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Medienkompetenz fördern

Teenager und Medien – Schritt für Schritt loslassen

Je älter Ihr Kind, desto selbstständiger möchte es sein – im realen wie im digitalen Leben. Es lotet Grenzen aus und überschreitet sie vielleicht von Zeit zu Zeit – das gehört zum Teenageralter dazu. Indem Sie sich als Eltern mit den Medien, die Ihr Kind nutzt, und deren Chancen und Risiken aktiv auseinandersetzen, können Sie Ihre Begleitfunktion im Erziehungsalltag wahrnehmen – als vertrauensvolle Zuhörer, hilfsbereite Gesprächspartner und interessierte Mitlernende.

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Gut zu wissen

 

Eine Geschichte aus dem Alltag

Fadri ist 14. Er lässt sich von seinem Handy wecken und setzt sich, wenn er nach dem Frühstück aus dem Haus geht, die Kopfhörer auf, um Musik zu hören. Im Bus prüft er rasch seine Mailbox, liest neue Nachrichten auf WhatsApp, schaut, wie viele Herzen er für seinen letzten Instagram-Post erhalten hat und leitet seinen Freunden ein lustiges YouTube-Video weiter. Im Unterricht arbeitet er mit seinen Mitschülern weiter an einer Gruppenpräsentation. Die Notizen seines Kollegen fotografiert er für seine Unterlagen. Alles tut er mit seinem Smartphone.

Nach der Schule fährt Fadri direkt zum Fussballtraining und anschliessend nach Hause. Im Bus repetiert er auf seinem Handy die Französischwörter mit einer Lernkartei.

Zuhause fährt er zuerst seinen Laptop hoch und arbeitet an seinem Vortrag weiter. Danach prüft er, ob sein Team bereits vollständig online ist, um das nächste Fussballspiel in «FIFA» spielen zu können. Zwei fehlen noch. Er schickt ihnen eine WhatsApp-Nachricht.

Rund eine Stunde später kündet seine Mutter das Nachtessen an. Er weiss, jetzt bleibt ihm noch eine halbe Stunde. Im Chat schreibt er, dass er bei der nächsten Gelegenheit aussteigt. Bereits eine Viertelstunde später ist es soweit. In der Zeit, die ihm bis zum Abendessen noch bleibt, chattet er mit seiner Freundin.

 

Jugendliche im Sekundarschulalter – Entwicklung und mediale Erfahrungen

Digitale Medien sind für Jugendliche heute Teil ihrer Lebenswelt. Computer und Handy sind gleichzeitig Unterhaltungs-, Lern- und Arbeitsgeräte. Wie die deutsche SINUS-Studie «Wie ticken Jugendliche?» (2016) schreibt, gehören die 14- bis 17-Jährigen «zur ersten Generation, die das Internet nicht nur selbstverständlich nutzt, sondern online lebt». Die mit Abstand grösste Bedeutung kommt dabei dem Handy bzw. Smartphone zu - als multifunktionaler, immerwährender Begleiter. Ein Leben ohne ist für die meisten Jugendlichen kaum vorstellbar: «Gerade die Integration diverser Funktionen macht das Smartphone nicht nur unentbehrlich, man hat vielmehr eine persönliche Beziehung mit emotionalen Qualitäten zu ihm aufgebaut.»

Für Jugendliche ist der Medienumgang zudem gemäss der Studie nicht ein bewusster Lernprozess, sondern eher etwas, das ganz natürlich geschieht. Man probiert aus, klickt sich durch und schaut, was passiert, tauscht sich mit Freunden aus oder nimmt Online-Tutorials und Foren zur Hilfe. Die Mediennutzung von Jugendlichen ist entsprechend überaus interaktiv. Es wird nicht nur passiv konsumiert oder zugeschaut, was andere machen, sondern man bringt sich ein.

In diesem selbstverständlichen, intuitiven Umgang unterscheiden sich Jugendliche meist von ihren Eltern. Diese Diskrepanz kann bei Eltern zu Verunsicherung führen. Hinzu kommt, dass Teenager sich in einem Ablöseprozess befinden, von Gleichaltrigen lernen und immer weniger auf die Eltern hören. Es gilt, in diesem Spannungsfeld eine Balance zu finden und einerseits eine gewisse Autonomie zuzugestehen, andererseits aber auch Grenzen zu setzen, Risiken aufzuzeigen und als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen.

 
 
 

Medien altersgerecht nutzen

 

Internet

Wenn Sie denken, dass Ihr Kind verantwortungsvoll mit dem Internet umgehen kann, sollten Sie ab ungefähr 12 Jahren schrittweise einen weniger kontrollierten Zugang gewähren.

Teenager sollten jedoch nicht mehr als 10 Stunden pro Woche vor dem Bildschirm verbringen – mehr als 20 Stunden pro Woche können problematisch sein, es sei denn, es dient der Arbeit für die Schule.
→ 
Onlinesuchtž

 

Smartphones

Mehr Selbstständigkeit bedeutet auch mehr Verantwortung. Ihr Kind muss verstehen, worauf man bei sensiblen Themen achten sollte. Informieren Sie sich gemeinsam darüber und helfen Sie ihrem Kind, die wichtigsten Vorkehrungen zu treffen. Das fängt bei Abo-Bedingungen und Tarifen an (Smartphones & Tablets), geht über Aspekte der Sicherheit (Sicherheit & Datenschutz), problematische Inhalte (Sexualität & Pornografie; Gewalt & Extremismus), Belästigungen (Cybermobbing) bis hin zu Urheberrechtsverletzungen (Einkaufen & Downloaden). 

 

Soziale Medien

Neben Kurznachrichten und Chats sind soziale Netzwerke bei Jugendlichen besonders beliebt. Hier tauschen sie sich aus, verabreden sich, teilen ihre Erlebnisse mit Text, Bild und Videos. Wichtig ist, dass sie der Risiken bewusst sind, die mit der Nutzung dieser Plattformen verbunden sind.
→ 
Soziale Medienž

 

Jugendgefährdende Inhalte

Jugendliche können mit digitalen Medien leichter als früher mit jugendgefährdenden Inhalten in Kontakt kommen, insbesondere über soziale Netzwerke, Tauschbörsen und Instant-Messaging. Gerade bei älteren Jugendlichen geschieht dies selten zufällig. «Sensation seeking» gehört zum normalen Neugierverhalten in dieser Lebensphase. Es kann in der Gleichaltrigengruppe sogar zu einer Art Sport werden, besonders krasse Medien zu finden und diese miteinander zu tauschen.

Jugendliche haben oft noch weniger starre moralische Massstäbe als Erwachsene und sie stellen traditionelle Moralvorstellungen gerne auch provokant in Frage. Da es weder möglich noch sinnvoll ist, dieses Verhalten durch Regeln oder Verbote wirksam einzugrenzen, sind Gespräche mit Jugendlichen über solche Medienerlebnisse besonders wichtig.
→ Tipps für den Alltag

 

Wichtig

Gemeinsame definierte Vereinbarungen sind besser als Verbote. 

 
 

Tipps für den Alltag

 

Loslassen, aber nicht allein lassen

  • Gestatten Sie Ihrem Kind Freiheiten und vermeiden Sie eine Überwachung. Aber nehmen Sie an der medialen Welt teil und unterhalten Sie sich regelmässig darüber: Wofür interessiert sich Ihr Kind? Wieso? Welche positiven Erfahrungen hat es gemacht? Was geht Ihrem Kind auf die Nerven? Gab es negative Erfahrungen? Was führt zu Verunsicherungen? Was nervt Sie an der Mediennutzung Ihres Kindes?
  • Nutzen Sie Gespräche auch, um Ihr Kind für Risiken zu sensibilisieren: Wenn Kommentare und Bilder einmal veröffentlicht sind, sind sie nicht mehr kontrollierbar und können sich schnell verbreiten. Zudem gelten ž auch im Internet Rechte und Gesetze und man kann sich strafbar machen. ž
  • Beobachten Sie, ob sich das Verhalten Ihres Kindes verändert, z.B. Dauer und Häufigkeit der Mediennutzung.
    → Onlinesucht ž
  • Suchen Sie mit Ihrem Kind das Gespräch, wenn es wiederholt den Computer ausschaltet, sobald Sie den Raum betreten. ž
  • Werden Sie aktiv, wenn Sie Pornosammlungen und Gewaltdarstellungen auf den Computern oder Handy Ihres Kindes finden und holen Sie sich fachlichen Rat.
    → Sexualität & Pornografie
    → Gewalt & Extremismus
 

Regeln festlegen und Stellung beziehen

  • žVereinbaren Sie gemeinsam Regeln. Und sorgen Sie dafür, dass sie eingehalten werden. ž
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind die Kontakte im realen Leben nicht vernachlässigt. Es sollte eine Balance zwischen Online- und Offline-Aktivitäten bestehen. ž
  • Sorgen Sie auch für bewusste Handy-freie Zeiten. Und gehen Sie als gutes Vorbild voran. ž
  • Ihr Kind soll Altersempfehlungen ernst nehmen - von sozialen Netzwerken, Chats, Filmen und Games. ž
  • Thematisieren Sie Wirkungen im Internet - die Bedeutung von sexy Darstellungen oder stereotypen Geschlechterrollen beispielsweise.
 

Sich kritisch mit Medieninhalten auseinandersetzen

Nutzen Sie das mediale Interesse Ihres Kindes, um seine Medienkompetenzen aktiv zu fördern:

  • Nehmen Sie z. B. die Lieblings-Castingshow oder TV-Serie unter die Lupe. Versuchen Sie, die Tricks der Macher zu durchschauen: Wie werden die ž Kandidatinnen und Kandidaten bzw. Hauptpersonen dargestellt? Wie sollen wir als Zuschauer beeinflusst werden? Geschieht das offen oder eher versteckt? ž
  • Lassen Sie Ihr Kind im Internet Bekannte und Verwandte - oder auch den eigenen Namen - suchen. Welche Informationen werden gefunden? Diskutieren Sie darüber, welche Spuren man im Netz hinterlässt. ž
  • Thematisieren Sie das Thema «Fake News» und wie man im Netz Wahres von Falschem unterscheiden kann.
 

Digitale Medien kreativ nutzen

Die kreative Nutzung digitaler Medien erweitert die Möglichkeiten und Erfahrungen Jugendlicher. Vom eigenen Blog über selbst gebastelte Gadgets bis hin zur eigenen App-Entwicklung sind den Ideen keine Grenzen gesetzt.
→ Recherchieren & Lernen

 
 
 

Weitere nützliche Infos

 
 
 

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