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Einmal Smartphone kreativ, bitte

| Bettina Bichsel

Denken Sie manchmal, dass Ihre Kinder am Smartphone nur ihre Zeit verplempern? Das muss nicht sein.

Klar sollten wir als Eltern ein Auge darauf haben, wie lange unsere Kinder am Bildschirm sind und was sie da genau machen. Wenn Sie merken, dass es Ihrem Kind schwerfällt, das Handy wegzulegen oder sich von einem anderen digitalen Gerät zu lösen, dann sprechen Sie es an. Ein Gespräch ist immer die beste Lösung.

Und auch wenn gerade während der Corona-Pandemie die Online-Zeiten zugenommen haben, haben Kinder und Jugendlichen nach wie vor ein ausgeprägt nonmediales Freizeitverhalten, das zeigen Studien der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die alle zwei Jahre zur Mediennutzung durchgeführt werden (MIKE, JAMES). Gerade kleine Kinder spielen gerne draussen, und egal in welchem Alter ist Zeit mit Freunden für das Wohlbefinden der Heranwachsenden besonders wichtig.

Aber auch Smartphone & Co. bieten weit mehr Möglichkeiten als nur zu chatten, zu gamen, Selfies zu machen, lustige Filmchen anzuschauen oder Serien zu streamen. Es gibt zahlreiche Anwendungen, die zu kreativen Aktivitäten anregen.

Eigene Bücher, Filme und Homekino

Mit kleineren Kindern lassen sich beispielsweise eigene Bilderbücher erstellen und gestalten, basierend auf Zeichnungen oder Fotos. So können Spaziergänge im Wald, Ausflüge in den Zoo oder Theateraufführungen zu Hause zum eBook werden: Lassen Sie die Kinder das Erlebte fotografisch festhalten und gestalten Sie dann gemeinsam daraus ein Buch.

App-Tipps:

iOS: Book Creator One

Android: Book Traps

Bleiben wir noch kurz bei Bilderbüchern: Hier bieten Verlage nämlich die Möglichkeit, beliebte Bücher als kostenloses Kinoerlebnis nach Hause zu holen. Alles, was es dafür braucht, ist ein Beamer und eine weisse Wand oder ein Leintuch.

Links zu Verlagsangeboten:

Fischer

Ravensburger

Oetinger

Thienemann-Esslinger


Vom Kino ist es nur ein kleiner Schritt zu eigenen ersten Filmversuchen. Mit Lego-, Playmobil- oder Knetfiguren lassen sich nämlich ganz wundervoll Geschichten erzählen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Überlegen Sie sich doch gemeinsam mit Ihren Kindern ein Drehbuch, lassen Sie sie passende Figuren suchen und die Kulisse basteln. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Daumenkinos von früher. Das Prinzip für einen Stop-Motion-Film funktioniert genau gleich. Indem die Figuren bzw. Szenen immer wieder minimal verändert und dann neu fotografiert werden, erhalten Sie nach dem anschliessenden Zusammenschneiden flüssige Bewegungen. Mit einem Stativ sorgen Sie für grössere Stabilität bei den Aufnahmen mit dem Smartphone oder Tablet.

App-Tipp:

Stop Motion Studio für iOS und Android

Von Künstlern, Entdeckerinnen und Schatzsuchenden

Einfacher, aber ebenfalls mit einem coolen Effekt können Zeichnungen und Fotos animiert werden, so dass sie plötzlich ein Eigenleben entwickeln und zu sprechen beginnen. Die Tonaufnahmen dazu macht man selbst, dann fehlt – nachdem die Bilder abfotografiert oder hochgeladen wurden – nur noch ein Strich, der den Mund anzeigt. Und schon kann’s losgehen.

App-Tipp:

ChatterPix Kids für iOS und Android

 

Natürlich gibt es auch verschiedene Malprogramme, mit denen Kinder ihre künstlerische Ader ausleben können – sei es am Computer, auf dem Tablet oder dem Smartphone. Und für kleine Forscherinnen und Forscher wird das Smartphone mit entsprechenden Apps zum Mikroskop.

Links:

Tux Paint (Malprogramm für 3- bis 12-Jährige)

Mikroskop für iOS oder Android

 

Egal in welchem Alter, eine Schnitzeljagd mit dem Handy macht immer Spass – ob als Familie oder mit Freunden. Das sogenannte Geocaching ist in den letzten Jahren immer bekannter geworden, entsprechend wächst nicht nur die Community der Detektivinnen und Schatzsucher, sondern auch die Zahl der «caches», also der Geheimverstecke. Zu finden gibt es kleine Dosen, Kisten oder andere Behälter mit Kleinigkeiten drin. Man darf etwas rausnehmen, muss aber selber dafür etwas hineinlegen und sich im Logbuch eintragen. Das Handy dient als Kompass, denn die Verstecke sind mit GPS-Daten versehen.

Link:

Geocache.ch oder Geocaching.com

Coole Apps für coole Teens

Je älter Ihre Kinder sind, desto skeptischer mögen sie sein, wenn man mit dem Vorschlag einer coolen App auf sie zukommt. Vielleicht fragen Sie sie einfach selbst, denn oft machen neue Programme im Freundeskreis rasch die Runde. Lassen Sie sich zeigen, was Ihre Kinder mit Ihren Lieblings-Apps alles machen und warum sie davon begeistert sind.

Und vielleicht sind sie ja doch offen für neue Vorschläge, darum hier ein paar Impulse:

Für Wow-Effekte bei Fotos sorgt das sogenannte Light Painting. Wichtig dabei ist, dass die Kamera während der Aufnahme stabil bleibt (am besten mit einem Stativ oder an etwas Festes angelehnt). Mit einer Taschenlampe, einer Kerze oder einer anderen Lichtquelle wird dann während der Aufnahme etwas ins Bild gezeichnet oder geschrieben. Klingt komplizierter als es ist – am besten einfach ausprobieren.

App-Tipp:

Light Painting für iOS und Android


Kreativ die Zeit vertreiben lässt sich auch mit selbst kreierten Zeichentrickfilmen. Wer sich nicht für künstlerisch begabt hält, fängt einfach mit Strichfiguren an. Als Hintergrundkulisse können zum Beispiel Fotos dienen. Meist sind aber auch welche in der App verfügbar. Und schliesslich gibt es Programme, mit denen jede und jeder selbst Gemälde schaffen kann: Man gibt zum Beispiel einfach einige Begriffe von Dingen ein, die auf dem Bild sein sollen, wählt einen Stil – und darf sich vom Ergebnis überraschen lassen. 

App-Tipps:

FlipaClip für iOS und Android

Wombo Dream für iOS und Android

Die schönsten Geschichten erzählt das Leben

Zu guter Letzt ein etwas anderer Vorschlag: Fragen zu stellen, verbindet Menschen und nicht selten erfährt man in einem Gespräch, in dem man einfach zuhört, neue Dinge über sein Gegenüber. Denn jeder Mensch hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Story Corps ist ein Interviewprojekt aus den USA, das Menschen zusammenbringen und Lebensgeschichten für die Nachwelt sichern möchte. Mit einer App kann man nun ein persönliches Interviewarchiv erstellen. Vorgegebene Fragen geben Impulse, aber natürlich sind auch eigene erlaubt. Vielleicht gibt es Dinge, die Ihr Kind schon immer von Oma und Opa wissen wollte? Oder sind da andere Menschen, die Ihre Tochter oder Ihr Sohn bewundern? Animieren Sie sie, zum Mikrofon zu greifen. 

App-Tipp:

Story Corps für iOS und Android


Weitere Inspirationen für kreative Apps finden Sie in unseren → Empfehlungen sowie bei common sense media. Allerdings entwickelt sich der Markt so rasant, dass es nicht möglich ist, immer auf dem allerneuesten Stand zu sein. Wir freuen uns darum auch über Ihre Entdeckungen.

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Und noch ein Hinweis zum Schluss: Bei kostenfreien Angeboten gibt es in der Regel Werbung. Zudem sind meistens In-App-Käufe möglich, das heisst für Zusatzfunktionen fallen entsprechende Kosten an. Am besten begleiten Sie Ihr Kind oder sprechen mit ihm, damit es auf Sie zukommt, wenn ein Kaufangebot auf dem Display erscheint. Nähere Informationen zu In-App-Käufen finden Sie zudem → hier.

Bettina Bichsel ist Journalistin und Texterin. Sie schreibt und bloggt unter anderem für Jugend und Medien.