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Extremismus und Hass im Netz

Jugendliche sind im Internet zunehmend mit digitalen Gewaltformen und radikalen Inhalten und Ansprachen konfrontiert. Sie können Opfer von Propaganda, Anfeindungen und Beleidigungen werden, aber auch unreflektiert problematische Inhalte Dritter teilen - manchmal ohne zu wissen, dass sich antidemokratische Strategien dahinter verbergen -, aber auch selbst Aggression und Hassreden verbreiten. Dies kann dann sogar zu konkreter Gewalt in der Offline-Welt führen. Heranwachsenden brauchen Orientierung, wo die Grenze zu diffamierendem oder diskriminierendem Verhalten überschritten wird, damit sie eine klare Haltung gegen Hass und Extremismus entwickeln können. Eltern können Heranwachsende unterstützen, ihre Haltung zu Religion, Diskriminierung und Demokratie zu reflektieren, eine konstruktive Debattenkultur zu lernen und Inhalte kritisch zu hinterfragen.

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dschihadistisch motivierte Reisende aus der Schweiz sind in Konfliktgebiete gereist (NDB, August 2018)
51%
der 14-24-Jährigen in Deutschland hat schon einmal Hasskommentare bei den Betreibern sozialer Netzwerke gemeldet. (Studie Vodafone Stiftung, 2018)
29%
der 14-24-Jährigen in Deutschland weiss nicht, wie auf Anfeindungen im Netz reagieren. (Vodafone-Studie 2018)
 
 
 

Gut zu wissen

 

Extremismus und Radikalisierung im Internet

Soziale Netzwerke, Blogs und Kommentarspalten bieten unzählige Plattformen, Meinungen zu äussern, öffentliche Diskurse zu führen und Propaganda zu betreiben. Immer häufiger werden diese Kanäle auch benutzt für diskriminierende oder extremistische Äusserungen, Hassreden oder zur Anwerbung von Mitgliedern für radikale Gruppen. Die Begriffe «Hate Speech», «Shitstorm» und «Radikalisierung im Netz» sind inzwischen etablierte Begriffe in unserer modernen Kommunikationsgesellschaft.

 

Was ist Extremismus?

Extremismus ist die Bereitschaft, die bestehenden Verhältnisse radikal und notfalls mit Gewalt zu verändern, um politische und/oder religiös motivierte Ideologien umzusetzen, die einen Absolutheitsanspruch im Sinne der einzig "wahren Interpretation" besitzen. (Kemmesies, 2006; S. 11). Er kann auch eine extreme Positionierung in Bezug auf Identität, Kultur oder Gesellschaft darstellen. Gewaltbereiter Extremismus umfasst somit Terrorismus und alle anderen Arten von ideologisch begründeter fanatischer Gewalt oder Hassgewalt.

 
 

Welche Formen von Extremismus gibt es und woran erkennt man sie?

Extremismus im Netz äussert sich in unterschiedlicher Form: ausländerfeindliche, rassistische, muslimfeindliche oder antisemitische Hass-Botschaften, Gewaltandrohungen, rechts- oder linksextreme Propaganda, Sexismus oder extreme Formen von Cybermobbing sind Ausdruck davon. Der Hass wird von Organisationen mit extremistischen Ideologien gezielt befeuert. Oft tarnen sie die diskriminierende Hetze – etwa als Satire, Humor oder als politische Aufklärung.

Extremistische Äusserungen stehen den fundamentalen Werten einer demokratischen Gesellschaft – etwa Menschenrechte, Gleichheit, Freiheit, Toleranz – diametral entgegen. Ungleichheit, Ressentiments gegen Gruppen, Autoritarismus und Ablehnung der Demokratie kennzeichnen ihre Ideologie. Ziel- und Wertvorstellungen «kognitiver Extremisten», widersprechen zwar jenen der Gesellschaft, sind als solche aber nicht verboten, geahndet werden jedoch «gewaltbereite Extremisten», die zu Gewalt aufrufen oder diese rechtfertigen.

 
 

Dschihadistischer Extremismus

Dschihadistisch motivierter Extremismus ist eine fundamentalistische Strömung des Islamismus, welche den Aufbau und die Ausdehnung des islamischen Staates mittels Gewalt verfolgt. Als Ungläubige, die gewaltsam zu verfolgen sind, gelten alle Menschen, die sich nicht dem IS anschliessen (Muslime) oder diesen bekämpfen. Über das religiöse Bezugssystem hinaus handelt es sich um eine politische Bewegung, welche mittels der Verbreitung von Verschwörungstheorien gegen die angeblich weltweite Unterdrückung von Muslimen ankämpfen will. Immer wieder lassen sich junge Menschen aus westlichen Ländern verleiten, sich dem IS oder anderen dschihadistischen Gruppen (z.B. al-Qaida) anzuschliessen.

 

Linksextremismus

Linksextremisten vertreten revolutionär-marxistische oder anarchistische Ideen und kämpfen für ein kommunistisches System oder eine anarchistische Gesellschaft. Sie rufen zum Widerstand auf gegen staatliche Strukturen und Institutionen wie der Rechtsstaat, die Polizei oder die parlamentarische Demokratie. Gewaltbereite Linksextremisten instrumentalisieren oft gesellschaftliche Proteste für ihre Zwecke. Sie sind bekannt für Sabotageakte an Symbolen des Kapitalismus (Banken, Geschäfte u.a.).

 

Rechtsextremismus

Rechtsextreme Propaganda bedient sich oft der Angst vor dem «Fremden». Menschen aus anderen Ländern, mit anderer Hautfarbe oder Religion sowie Homosexuelle und Behinderte sind besonders betroffen von Anfeindungen und rassistischen Parolen oder Attacken. Extremer Patriotismus und das Verwenden von Symbolen wie etwa die Zahl 88 oder das Hakenkreuz, Grussformeln wie «Heil Hitler» und «Sieg Heil» sind weitere Erkennungsmerkmale.

Rechtsextremismus ist häufig gut getarnt und kommt jugendgerecht etwa in Videos oder Songs aber auch als Informationsseiten zu gesellschaftlichen Themen oder lokale Bürgerinitiative daher. Einige Beispiele dazu finden sich auf www.belltower.news.

 

Rassistische Diskriminierung

Rassistische Diskriminierung liegt vor, wenn Menschen wegen ihrer Herkunft, Rasse, Sprache oder Religion ungerecht behandelt, beschimpft, gedemütigt oder bedroht werden. Aktuell nehmen Beschimpfungen gegenüber Flüchtlingen massiv zu. Diese werden meist mit rassistischen (häufig auch sexistischen oder antiislamischen) Vorurteilen verknüpft. Hetze bedient sich falscher Informationen, wie z.B. «Flüchtlinge beuten Sozialsysteme aus». Auch gehören Projektionen von gesamtgesellschaftlichen Problemen wie Kriminalität oder Wohnungsmangel oder Sexismus z.B. auf «Flüchtlinge» häufig dazu. Der Hass wird strategisch durch Rechtsextreme und Rechtspopulisten/-innen geschürt, aber stark von «Alltags-Rassisten/-innen» verbreitet. Manchmal werden auch Falschmeldungen («Hoax») wie z.B. Gerüchte über vermeintliche Straftaten, zur Hetze gegen Asylsuchende verbreitet. (Quelle: Broschüre «Hetze gegen Flüchtlinge in Sozialen Medien» 2016, Amadeu Antonio Stiftung)

 

Muslimfeindlichkeit (Islamophobie)

«Muslimfeindlichkeit drückt eine ablehnende Haltung und Einstellung gegen Menschen aus, die sich als Muslime bezeichnen oder als solche wahrgenommen werden. In diese Muslimfeindlichkeit können sich auch Komponenten der Ablehnung gegenüber der Herkunft der Personen aus einem (vom Islam geprägten) Land oder einer patriarchalischen Gesellschaft mischen.» (www.ekr.admin.ch/themen/d126.html)

 

Antisemitismus

Der 1879 von Wilhelm Marr geprägte Begriff "Antisemitismus" bezeichnet die Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden, die als einheitliche "Rasse" konstruiert und wahrgenommen werden. Neuere Formen von Antisemitismus beziehen sich auf den Umgang mit dem Antisemitismus und der Shoah (sekundärer Antisemitismus) sowie auf die Einstellung gegenüber dem Staat Israel (Antizionismus). Merkmale des Antisemitismus sind die Vorstellungen einer "jüdischen Weltverschwörung" und der Umstand, dass "die Juden" zu Sündenböcken für soziale, politische und gesellschaftliche Übel herhalten müssen. Auch in Teilen der schweizerischen Bevölkerung hat ein latenter Antisemitismus Tradition. (Quelle: Eidgenössische Kommission gegen Rassismus)

 

(Hetero-) Sexismus

Sexismus bezeichnet die Diskriminierung eines Menschen aufgrund seines Geschlechts. In der Regel sind Frauen betroffen. Eine besondere Form ist der Heterosexismus. Er wertet homosexuelle, bisexuelle, transgender, intersexuelle, aber auch androgyne Menschen ab, diskriminiert sie oder greift sie physisch an.

 

Hassreden

Hassreden (engl. Hate Speech) sind Ausdrucksformen von Hass, die sich auf Personen und Gruppen beziehen und Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus etc. propagieren, dazu anstiften, sie fördern oder rechtfertigen. Auch Cybermobbing kann eine Form von Hate Speech sein → Cybermobbing. Personen werden beleidigt, ausgegrenzt oder benachteiligt. Im Extremfall kann es sogar darum gehen, Gewalt gegen die betroffene Person oder Gruppe auszulösen. Hassreden sind meistens in Kommentaren auf Facebook-Seiten, als Kommentare zu Fotos, auf Blogs, Webseiten oder auf Twitter und Instagram zu finden.

 

Radikale Fankulturen

Die Absicht von Hooligans – meist junge Männer – ist es, sich im Umfeld von Fussballspielen mit verfeindeten Gruppen (andere Hooligans oder gewaltbereite Gruppierungen) oder Sicherheitskräften zu prügeln. Der Zweck: sogenanntes Action Seeking, also der Kick durch Adrenalin. «Normale» Zuschauer oder Fans anzugreifen verbietet ihr Ehrenkodex (Wagner 2002). Inzwischen gibt es auch in anderen Sportarten Ultra-Gruppen. Sie unterscheiden sich etwa bezüglich politischen Überzeugungen und der Akzeptanz von Gewalt. (Quelle: sicher!gsund!: Radikalisierung & Extremismus).

 

Achtung

Die Grenze der freien Meinungsäusserung ist dann überschritten, wenn die Menschenwürde angegriffen oder zu Gewalt aufgerufen wird.

 
 

Radikalisierung – der Weg zum Extremismus

Radikalisierung ist ein Prozess, bei dem eine Person immer extremere politische, soziale oder religiöse Bestrebungen annimmt, allenfalls bis hin zum Einsatz von extremer Gewalt, um ihre Ziele zu erreichen (The Nordic Safe City Guide). Eine Radikalisierung kann zu den verschiedensten Gruppierungen hin erfolgen - von politischen und religiösen Gruppierungen über vereinnahmende religiöse Bewegungen ("Sekten", dschihadistischen Gruppen) bis zu Hooligans, Links- oder Rechtsextremen.

Es zeigt sich, dass die Mechanismen, die bei der Radikalisierung spielen, von der ideologischen Ausrichtung weitgehend unabhängig sind. Es handelt sich um einen aktiven Prozess, der von einer Vereinnahmung zu unterscheiden ist. Bei der Entstehung treffen individuell unterschiedliche Faktoren zusammen - es gibt demnach kein typisches Profil.

Die Radikalisierungsforschung ist sich nicht einig über die Entstehung von (gewaltbereitem) Extremismus. Die meisten Modelle und Theorien beschreiben aber drei Elemente:

  1. Die persönliche Erfahrung von Unmut, Unzufriedenheit und Konflikt (z.B. Identitätskonflikt), Ausgrenzungserfahrungen oder politischer Spannungen
  2. Die Übernahme einer extremistischen Ideologie
  3. Die Einbindung in Sozial- und Gruppenprozesse, die geprägt sind von Gruppenloyalität und Gruppendruck

Über die Bedeutung, Kombination und Reihenfolge dieser Elemente ist sich die Fachwelt nicht einig. Auch dürften weitere Faktoren eine Rolle spielen.

 
 

Dynamik von Hetze im Netz

Extreme Ansichten verbreiten sich online viel schneller als offline und die Hemmschwelle, sie zu unterstützen, ist geringer als im realen Leben. Dies hat damit zu tun, dass man im Internet seine Meinung publik machen kann, ohne seine Identität preisgeben zu müssen. Auch lässt sich leicht eine Fake-Identität kreieren. Hinzu kommt, dass man sich im Netz schneller einer Gruppe oder Gemeinschaft zugehörig fühlen kann, was einen Prozess der Radikalisierung beschleunigen kann. 

Ein Beispiel für die Dynamik von Hetze im Netz sind die Casting-Shows (z.B. «Germany's next Topmodel») und seine begleitenden «Fanseiten», wo sich regelmässig junge Hassgemeinschaften bilden. Der deutsche Konfliktforscher Andreas Zick sieht das Bedürfnis nach gemeinsamer Abgrenzung und nach verbindenden Emotionen als Teil der Identitätsfindung von Jugendlichen. Hassäusserungen sind nach ihm ebenfalls Ausdruck davon. Auch Radikalisierungen seien intensiv emotional gesteuert. Er nennt folgende Motive für Hassreden:

  • Wunsch nach Zugehörigkeit;
  • Einfluss, Macht und Kontrolle;
  • Welt verstehen lernen (einfache Erklärungen);
  • Selbstwertsteigerung sowie
  • Vertrauen - Misstrauen.

 
 

Wie verbreitet ist Extremismus im Netz?

Hassreden, gewalttätige extremistische Aktivitäten verschiedenster Art und politisch motivierte Hetze haben sich in den letzten Jahren im Internet zunehmend verbreitet. Gerade Social Media-Kanäle werden von extremistischen Gruppen gezielt als Propagandamedium eingesetzt, um neue Mitglieder zu gewinnen, zu radikalisieren und zu mobilisieren. 

Viele Minderjährige in der Schweiz werden Zeugen von Extremismus und Hassreden im Netz. Die jüngsten Schweizer Zahlen stammen aus dem Jahr 2013. Von den Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 16 Jahren haben nach eigenen Angaben 10 Prozent Hassnachrichten gegen Gruppen oder einzelne Personen gesehen (EU Kids Online-Studie 2013).

Grosses Dunkelfeld

Nur ein kleiner Teil der Fälle von Extremismus wird im Rahmen von Beratungen oder Anzeigen überhaupt registriert. Eine Fallstatistik zu allen Formen von Extremismus gibt es nicht. Im Bereich rassistischer Diskriminierung zeigt die Statistik der Beratungen in der Schweiz, dass Rassismus gegen Schwarze das häufigste Diskriminierungsmotiv ist. Eine Zunahme an Fällen ist im Bereich der Muslimfeindlichkeit festzustellen, welche an zweiter Stelle folgt. Die meisten Diskriminierungen finden im Bereich der verbalen und nonverbalen Kommunikation statt, darunter am häufigsten Beschimpfungen sowie Verleumdungen / falsche Anschuldigungen. (Rassistische Diskriminierung in der Schweiz. Bericht der Fachstelle für Rassismusbekämpfung 2014)

 

Warum und wie mit dem Kind darüber sprechen?

Gewalttaten - besonders in Verbindung mit Radikalisierung und gewaltbereitem Extremismus - lösen Angst aus. Schlagzeilen in Zeitungen, Nachrichtensendungen online oder am Fernsehen holen den Schrecken von Terroranschlägen in den Alltag - unabhängig davon, ob die Taten Tausende von Kilometern weit entfernt oder in unmittelbarer Nähe stattgefunden haben. Für Sie als Eltern oder Erziehungsberechtigte stellt sich die Frage, ob Sie mit Ihrem Kind darüber sprechen sollen. Sie stehen vor einem Dilemma: Zum einen wollen Sie Ihrem Kind das Gefühl von Sicherheit vermitteln und es durch eine Konfrontation mit Terrorismus nicht verängstigen. Zum anderen braucht Ihr Kind Antworten, weshalb es solche Gewalttaten in unserer Gesellschaft überhaupt gibt und Begleitung im Umgang damit.

Wie und ab welchem Alter oder Entwicklungsstand ein Kind bereit ist, darüber zu sprechen, wird im Elternleitfaden «Radikalisierung und gewaltbereiter Extremismus» der BEGS erklärt.

 

Welche Gesetze sind anwendbar?

Die Grenze der freien Meinungsäusserung ist dann überschritten, wenn die Menschenwürde angegriffen oder zu Gewalt aufgerufen wird. Das schweizerische Recht kennt verschiedene Rechtsnormen, die Menschen vor rassistischer Diskriminierung, Gewaltaufrufen, Hassreden oder Cybermobbing schützen. Rechtsgrundlagen sind etwa die Bundesverfassung, die Strafnormen gegen Rassendiskriminierung, Beschimpfung, Verleumdung, üble Nachrede und Drohung oder der zivilrechtliche Schutz der Persönlichkeit. Informationen zu den strafrechtlich verbotenen Inhalten und Handlungen im Netz finden sich in unserer Rubrik Strafbare Handlungen.

Auch auf Ebene der Kantone und Gemeinden existieren Rechtsnormen, die Menschen vor rassistischer Diskriminierung schützen. Und schliesslich hat die Schweiz diverse internationale Übereinkommen ratifiziert, die rassistische Diskriminierung verbieten.

→ Überblick über die Diskriminierungstatbestände:

→ Rechtsratgeber des Bundes zum Thema rassistische Diskriminierung

 

Achtung

Gerade Social Media-Kanäle werden von extremistischen Gruppen gezielt als Propagandamedium eingesetzt, um neue Mitglieder zu gewinnen, zu radikalisieren und zu mobilisieren.

 
 

Was sollte mein Kind beachten?

 
 

Wie sich Jugendliche im Netz vor Hetze und extremistischer Propaganda schützen können

  • Nicht unreflektiert extreme Meinungen in Netz teilen
  • Sich über verbotene Inhalte und Handlungen informieren
  • Aggressive oder beleidigende Kommentare im Netz vermeiden
  • Sich informieren, wer hinter einer Propaganda steckt, bevor man sie unterstützt
  • Keine privaten Daten und Adressen im Netz öffentlich machen
  • Social Media-Profil so einstellen, dass Bilder, auf denen man markiert wurde, erst nach eigener Freigabe veröffentlicht werden
 

Wie handeln, wenn man Opfer oder Zeuge von Anfeindung und Diskriminierung wird?

  • Bei Eltern, Lehrperson oder einer Beratungsstelle um Rat suchen (siehe Kontakte am Ende der Seite).
  • Hetzende Nutzer in den Sozialen Medien blockieren.
  • Via Meldebutton (der sich im jeweiligen Post befindet) beim Plattformprovider Meldung erstatten. Diese werden immer vertraulich behandelt. Wird eine Löschung des gemeldeten Inhalts abgelehnt, kann man die Bearbeitung negativ bewerten und ein Feedback schreiben, sodass eine erneute Überprüfung stattfindet. Informationen: www.facebook.com/help
  • Eigene Aussagen in Diskussionen im Netz nicht rechtfertigen.
  • Anzeige bei der Kantonspolizei erstatten. Es ist aber ratsam, sich vorab bei einer Beratungsstelle beraten zu lassen, ob eine Anzeige sinnvoll ist. Achtung: Anzeigen müssen innerhalb von drei Monaten nach dem Vorfall gemacht werden.
  • Alle Beweismittel aufbewahren: Screenshots mit Zeitstempel und URL, in Chaträumen geführte Unterhaltungen und Bilder.
  • Beleidigungen haben oft nichts mit der eigenen Person zu tun. Deshalb sollte man sie nicht zu persönlich nehmen.
 

Im Ernstfall sofort Hilfe holen

Jemanden einbeziehen: Das gilt für Belästigungen, Hetze, Hasskommentare, verstörende Inhalte oder wenn extremistische oder Gewaltinhalte gefunden werden.

 

Sich der rechtlichen Konsequenzen bewusst sein

  • Keine grausame Gewalt im Netz verbreiten. Grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder Tiere sind verboten (Art. 135 StgB). Wer Videos oder Bilder mit grausamer Gewalt im Netz teilt, macht sich strafbar. 
  • Dasselbe gilt für diskriminierende oder rassistische Inhalte, Drohungen und Beleidigungen.
 
 
 

Was können Eltern tun?

 

Wie können Eltern Extremismus im Netz vorbeugen?

Medienkultur ist mit realer Kultur verbunden. Es stellen sich deshalb gesamtgesellschaftliche Herausforderungen, die auf verschiedenen Ebenen angegangen werden müssen. Übergeordnet ist das Ziel, eine demokratische Alltagskultur zu stärken – in Familie, Schule und im Sozialraum. Hier können Eltern einen wichtigen Beitrag leisten. Die Kinder müssen ein Gespür dafür entwickeln, wo die Grenze zwischen Scherz, Satire, Ironie und Beleidigung, Bedrohung und Menschenverachtung liegt.

 
 

Vorurteile abbauen

Der Abbau von Vorurteilen und eine positive Einstellungen gegenüber anderen Gruppen wie z. B. ethnischen Minderheiten, Menschen mit Behinderung oder älteren Menschen wirken präventiv. Vor allem soziale Kontakte mit anderen Gruppen sowie Empathie und das Einnehmen der Perspektive von Anderen reduzieren Vorurteile (Bericht Averdijk/Eisner, Wirksame Gewaltprävention: eine Übersicht zum internationalen Wissensstand). Insbesondere Rollenspiele sind wirkungsvoll.

 

Kritischer Umgang mit Medieninhalten lernen

Die Heranwachsenden müssen lernen, dass hinter lustigen Videochannels oder viralen Kampagnen Stimmungsmache und eine Rekrutierungsabsicht radikaler Gruppen stecken kann. Sie sollen Propagandastrategien, Fakes und Shitstorms erkennen können. Auch hier braucht es die kritische und kreative Auseinandersetzung und Experimentiermöglichkeiten.

 

Deeskalierende Kommunikation lernen

Kinder und Jugendliche müssen lernen, deeskalierend zu kommunizieren und Angriffe richtig einzuschätzen. Dazu gehört auch, die Wut, welche zum Aufwachsen dazu gehört, kanalisieren zu können. Alternativen zu Beleidigungen auf digitalen Netzwerken müssen gelernt sein.

 

Zivilcourage unterstützen

Kinder sollen ermutigt werden, Zivilcourage zu zeigen in Form von Gegennarrative oder alternative Narrative. Dies kann in gewissen Fällen eine Antwort auf Extremismus im Netz sein. Gegennarrative, bei der man sich mit sachlichen Gegenargumenten (Debunking) und menschenrechtsorientiert in die Onlinedebatte einbringt, ist insbesondere stark darin, Vorurteile und einseitige Meinungen und Stimmen nachhaltig zu verändern. Es ist jedoch ein Ansatz, der mit Vorsicht eingesetzt werden sollte, da er erfordert, dass man das Thema sehr gut kennt. Alternative Narrative und positive Debatten können öffentlich ein Gegengewicht zu Rassismus und Hetze sein und insbesondere neutrale Mitlesende positiv beeinflussen. Diese Debatten können auch offline stattfinden - etwa in der Schule, in einer Jugendorganisation oder im privaten Umfeld. → Pilotprojekte Gegennarrative und alternative Narrative

 

Mit dem Kind über Terrorakte sprechen

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über gewaltbereiten Extremismus, Gewalt und Terrorismus, wenn es Fragen stellt oder wenn Sie denken, dass es das Bedürfnis hat. Ziel ist nicht, das Unerklärliche zu erklären, sondern dass das Kind seine Gefühle ausdrücken kann und Antworten auf seine Fragen erhält. Beachten Sie dabei folgende Punkte:

  • Drängen sie das Kind nicht, wenn es noch nicht bereit ist für ein Gespräch.
  • Seien Sie klar und deutlich.
  • Halten Sie Ihr Kind fern von Gewalt darstellenden Bildern oder Videos.
  • Lassen Sie Ihr Kind darüber sprechen, wie es die Ereignisse versteht und was es fühlt.
  • Beruhigen Sie das Kind und vermitteln Sie Sicherheit. Erinnern Sie es daran, dass es beschützt wird und seien Sie für das Kind da.
  • Finden Sie eine Sprache, die an den Entwicklungsstand und der Persönlichkeit des Kindes angepasst ist.
  • Teilen Sie Ihre Gefühle bezüglich des Ereignisses mit dem Kind, bleiben Sie dabei ruhig und gelassen, um keine Angst beim Kind auszulösen.
  • Beantworten Sie die Fragen des Kindes.
 

Radikalisierung früh erkennen

Um unguten Entwicklungen frühzeitig entgegenwirken zu können, müssen Radikalisierungstendenzen früh erkannt werden. Für Aussenstehende sind diese jedoch nicht immer unmittelbar zu erkennen, manchmal laufen sie gar verdeckt ab. Es gibt kein typisches Profil einer radikalisierten Person oder Gruppe.

Es gibt zudem keinen Indikator, der eindeutig auf eine Radikalisierung hindeutet. Sie zeigt sich in einem Zusammenwirken mehrerer Anzeichen. Bei jedem Jugendlichen sieht die Radikalisierung anders aus und die persönlichen Geschichten und Umstände sollten immer berücksichtigt werden. 

Jugendliche, die empfänglich für die Ideologien des Dschihadismus sind, erkennt man z.B. an folgenden Eigenschaften:

  • Provokationen mit scheinbar mutigen Aussagen (zum Beispiel, dass sie selbst in den Krieg ziehen werden)
  • Gewaltandrohungen oder andere Delikte -  Verharmlosung der Situation durch aussagen wie «Es ist ja nur ein Spiel, es ist nur Spass»
  • Plötzliche Verhaltensänderungen wie Abkehr von und Aggression gegenüber Andersdenkenden.  

(Quelle: sicher!gsund! 2018)

 

Aufmerksam sein und Hilfe holen

Achten Sie auf das kleinste Zeichen von Angst oder emotionaler Belastung (z.B. Unruhe, Aggression, Rückzug, Apathie, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Albträume, Einschlafprobleme, nicht ins Bett gehen wollen) bei Ihrem Kind. Suchen Sie, wenn nötig, professionelle Hilfe. (Quelle: Leitfaden BEGS)

 

Richtig handeln wenn das Kind sich radikalisiert hat

  • Keine Kommunikation auf Religions- und Glaubensebene, da es dafür Fachwissen benötigt.
  • Aufrechterhaltung der Beziehungsebene
  • Versuchen, mit dem/r Jugendlichen in Kontakt zu bleiben.
  • Klare Stellungnahme: „Gewalt ist durch nichts zu legitimieren und Gewalt ist kein Mittel zur Konfliktlösung“.
  • Nicht vorwurfsvoll oder aggressiv werden, sondern eine wertschätzende Grundhaltung einnehmen und konsequent Vorgehen.
  • Das Ziel eines Gesprächs sollte sein, dass das Kind das Verhalten überdenkt und möglichst ändert, um eine Selbst- sowie Fremdgefährdung abzuwenden und dass das Kind sich positiv weiterentwickeln kann, ohne dass die Ausbildung unterbrochen werden muss.
  • Bestehen Zweifel über den Schweregrad der Probleme oder die Gefährlichkeit der Situation, sollte eine Beratungsstelle oder die Polizei beigezogen werden.

(sicher! gsund!: Radikalisierung & Extremismus, 2017)

 
 
 

Weitere nützliche Infos

 
 

Anlaufstellen zum Thema Radikalisierung, Extremismus und Rassismus

 

Die Liste ist nicht abschliessend.

 

Informationen für Eltern

Zivilcourage & kritische Medienkompetenz

Hassreden

Extremismus & Radikalisierung im Netz

Präventionsvideos

 
 

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