingerichtet werden muss, dann werden auch immer persönliche Daten abgefragt. Wichtig ist, dass nicht der richtige Name, sondern ein Nickname (also ein Spitzname) verwendet wird. Auch auf das Alter und den Wohnort darf ein solcher Profilname keine Rückschlüsse ermöglichen. Richten Sie das Profil gemeinsam mit Ihrem Kind ein und stellen Sie sicher, dass nur die nötigsten Angaben gemacht werden (z.B. keine Telefonnummer). Achten Sie zudem auf Privatsphäre-Einstellungen.

In unmoderierten Chats herrscht manchmal ein rauer Ton.

Cybermobbing und Cybergrooming

Die meisten Online-Spiele verfügen über sogenannte In-Chats, das heisst im Spiel integrierte Kommunikationskanäle, über die sich die Spieler*innen austauschen. Das können Freund*innen sein, die ihr Kind aus der Schule kennt und mit denen es sich zum Online-Gamen verabredet hat. Es können Gleichaltrige aus aller Welt sein, die ebenfalls einfach Spass haben. Aber es können auch Fremde sein, denen es nicht ums Spielen geht. Sie suchen spezifisch Plattformen, auf denen sich viele junge User*innen tummeln. Von Cybergrooming spricht man, wenn Erwachsene versuchen, mit gefakten Profilen (z.B. falschen Altersangaben) mit Minderjährigen in Kontakt zu kommen und ihr Vertrauen zu erschleichen. Meist tun sie dies mit sexuellen Absichten.

Und ganz allgemein herrscht in unmoderierten Chats manchmal ein rauer Ton. Gegner*innen werden beleidigt und gemobbt oder die Kanäle werden für die Verbreitung von Propaganda oder Verschwörungstheorien missbraucht.

Sagen Sie Ihrem Kind, dass es auf Sie zukommen soll, wenn ihm etwas unangenehm ist oder wenn jemand sich gemein oder aufdringlich verhält. Jemanden alleine zu treffen, den es nur über das Online-Spiel kennt, ist ein No-Go. Am sichersten ist es, wenn mit Freund*innen über ein geteiltes Passwort oder im gleichen WLAN-Netz gespielt wird.

Zudem sollte Ihr Kind wissen, dass online die gleichen Regeln für ein respektvolles Miteinander gelten wie sonst auch.

In-Game-Käufe bringen Kinder oftmals nicht mit realen Kosten in Verbindung, weil sie getarnt sind oder über eine spieleigene Währung funktionieren.

Kostenfallen (In-Game-Käufe bzw. In-App-Käufe)

Die meisten Online-Games oder Spiele-Apps präsentieren sich als kostenlos. Das sind sie zunächst auch, aber irgendwie müssen sie sich schliesslich finanzieren. Hier kommen sogenannte In-Game/App-Käufe ins Spiel (im wahrsten Sinne des Wortes), die Kinder oftmals nicht mit realen Kosten in Verbindung bringen, weil sie getarnt sind oder über eine spieleigene Währung funktionieren. Meist geht es darum, zum Beispiel durch den Erwerb bestimmter Gegenstände Spielvorteile zu erhalten oder sich ein neues Leben zu erkaufen. Aber auch eine Art kostenpflichtiger Schatzkisten (Lootboxen) sind beliebt, in denen sich Accessoires oder Hilfsmittel verbergen. Darüber hinaus bieten einige Spiele in der kostenlosen Version lediglich eine limitierte Anzahl Levels an. Um es weiter bzw. fertig zu spielen, muss also bezahlt werden.

Sprechen Sie darum mit Ihrem Kind über die Mechanismen der Spielindustrie, damit es versteht, wann echtes Geld verlangt wird. Sicherheitseinstellungen mögen helfen, bieten aber letztlich keinen verlässlichen Schutz.

Twitch: Minderjährige können auf Inhalte stossen, die ihnen Angst machen oder die sie ekeln.

Twitch: Wo Gamer*innen ihren Idolen nahe sind

Und dann wäre da noch Twitch, die Plattform, auf der man anderen beim Spielen zuschauen kann. Für junge Gamer*innen ist das spannend, weil sie einerseits hautnah an ihren Vorbildern dran sind und andererseits ihr eigenes Spiel verbessern können, indem sie jene beobachten, die schon weiter sind.

Auch bei Twitch gibt es für eine sichere Nutzung einiges zu beachten:

Da wäre zunächst einmal das Mindestalter: In den AGB’s von Twitch ist eine Altersfreigabe ab 18 Jahren festgelegt. Wenn die Eltern dabei sind, darf man auch erst 13 sein. Diese Angaben gelten aber nur, wenn ich selber ein Video bzw. einen Livestream veröffentlichen möchte. Dann muss ich mich anmelden und werde nach dem Alter gefragt. Erst vor kurzem hat Twitch einen Elfjährigen aus Brasilien gesperrt, der seine Videos stets im Beisein seiner Eltern streamte und unter den Gamer*innen schon eine grosse Fangemeinde aufgebaut hatte. Insofern scheinen Kontrollmechanismen zu bestehen.

Wenn ich aber nur als Zuschauer*in die Webseite nutze, kümmert mein Alter niemanden. Und heute, an einem Mittwochnachmittag, wo ich diesen Artikel schreibe, gehe ich auf Twitch und schon beim zweiten Livestream-Video, das mir vorgeschlagen wird, ist ein Gamer zu sehen, der sich hauptsächlich mit Gewalt- und Horrorspielen beschäftigt. Wenn das seine Vorliebe ist, meinetwegen. Aber Minderjährige können so ganz ungewollt auf Inhalte stossen, die ihnen Angst machen oder die sie ekeln.

Gerade weil die meisten Inhalte auf Twitch live sind, ist eine Kontrolle gar nicht möglich. Es kann also immer sein, dass Ihr Kind auf gewalthaltige, sexualisierte oder in anderer Form unpassende Inhalte stösst.

Hinzu kommt, dass den Spielenden Geld gespendet werden kann. Das funktioniert relativ einfach über einen Donate-Button und via PayPal und ist darum cool, weil die Spielenden sich persönlich im Livestream bedanken. Wie die zuvor besprochenen In-Game-Käufe können solche Optionen zur Kostenfalle werden.

Zwar gibt es auch bei Twitch die Möglichkeit, eine Kindersicherung einzurichten (eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie hier). Ein sicherer Umgang setzt aber voraus, dass Ihr Kind sich der Risiken bewusst ist. Sprechen Sie mit ihm darüber – und lassen Sie sich gleichzeitig auf die Faszination der Spielewelt Ihres Kindes ein. Vielleicht finden Sie an dem ein oder anderen Spiel ebenfalls Ihren Spass und können in Zukunft auch mal gemeinsam gamen.  

Bettina Bichsel ist Journalistin und Texterin. Sie schreibt und bloggt unter anderem für Jugend und Medien.