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Internet und Computerspiele können süchtig machen

Games, Apps und Soziale Medien üben eine grosse Faszination auf Heranwachsende aus. Games wecken die Abenteuerlust und befriedigen das Bedürfnis nach Erfolg. In sozialen Netzwerken erfahren Jugendliche Anerkennung und soziale Zugehörigkeit. Die Online-Anbieter entwickeln laufend raffiniertere Belohnungssysteme um die Nutzenden am Ball zu halten, womit das Suchpotenzial steigt. Wenn sich der Lebensmittelpunkt vom realen hin zum virtuellen Leben verschiebt, kann das längerfristig dramatische Folgen haben. Erfahren Sie in dieser Rubrik, woran Sie eine problematische Internetnutzung und Onlinesucht erkennen und wie Sie als Eltern Ihr Kind darin unterstützen können, ein Gleichgewicht zwischen Freizeitaktivitäten mit und ohne digitale Medien zu finden.

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49%
der Eltern von 12- bis 17-Jährigen sagen, dass ihr Kind immer mal länger online bleibt, als es eigentlich will.
22%
der Eltern finden, ihr Kind werde ruhelos, launisch oder gereizt, wenn es versucht, seine Internetnutzung einzuschränken.
7,4%
der 15- bis 19-Jährigen weisen eine problematische Internetnutzung auf (Suchtmonitoring Schweiz 2015).
 
 
 

Gut zu wissen

 
 

Was versteht man unter Onlinesucht?

Es gibt bisher keine allgemein anerkannte Definition und Terminologie von Onlinesucht. Die einen Forscher vertreten die Meinung, dass es eine klinisch unabhängige Diagnose Internetsucht gibt (süchtig sein vom Internet), andere, dass es sich dabei eher um allgemeine Verhaltenssüchte wie z.B. Sexsucht, Kaufsucht, Spielsucht handelt, die vorrangig durch das Internet bedient werden (süchtig im Internet). Wieder andere Forscher sagen, dass es sich nicht um eine Sucht handelt, sondern um einen problematischen Internetgebrauch, der zu negativen Folgen führen kann.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird insbesondere der Begriff Onlinesucht verwendet. Andere Begriffe sind z.B. exzessive Nutzung, pathologische Nutzung, problematische Nutzung oder Internetabhängigkeit. Der einfacheren Verständlichkeit zuliebe benutzen wir hier ebenfalls das Wort Onlinesucht.

Verschiedene Arten der Nutzung können zu einem krankhaften Gebrauch führen, bei dem die Kontrolle über die eigene Nutzung verloren geht:

  • Permanente Suche nach Informationen im Netz bzw. zwanghaftes Surfen im Internet, was zu einer Informationsüberlastung führt
  • Exzessive Nutzung von Online-Spielen, v.a. von Rollenspielen wie "World of Warcraft"
  • Zwanghafte Nutzung von Netzinhalten in Form von Online-Shopping, Online-Handel, Online-Glücksspielen, Online-Sex usw.
  • Exzessive Nutzung von Chat-Räumen oder sozialen Netzwerken (Sucht nach Internetbeziehungen)


Im Sommer 2018 hat die WHO (Weltgesundheitsorganisation) die Online-Spielsucht als eigenständige Krankheit gemäss ICD-11, ihrem Katalog der medizinischen Diagnosen, anerkannt. Die Experten sind sich auch hier nicht einig und ein Teil von ihnen fürchtet eine Pathologisierung des Spielens.

 

Wie verbreitet ist Onlinesucht unter Kindern und Jugendlichen?

Die meisten Kinder und Jugendlichen in der Schweiz nutzen das Internet intensiv. So sind Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren an einem Wochentag im Durchschnitt 2,5 Stunden online, am Wochenende über 3,5 Stunden (James-Studie 2017). Dennoch hat die grosse Mehrheit von ihnen ein gesundes Verhältnis zu den digitalen Medien und nur eine Minderheit zeigt einen problematischen Konsum.

Eine problematische Internetnutzung weisen rund 7,4 Prozent der 15- bis 19-Jährigen auf (Suchtmonitoring Schweiz 2015). Diese Gruppe hat ein erhöhtes Risiko, aufgrund des digitalen Medienkonsums seelische und körperliche Probleme zu entwickeln. Je jünger die Nutzer, desto häufiger kommt sie vor. Aber: Selbst wenn ein Jugendlicher bei seiner Mediennutzung Zeichen eines Abhängigkeitsverhaltens zeigt, muss dies noch keine "Online-Sucht" sein. Gerade im jugendlichen Alter können Phasen von exzessivem Verhalten auch Ausdruck der normalen Entwicklung sein.

 

Woran erkennt man eine Onlinesucht?

Bei einer Onlinesucht hat die betroffene Person Schwierigkeiten, offline zu gehen (Kontrollverlust), die Gedanken drehen sich nur noch um die Online-Aktivität und der Lebensmittelpunkt verschiebt sich vom realen Leben hin zum Leben in der Onlinewelt. So gibt es Jugendliche, die sich in ihr Zimmer zurückziehen um Online-Games zu spielen, während ihre Freunde draussen spielen, die gemeinsame Mahlzeiten verweigern oder sich in den Ferien weigern, mit der Familie Aktivitäten zu unternehmen, weil sie online verbunden bleiben möchten. Die übermässige Nutzungsdauer allein ist noch kein Indikator für eine Onlinesucht. Die Motivation für den Konsum bestimmtere Medieninhalte spielt eine Rolle.

Längerfristig kann sich die exzessive Mediennutzung negativ auf alle Lebensbereiche wie privates Sozialleben, Hobbys, Ausbildung, Beruf auswirken:

  • Abfallende Leistungen in der Schule
  • Sozialer Rückzug
  • Übermüdung als Folge von Schlafmangel
  • Vernachlässigen von Kontakten zu Gleichaltrigen, Schulaufgaben und Familienleben
  • Fehlendes Interesse an anderen Freizeitaktivitäten


Nebst den sozialen Folgen kann stundenlange Bewegungslosigkeit vor dem Bildschirm aber auch körperliche Probleme wie Muskelverkrümmung und daraus entstehende Fehlhaltungen mit sich bringen. Auch Übergewicht, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Schlafstörungen können die Folge sein.

 

Welche Medien haben ein besonders hohes Suchtpotenzial?

Mehrspieler-Online-Rollenspiele (z.B. World of Warcraft) und Kommunikationsplattformen wie Soziale Netzwerke oder Chats weisen ein hohes Suchtpotential auf. Die Besonderheit dieser Medien und Plattformen ist, dass soziale Gemeinschaften gebildet werden und damit Freundschaft und Selbstsicherheit erlebt werden können - was im realen Leben nicht immer so leicht gelingt. Auch im Spiel wird das Bedürfnis nach Erfolg und Anerkennung sofort befriedigt, beispielsweise über das Erreichen einer höheren Punktzahl.

Weiter bergen auch Sex- und Pornoseiten ein Suchtpotenzial. Pornografie ist online permanent und kostenlos verfügbar. Bei Xhamster, Youporn und anderen Sexseiten können Videoclips abgespielt werden und Videovorschläge bedienen die eigenen Vorlieben und erhöhen damit die Suchtgefahr.

 

Welches sind die Risikofaktoren für eine Onlinesucht?

Menschen im Jugendalter gehören zur grössten Risikogruppe für Onlinesucht. Zudem sind sozial ängstliche, depressive Jugendliche oder solche mit einem geringen Selbstwertgefühl stärker gefährdet, eine Internetsucht zu entwickeln. Emotionale Probleme scheinen mit dem Spielen und im Internet leichter überwunden werden zu können. Auch geringe sozioemotionale Kompetenzen, ein geringer sozioökonomischer Status, negative Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit, psychische Belastungen der Mutter und Migrationshintergrund sind gemäss einer Längsschnittstudie (Grund/Schultz 2017) Risikofaktoren für Onlinesucht.

Eine geringe Medienkompetenz bringt ebenfalls ein erhöhtes Risiko mit sich, den Umgang mit den digitalen Medien nicht kontrollieren zu können (Blikk-Studie 2017). Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder frühzeitig eine verantwortungsvolle Nutzung und eine kritische Auseinandersetzung mit digitalen Medien lernen.

 

Gibt es Beratungs- und Hilfsangebote bei Onlinesucht?

Ja. Es gibt verschiedene Angebote in den Kantonen und Gemeinden. Die Suchtberatungsstellen beraten auch zu Fragen der problematischen Internetnutzung.

Je nach Schweregrad der problematischen Mediennutzung sind unterschiedliche Angebote sinnvoll: internetbasierte Hilfe, Beratung, Kurzintervention, ambulante oder stationäre Therapie. Letztere sind insbesondere bei schwerer Abhängigkeit angezeigt. Wichtig ist, dass früh Hilfe gesucht wird. → Weitere nützliche Infos

Die Zielsetzungen reichen von Reduzierung von Online-Zeiten auf ein verträgliches Mass bis hin zur deutlichen Reduktion oder Abstinenz von der suchterzeugenden Anwendung. Weiter geht es darum, alternative Verhaltensweisen (wieder) zu entdecken, die Persönlichkeit und den Selbstwert zu stärken, gegebenenfalls auch soziale Ängstlichkeit abzubauen.

 
 
 

Was sollte mein Kind beachten?

 

Wie kann sich mein Kind schützen?

  • Kritische Selbstbeobachtung (Medientagebuch führen)
  • Armbanduhr tragen und so der ständige Blick auf die Handyuhr vermeiden
  • Sich von digitalen Ablenkungen abschirmen
  • Frühzeitig Hilfe suchen, wenn die Nutzung ausser Kontrolle gerät, soziale Beziehungen verarmen, Schule oder Beruf vernachlässigt werden oder Entzugssymptome wie Nervosität, Ängste oder Depressionen auftauchen
 

Achtung

Hinter übermässiger Computernutzung steht oft der Wunsch nach Zuwendung und Anerkennung.

 
 

Was können Eltern tun?

 

Durch die Förderung der Medienkompetenz kann den Risiken vorgebeugt werden. Kinder müssen lernen, bewusst und vor allem verantwortungsbewusst mit digitalen Medien umzugehen und die eigene Mediennutzung auch kritisch hinterfragen. Es geht nicht darum, auf den Konsum zu verzichten, sondern schädliche Folgen zu verhindern oder vermindern. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei:

 
 

Im Dialog sein und Vorbildrolle einnehmen

  • Lassen Sie sich die Spiele und Apps von Ihrem Kind zeigen und sprechen Sie mit ihm über seine Online-Aktivitäten und seine bevorzugten Webseiten. Fragen Sie nach seiner Motivation, diese zu nutzen.
  • Interessieren Sie sich für sein Leben allgemein, seine Probleme und Erfahrungen und stärken sie seine Persönlichkeit.
  • Unterhalten Sie sich darüber, wie das Kind seine Bedürfnisse nach Informationen und Unterhaltung erfüllen kann.
  • Überlegen Sie, wie sich Abenteuerlust und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Anerkennung und Erfolg auch in der realen Welt befriedigen lassen.
  • Überprüfen Sie Ihre eigenen Mediengewohnheiten, denn Kinder brauchen medienkompetente Vorbilder.
 

Grenzen setzen und Regeln festlegen

  • Beachten Sie die Altersfreigaben der Videospiele. Die PEGI-Normen informieren mit Hilfe von Piktogrammen über den Inhalt (Gewalt, Sexualität u.a.).
  • Bestimmen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wie viel Zeit es pro Tag oder pro Woche vor Bildschirmen verbringen darf und achten Sie darauf, dass die Abmachungen eingehalten werden.
  • Führen Sie ein Medientagebuch
  • TV, PC und Spielkonsole gehören nicht ins Kinderzimmer. Platzieren Sie die Geräte in einem Gemeinschaftsraum. Behalten Sie Smartphones und Tablets im Auge
  • Brauchen Sie die Medien nicht zur Belohnung oder Bestrafung. Dies steigert unnötig die Bedeutung für das Kind.
 

Kreative Mediennutzung und medienfreie Zeit

  • Sorgen Sie für attraktive Freizeitaktivitäten auch ohne digitale Medien. Zeigen Sie dem Kind andere Möglichkeiten auf, wie es sich alleine oder in der Familie beschäftigen kann, beispielsweise mit Lesen, Gesellschaftsspielen oder Aktivitäten im Freien. Denn Bewegung ist wichtig. Kinder sind in der Regel gerne mit der Familie zusammen und schätzen die gemeinsame Zeit.
  • Zeigen Sie dem Kind, wie es Medien kreativ nutzen kann und fördern Sie so einen sinnvollen Gebrauch. → Recherchieren & Lernen
  • Seien Sie auch für die Gestaltung der medienfreien Zeit eine Inspiration und Vorbild für das Kind.
 

Aufmerksam sein

  • Sucht das Kind Zuflucht im Netz um vor negativen Emotionen und persönlichen Problemen wie z.B. Einsamkeit, soziale Ausgrenzung, Selbstwertprobleme zu fliehen? Thematisieren Sie dies mit Ihrem Kind.
  • Wenn Sie beim Kind negative Auswirkungen der Mediennutzung feststellen: Sprechen Sie darüber, äussern Sie Ihre Sorgen und Ängste. Besprechen Sie mit ihm, welche Unterstützung es braucht und bieten Sie ihm Ihre Hilfe an.
 

Wenn der Internet- oder Spielekonsum ausser Kontrolle gerät

  • Beschränken Sie die Zeit am Computer pro Tag bzw. Woche und entwickeln Sie gemeinsam mit dem Kind alternative Ideen zur Freizeitbeschäftigung.
  • Holen Sie Hilfe (→ «Weitere nützliche Infos»)
  • Üben Sie keinen Druck aus.
  • Vermeiden Sie es, das Kind zu stigmatisieren und sprechen Sie nicht vorschnell von einer Sucht.
 
 
 

Weitere nützliche Infos

 
 
 
 
 
 
 

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