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Lassen Sie sich mal von Ihren Kindern den Spiegel vorhalten

| Bettina Bichsel

«Leg doch das Handy weg, wenn ich mit dir rede.» Kommt Ihnen das bekannt vor? Sagen Sie das hin und wieder zu Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn? Dann sind Sie bestimmt in guter Gesellschaft.

Genau diesen Satz möchten aber auch Kinder ihren Eltern gerne mal sagen. Dies geht aus einer Studie (oder Befragung) einer Forschergruppe der Universitäten Michigan und Washington. Die Wissenschaftler*innen wollten nämlich wissen, was Heranwachsende über den Medienkonsum ihrer Eltern denken – und welche Regeln sie für die Erwachsenen gerne festlegen würden. Dafür befragten sie Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren aus rund 250 Familien.

Wünsche von Kindern an uns Eltern

Die Ergebnisse dürfen uns durchaus zu denken geben. Denn was sich die Heranwachsenden unter anderem von ihren Eltern wünschen, ist:

  • eine gute Balance zwischen Online- und Offline-Aktivitäten zu finden
  • sich nicht durch Smartphone & Co. ablenken zu lassen (z. B. beim Autofahren oder während eines Gesprächs)
  • medienfreie Zeiten festzulegen
  • das, was von den Kindern verlangt wird, auch selber vorzuleben
  • nicht zu viel online zu teilen (z. B. keine Fotos der Kinder ohne deren Zustimmung

Kinder haben klare Vorstellungen, wenn es um negative Seiten von Handys & Co. geht.

Als Eltern, Grosseltern, Gotti, Götti und sonstige Bezugspersonen sind wir Vorbilder für unsere Kinder. Gerade die Kleinsten orientieren sich an ihrem engsten Umfeld, schauen sich Verhaltensweisen ab und lernen dadurch. Ältere Kinder suchen sich gezielt ihre «Heldinnen» und «Helden», zu denen sie aufblicken können. Und Jugendliche reagieren besonders sensibel, wenn sie das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden bzw. sehen, dass mit verschiedenen Massstäben gemessen wird. Wenn sie also zum Beispiel das Handy am Tisch weglegen müssen, Papa aber zu seinem Smartphone greift, weil eine E-Mail eingeht.
 

Wie stark ist Ihr Alltag von Medien geprägt?

Als Erwachsene das eigene Medienverhalten immer mal wieder kritisch zu betrachten, ist ein wichtiger Aspekt, wenn es um Medienerziehung geht. Denn Hand aufs Herz: Manchmal sind wir uns gar nicht mehr bewusst, wie sehr das Handy und andere Medien unseren – privaten wie beruflichen – Alltag prägen. Dann hilft es, sich ehrlich Fragen zu beantworten wie:

  • Wofür und wie oft nutze ich Smartphone, Internet, Tablet etc.? 
  • Wie geht es mir, wenn ich mal für längere Zeit offline bin?
  • Wann nutze ich Medien ohne konkreten Anlass, einfach zur Ablenkung oder zum Zeitvertreib?
  • Unterbreche ich laufende Aktivitäten, wenn ein Anruf oder eine Push-Nachricht eingeht?
  • Verliere ich mich manchmal online und vergesse darüber die Zeit?
  • Wie lange schaue ich abends noch fern oder surfe im Internet?
  • Gibt es in meinem Alltag explizite handy- und internetfreie Zeiten?


Oder vielleicht lassen Sie sich auch von Ihren Kindern den Spiegel vorhalten. Fragen Sie sie einfach mal: Wie nehmt ihr meinen Medienkonsum wahr? Daraus können sich spannende Gespräche ergeben.

Und Sie können auf dieser Grundlage als Familie gemeinsam Regeln definieren (z. B. kein Handy während gemeinsamen Mahlzeiten und Gesprächen, Handy lautlos stellen, wenn die Familie Zeit miteinander verbringt). Das heisst natürlich nicht, dass für Sie als Eltern die genau gleichen Regeln gelten wie für Ihre Kinder. Aber es hilft, den Blickwinkel zu weiten, die eigenen Gewohnheiten unter einem neuen Licht zu betrachten – und vielleicht auch selbst das Handy, den Computer oder den Fernseher einmal mehr bewusst auszuschalten.

Bettina Bichsel ist Journalistin und Texterin. Sie schreibt und bloggt unter anderem für Jugend und Medien.