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Medien im Vorschulalter – punktuell und nie allein

Ob durch die Eltern, Grosseltern oder ältere Geschwister – Kinder kommen von klein auf mit digitalen Medien in Berührung. Und meist sind sie schnell fasziniert und gebannt von den Farben, Bildern und Geräuschen. Als Eltern stellen Sie sich vielleicht Fragen wie: ab welchem Alter dürfen Kinder digitale Medien nutzen? Kann ein zu früher Bildschirmkontakt schädlich sein? Wie sieht ein sinnvoller Umgang mit Medien – auch für die Jüngsten – aus? Beginnen Sie frühzeitig, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen.

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Gut zu wissen

 
 

Eine Geschichte aus dem Alltag

Der 4-jährige Leo spielt am liebsten draussen - mit Dreck und immer wieder mit Wasser. Im Haus baut er mit seinen Holzbausteinen Brücken, Bauernhäuser oder Türme und spielt dann darin mit den Playmobilfiguren weiter.

Leo besitzt einen CD-Player, auf dem er Kindergeschichten-Geschichten hört. Auch hat er dazu ein Mikrofon, mit dem er zu seinen Lieblingsliedern jeweils lautstark mitsingt.

Fast noch lieber schaut sich Leo jedoch auf dem Tablet seiner Mutter die Geschichten des kleinen Eisbären Lars an. Meistens immer wieder dieselbe Episode. Die durfte er sich sogar schon alleine ansehen und fühlte sich ziemlich gross dabei. Filme gibt's aber nicht jeden Tag. Das Sandmännchen im Fernsehen kurz vor sieben hingegen schon. Danach geht Leo langsam zu Bett und Mama oder Papa lesen ihm noch eine Gute-Nacht-Geschichte vor.

In den Ferien bei seinen Grosseltern darf Leo jeweils mit Omas Smartphone Bilder schiessen. Und Oma und Opa müssen dann herausfinden, was er fotografiert hat. Auf Omas Handy hat es auch drei Pixi-Büchlein. Die schaut sich Leo besonders gerne an.

 

Kinder im Vorschulalter – wie sie Medien nutzen und was sie brauchen

Für kleine Kinder sind direkte Kontakte und Erlebnisse aus entwicklungspsychologischer Sicht wesentlich. V.a. Kinder unter 3 Jahren sollten deshalb primär ihre reale Umgebung entdecken und erfahren. Digitale Medien sind für sie meist noch eine zu grosse Reizquelle und Überforderung.

Erste Kontakte zu Medien geschehen jedoch immer früher und wie Studien deutlich machen, kommt es rasch zu einer Bindung. In einer Befragung in Deutschland (miniKIM 2014) wird das Fernsehen von über der Hälfte der Eltern als das wichtigste Medium genannt, auf das ihre 4- und 5-jährigen Kinder nicht mehr verzichten könnten. Bei den Eltern von 2- und 3-Jährigen nannten diesknapp ein Drittel - als wichtigstes Medium in diesem Alter bezeichneten Eltern Bilderbücher. Gemäss der ebenfalls deutschen BLIKK-Studie aus dem Jahr 2017 sind fast 70 Prozent der 2- bis 5-Jährigen nicht imstande, sich mehr als zwei Stunden ohne ein digitales Medium alleine zu beschäftigen. Für Eltern und andere Bezugspersonen ist es umso wichtiger, ihre Kinder bei einem altersgerechten Medienumgang zu begleiten und negative Anzeichen (beispielsweise der Überforderung) zu erkennen.

 
 
 

Medien altersgerecht nutzen

 
 

Fernsehen

    • žFür Kinder unter 3 Jahren ist Fernsehen nicht geeignet. Die Bilder und schnellen Schnitte können sie verwirren und verunsichern.
    • Kinder zwischen 3 und 5 Jahren können mit elterlicher Begleitung bis zu 30 Minuten pro Tag fernsehen. Ihre Konzentrationsfähigkeit ist jedoch beschränkt und sie erkennen einen Film nicht als Ganzes. Zudem nehmen Kinder die TV-Welt als «wirklich» wahr. Sie erkennen nicht, was im TV real ist und was inszeniert.
    • Altersgerechte DVDs eignen sich für Kinder unter 4 Jahren besser als TV, da diese gestoppt und wieder angeschaut werden können. Für Kindergartenkinder eignen sich kurze, lustige Szenen mit bekannten Figuren und einem Happy End.
    • Es muss nicht immer etwas Neues sein: Wiederholungen sind für kleine Kinder wichtig, weil sie eine Geschichte oft nicht beim ersten Mal verstehen.
    • Bewegung und freies Spiel können Ihrem Kind helfen, seine Eindrücke besser zu verarbeiten.
       

      Internet

      • žKinderfragen stellen eine hervorragende Möglichkeit dar, gemeinsam das Internet kennenzulernen: Wo ist die grösste Stadt? Wann lebten Ritter? Warum heissen Milchzähne so? Wenn die Antwort im Kinderlexikon nicht ausreicht, können Sie gemeinsam auf kindgerechten Internetseiten surfen. Hier stillen Texterklärungen, Filme und Bilder den Wissensdurst der Kinder.
      • Kinderwebseiten berücksichtigen, dass Kinder noch nicht über vollständig ausgebildete feinmotorische Fertigkeiten verfügen und im Umgang mit dem Internet kaum geübt sind: So lernen sie, was Symbole bedeuten, wie man auf einer Seite navigiert und gezielt Dinge anwählt. Im Vorschulalter sind zudem visuelle und akustische Navigationshilfen angebracht. Und neben Online-Inhalten sollte der Bezug zu Offline-Aktivitäten geschaffen werden, zum Beispiel mit Anleitungen zum Malen, Basteln und Gestalten. → Recherchieren & Lernen
       

      Apps

      Gute Kinder-Apps sind ...

      • intuitiv aufgebaut und einfach bedienbar;
      • ansprechend animiert und übersichtlich;
      • anregend und wecken die Neugier der Kinder;
      • Impulsgeber und regen das Gespräch über die Inhalte zwischen Eltern und Kindern an.

       

      Gute Kinder-Apps sind ohne ...

      • Gewaltdarstellungen oder Inhalte, die Kinder ängstigen oder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen;
      • Werbung, die Kinder durch Inhalt und/oder Platzierung behindern, ablenken oder verwirren;
      • Möglichkeiten zu In-App-Käufen;
      • direkte Verlinkungen zu Webangeboten, sozialen Netzwerken, App-Shops und E-Mail-Konten.

      Smartphones & Tablets

       

      Denken Sie daran

      Testen Sie Spiele und Apps selbst aus, bevor Ihr Kind sie benutzt.

       
       

      Tipps für den Alltag

       

      Lieber real als digital

      • Verzichten Sie bei ganz kleinen Kindern auf Smartphone, Tablet, Computer und Fernsehen. Kleinkinder brauchen Ihre Aufmerksamkeit und volle Zuwendung. Wenn Sie mit Ihrem Baby kommunizieren, nimmt es Ihr Gesicht, Ihre Stimme und Ihre Berührungen wahr. Das ist wichtig, damit es sich gespiegelt fühlt.
      • Kinder im Vorschulalter verstehen nur Themen, die sie kennen. Wiederholen Sie deshalb Medienaktivitäten und achten Sie auf ein gesundes Mass.
      • Achten Sie auf ein Gleichgewicht zwischen Mediennutzung und anderen Beschäftigungen. Spielen an der frischen Luft, malen oder basteln sollten Vorrang haben. Nehmen Sie sich Zeit, gemeinsam etwas Schönes zu erleben.
       

      Medien nicht überbewerten

        • Nutzen Sie etwa Computerspiele nicht als Belohnung. Und drohen Sie nicht mit Verboten als Strafe. Damit baut Ihr Kind nur unnötig viel Aufmerksamkeit für das digitale Spielen auf.
        • Medien sind keine Babysitter. Es braucht die ständige Begleitung durch Erwachsene.

           

         

        Zeiten, Regeln und Rituale

        • Für kleine Kinder sind feste Zeiten besonders wichtig, weil sonst eine Überreizung droht. Reduzieren Sie das Spielen auf wenige Minuten am Tag.
        • 30 Minuten Aufmerksamkeitsphase ist ein Richtwert. Wie viel Ihr Kind verträgt, können Sie am besten einschätzen. Seien Sie aufmerksam.
        • Gemeinsames Fernsehen darf zu einem Ritual werden. Einigen Sie sich mit Ihrem Kind auf feste Fernsehzeiten und -inhalte und erstellen Sie gemeinsam Regeln. Damit helfen Sie Ihrem Kind, dem Fernsehen einen konkreten Platz zuzuweisen und eine Sendung bewusst zu konsumieren. Ausserdem stärken gemeinsame Rituale und Verabredungen das Wir-Gefühl in der Familie und fördern das soziale Verhalten Ihres Kindes.
        • Verzichten Sie kurz vor dem Schlafengehen auf Filme, TV und Apps.
         

        Aufmerksam sein und Erlebtes verarbeiten

        • Testen Sie Spiele und Apps selbst aus, bevor Sie Ihrem Kind erlauben, sie zu entdecken.
        • Fragen Sie sich: Welche Welt wird in dem Spiel oder der App vermittelt? Möchte ich, dass mein Kind diese Welt zum Vorbild nimmt?
        • Beobachten Sie Ihr Kind und gehen Sie auf Signale ein. Wenn Sie z.B. merken, dass ein Fernsehbeitrag für Ihr Kind nicht verdaulich ist, kann ein klares Nein notwendig sein.
        • Kinder ahmen gern ihre TV-Helden nach und testen die Grenzen ihrer eigenen Welt immer wieder neu aus. Nehmen Sie die Helden Ihrer Kinder ernst. Kinder können an und mit ihren Helden wachsen. Fragen Sie Ihr Kind, was es an seinen Helden gut findet. Sprechen Sie auch über reale Helden aus Umfeld oder Familie.
        • Bieten Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, im Internet Gesehenes zu verarbeiten - durch Ertasten, Beobachten, Hören, Erforschen, Schmecken oder Riechen. So lernt Ihr Kind neu erworbenes Wissen zu erfahren und in seine eigene Welt einzuordnen.
         
         
         

        Weitere nützliche Infos

         

         

         

         

         

         
         

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