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Medien im Vorschulalter – punktuell und nie allein

Ob durch die Eltern, Grosseltern oder ältere Geschwister – Kinder kommen von klein auf mit digitalen Medien in Berührung. Und meist sind sie schnell fasziniert und gebannt von den Farben, Bildern und Geräuschen. Als Eltern stellen Sie sich vielleicht Fragen wie: Ab welchem Alter dürfen Kinder digitale Medien nutzen? Kann ein zu früher Bildschirmkontakt schädlich sein? Wie sieht ein sinnvoller Umgang mit Medien – auch für die Jüngsten – aus? Beginnen Sie frühzeitig, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen.

70%
DER KINDER IM ALTER VON 2 BIS 5 JAHREN IN DEUTSCHLAND BENUTZEN DAS SMARTPHONE IHRER ELTERN MEHR ALS EINE HALBE STUNDE TÄGLICH. (BLIKK-STUDIE 2017)
44%
DER 2- BIS 5-JÄHRIGEN SCHAUEN EINER DEUTSCHEN STUDIE ZUFOLGE PRAKTISCH TÄGLICH FERN. (MINIKIM 2014)
90%
DER ELTERN HALTEN DAS INTERNET FÜR KLEINKINDER ZU GEFÄHRLICH. (MINIKIM2014)
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Gut zu wissen

Der 4-jährige Leo spielt am liebsten draussen – mit Dreck und immer wieder mit Wasser. Im Haus baut er mit seinen Holzbausteinen Brücken, Bauernhäuser oder Türme und spielt dann darin mit den Playmobilfiguren weiter.

Leo besitzt einen CD-Player, auf dem er Kindergeschichten-Geschichten hört. Auch hat er dazu ein Mikrofon, mit dem er zu seinen Lieblingsliedern jeweils lautstark mitsingt.

Fast noch lieber schaut sich Leo jedoch auf dem Tablet seiner Mutter die Geschichten des kleinen Eisbären Lars an. Meistens immer wieder dieselbe Episode. Die durfte er sich sogar schon alleine ansehen und fühlte sich ziemlich gross dabei. Filme gibt's aber nicht jeden Tag. Das Sandmännchen im Fernsehen kurz vor sieben hingegen schon. Danach geht Leo langsam zu Bett und Mama oder Papa lesen ihm noch eine Gute-Nacht-Geschichte vor.

In den Ferien bei seinen Grosseltern darf Leo jeweils mit Omas Smartphone Bilder schiessen. Und Oma und Opa müssen dann herausfinden, was er fotografiert hat. Auf Omas Handy hat es auch drei Pixi-Büchlein. Die schaut sich Leo besonders gerne an.

Für kleine Kinder sind direkte Kontakte und Erlebnisse aus entwicklungspsychologischer Sicht wesentlich. Vor allem Kinder unter 3 Jahren sollten deshalb primär ihre reale Umgebung entdecken und erfahren. Digitale Medien sind für sie meist noch eine zu grosse Reizquelle und Überforderung.

Müssten sich Kinder im Vorschulalter zwischen digitalen und traditionellen Aktivitäten entscheiden, also z. B. zwischen Fernsehen und Spielen mit Freunden, würden sie sich in der Regel nach wie vor fürs traditionelle Spielen entscheiden (ADELE 2018). Erste Kontakte mit digitalen Geräten geschehen jedoch immer früher und wie Studien deutlich machen, kommt es rasch zu einer Bindung. Fernsehen und Musikhören sind die liebsten medialen Aktivitäten von Vorschulkindern, gefolgt von Gamen (auf Konsolen, Tablets oder Smartphones). In einer Befragung in Deutschland (miniKIM 2014) wird das Fernsehen von über der Hälfte der Eltern als das wichtigste Medium genannt, auf das ihre 4- und 5-jährigen Kinder nicht mehr verzichten könnten. Bei den Eltern von 2- und 3-Jährigen nannte dies knapp ein Drittel – als wichtigstes Medium in diesem Alter bezeichneten Eltern Bilderbücher.

Kleine Kinder schauen sich hauptsächlich bei Eltern, älteren Geschwistern und anderen Bezugspersonen ab, wie Geräte bedient werden. Und sie probieren vieles selber aus. Im Vorschulalter verbreitet sind einfache technische Fähigkeiten, d. h. Kinder können Geräte selber einschalten, einen Fernsehsender wechseln oder eine CD einlegen. Das Internet hingegen bereitet mehr Schwierigkeiten, weil Lese- und Schreibkompetenzen noch nicht vorhanden sind. Sprachassistenzprogramme führen hier allerdings zu einer Neuerung: Mit Sprachbefehlen gelingt es zum Teil auch Kindern, im Netz zu navigieren (ADELE 2018).

Für Eltern und andere Bezugspersonen ist es umso wichtiger, ihre Kinder bei einem altersgerechten Medienumgang zu begleiten und negative Anzeichen (beispielsweise der Überforderung) zu erkennen.

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Medien altersgerecht nutzen

  • Für Kinder unter 3 Jahren ist Fernsehen nicht geeignet. Die Bilder und schnellen Schnitte können sie verwirren und verunsichern.
  • Kinder zwischen 3 und 5 Jahren können mit elterlicher Begleitung bis zu 30 Minuten pro Tag fernsehen. Ihre Konzentrationsfähigkeit ist jedoch beschränkt und sie erkennen einen Film nicht als Ganzes. Zudem nehmen Kinder die TV-Welt als «wirklich» wahr. Sie erkennen nicht, was im TV real ist und was inszeniert.
  • Altersgerechte DVDs eignen sich für Kinder unter 4 Jahren besser als TV, da diese gestoppt und wieder angeschaut werden können. Für Kindergartenkinder eignen sich kurze, lustige Szenen mit bekannten Figuren und einem Happy End.
  • Es muss nicht immer etwas Neues sein: Wiederholungen sind für kleine Kinder wichtig, weil sie eine Geschichte oft nicht beim ersten Mal verstehen.
  • Bewegung und freies Spiel können Ihrem Kind helfen, seine Eindrücke besser zu verarbeiten.
  • Kinderfragen stellen eine hervorragende Möglichkeit dar, gemeinsam das Internet kennenzulernen: Wo ist die grösste Stadt? Wann lebten Ritter? Warum heissen Milchzähne so? Wenn die Antwort im Kinderlexikon nicht ausreicht, können Sie gemeinsam auf kindgerechten Internetseiten surfen. Hier stillen Texterklärungen, Filme und Bilder den Wissensdurst der Kinder.
  • Kinderwebseiten berücksichtigen, dass Kinder noch nicht über vollständig ausgebildete feinmotorische Fertigkeiten verfügen und im Umgang mit dem Internet kaum geübt sind: So lernen sie, was Symbole bedeuten, wie man auf einer Seite navigiert und gezielt Dinge anwählt. Im Vorschulalter sind zudem visuelle und akustische Navigationshilfen angebracht. Und neben Online-Inhalten sollte der Bezug zu Offline-Aktivitäten geschaffen werden, zum Beispiel mit Anleitungen zum Malen, Basteln und Gestalten. 
    → Recherchieren & Lernen

Gute Kinder-Apps sind...

  • intuitiv aufgebaut und einfach bedienbar
  • ansprechend animiert und übersichtlich
  • anregend und wecken die Neugier der Kinder
  • Impulsgeber und regen das Gespräch über die Inhalte zwischen Eltern und Kindern an.


Gute Kinder-Apps sind ohne...

  • Gewaltdarstellungen oder Inhalte, die Kinder ängstigen oder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen
  • Werbung, die Kinder durch Inhalt und/oder Platzierung behindern, ablenken oder verwirren
  • Möglichkeiten zu In-App-Käufen
  • direkte Verlinkungen zu Webangeboten, sozialen Netzwerken, App-Shops und E-Mail-Konten

→ Smartphones & Tablets

Wichtig

Testen Sie Spiele und Apps selbst aus, bevor Ihr Kind sie benutzt.

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Tipps für den Alltag

  • Verzichten Sie bei ganz kleinen Kindern auf Smartphone, Tablet, Computer und Fernsehen. Kleinkinder brauchen Ihre Aufmerksamkeit und volle Zuwendung. Wenn Sie mit Ihrem Baby kommunizieren, nimmt es Ihr Gesicht, Ihre Stimme und Ihre Berührungen wahr. Das ist wichtig, damit es sich gespiegelt fühlt.
  • Kinder im Vorschulalter verstehen nur Themen, die sie kennen. Wiederholen Sie deshalb Medienaktivitäten und achten Sie auf ein gesundes Mass.
  • Achten Sie auf ein Gleichgewicht zwischen Mediennutzung und anderen Beschäftigungen. Spielen an der frischen Luft, malen oder basteln sollten Vorrang haben. Nehmen Sie sich Zeit, gemeinsam etwas Schönes zu erleben.
  • Nutzen Sie etwa Computerspiele nicht als Belohnung. Und drohen Sie nicht mit Verboten als Strafe. Damit baut Ihr Kind nur unnötig viel Aufmerksamkeit für das digitale Spielen auf.
  • Medien sind keine Babysitter. Es braucht die ständige Begleitung durch Erwachsene.
  • Für kleine Kinder sind feste Zeiten besonders wichtig, weil sonst eine Überreizung droht. Reduzieren Sie das Spielen auf wenige Minuten am Tag.
  • 30 Minuten Aufmerksamkeitsphase ist ein Richtwert. Wie viel Ihr Kind verträgt, können Sie am besten einschätzen. Seien Sie aufmerksam.
  • Gemeinsames Fernsehen darf zu einem Ritual werden. Einigen Sie sich mit Ihrem Kind auf feste Fernsehzeiten und -inhalte und erstellen Sie gemeinsam Regeln. Damit helfen Sie Ihrem Kind, dem Fernsehen einen konkreten Platz zuzuweisen und eine Sendung bewusst zu konsumieren. Ausserdem stärken gemeinsame Rituale und Verabredungen das Wir-Gefühl in der Familie und fördern das soziale Verhalten Ihres Kindes.
  • Verzichten Sie kurz vor dem Schlafengehen auf Filme, TV und Apps.
  • Testen Sie Spiele und Apps selbst aus, bevor Sie Ihrem Kind erlauben, sie zu entdecken.
  • Fragen Sie sich: Welche Welt wird in dem Spiel oder der App vermittelt? Möchte ich, dass mein Kind diese Welt zum Vorbild nimmt?
  • Beobachten Sie Ihr Kind und gehen Sie auf Signale ein. Wenn Sie z. B. merken, dass ein Fernsehbeitrag für Ihr Kind nicht verdaulich ist, kann ein klares Nein notwendig sein.
  • Kinder ahmen gern ihre TV-Helden nach und testen die Grenzen ihrer eigenen Welt immer wieder neu aus. Nehmen Sie die Helden Ihrer Kinder ernst. Kinder können an und mit ihren Helden wachsen. Fragen Sie Ihr Kind, was es an seinen Helden gut findet. Sprechen Sie auch über reale Helden aus Umfeld oder Familie.
  • Bieten Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, im Internet Gesehenes zu verarbeiten – durch Ertasten, Beobachten, Hören, Erforschen, Schmecken oder Riechen. So lernt Ihr Kind neu erworbenes Wissen zu erfahren und in die eigene Welt einzuordnen.
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Weitere nützliche Infos

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