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Medienerziehung – die wichtige Rolle der Eltern

Das Internet gleicht einer grossen Stadt: Es gibt sichere Gegenden, nette Leute, Kinderspielplätze, verkehrsberuhigte Zonen, Einkaufsmöglichkeiten. Aber es gibt auch dunkle Ecken, merkwürdige Gestalten, gefährliche Strassen, Rotlichtbezirke, Kriminalität. Wie lernt mein Kind, sich in dieser Stadt sicher und verantwortungsvoll zu bewegen? Genau wie im realen Leben braucht es auch in der digitalen Welt die Begleitung der Eltern – als vertrauensvolle Zuhörer, hilfsbereite Gesprächspartner, interessierte Mitlernende und gute Vorbilder. Wie Medienerziehung im Alltag gelingt, erfahren Sie in dieser Rubrik.

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Gut zu wissen

 
 

Was heisst Medienkompetenz?

Medienkompetenz bedeutet, bewusst und vor allem verantwortungsbewusst mit Medien umzugehen. Das umfasst weit mehr als das reine Beherrschen der Technik. Wer die verschiedenen Medien und deren Möglichkeiten kennt, kann sie gezielt für seine Bedürfnisse nutzen und auch aktiv Inhalte gestalten. Wer weiss, welche Risiken bestehen, achtet auf die nötige Vorsicht, ist zurückhaltend bei der Preisgabe persönlicher Daten, wahrt einen kritischen Blick und hinterfragt den Wahrheitsgehalt medialer Inhalte. Medienkompetenz heisst aber auch, sein eigenes Medienverhalten zu reflektieren, Umgangsregeln zu beachten und eine gute Balance zwischen Online- und Offline-Zeiten zu finden.

 

Welchen Einfluss haben Eltern und warum ist ihre Rolle so wichtig?

Kinder sind neugierig und beobachten, wie sich die Menschen in ihrer Umgebung verhalten: Wie gehen sie miteinander um? Welche Geräte nutzen sie und wie? Gerade kleine Kinder eifern den Menschen, die ihnen nahe stehen, fleissig nach und imitieren sie. Denn Bezugspersonen sind ihre Vorbilder. Befragungen von Kindern zeigen, dass für sie die Eltern die wichtigsten Vermittler von Medienkompetenz sind. Insbesondere in den ersten zehn Lebensjahren ist der Einfluss der Eltern bedeutend, um einen sicheren und altersgerechten Medienkonsum zu gewährleisten, Regeln für die Nutzung zu bestimmen und eine Vertrauensbasis zu schaffen, damit Kinder bei unangenehmen Internetbegegnungen, übergriffigen Bemerkungen oder schockierenden Inhalten auf sie zukommen. Auch moralische Werte und ein gesundes Selbstbewusstsein sind für Kinder wichtig, um sich schützen und abgrenzen zu können. Und selbst wenn Ihr Kind Sie im technischen Know-how irgendwann überholt, bleiben Sie ihm mit Ihrer Lebenserfahrung voraus, wenn es um die kritische Analyse vermittelter Inhalte und die Abschätzung sozialer Konsequenzen geht.

 

Die grössten Sorgen und Unsicherheiten von Eltern

In Befragungen von Eltern, was ihnen in Bezug auf die Mediennutzung ihrer Kinder am meisten Sorgen bereitet, werden immer wieder die gleichen Aspekte genannt. Eine der grössten Befürchtungen ist, dass Kinder mit nicht altersgerechten, sprich pornografischen oder gewalttätigen Inhalten in Berührung kommen, die sie verstören. Eltern fragen sich, wie sie ihre Kinder davor schützen können, insbesondere bei mobilen Geräten oder wenn beispielsweise ungewollt Pop-Ups aufgehen. Auch mögliche problematische Kontakte, drohende Kostenfallen oder betrügerische Angebote gehören zu den meistgenannten Sorgen.

Ganz allgemein führt das Bewusstsein, keine völlige Kontrolle über die Mediennutzung ihres Kindes (v.a. mit zunehmendem Alter) zu haben, zu grosser Unsicherheit. Hinzu kommt die Befürchtung, dass ein Zuviel negative emotionale und soziale Folgen haben könnte. Auch deshalb, weil Eltern oft feststellen, dass der Medienkonsum bei ihren Kindern zu Nervosität, Gereiztheit, Unzufriedenheit oder schlechter Laune führt. Deshalb fragen sich Eltern zurecht, wie eine altersgerechten Nutzung aussieht und welche zeitlichen Einschränkungen oder anderen Regeln sinnvoll sind.

 

Die vier Bereiche der Medienerziehung

Als Eltern sollten Sie in folgenden vier Bereichen über Wissen verfügen und aktiv werden können:

 

Grenzen elterlicher Kontrolle

So verständlich der elterliche Wunsch nach Kontrolle und Aufsicht ist, um Kinder und Jugendliche vor Risiken zu schützen, so wichtig ist auch die Erkenntnis, dass die Möglichkeiten letztlich begrenzt sind. Smartphone und Tablet machen es einfach, überall online zu gehen. Mit zunehmendem technischen Know-how können von Eltern vorgenommene Schutzmassnahmen leicht umgangen werden. Selbst Kinder haben die Möglichkeit, einen anonymen Surfmodus zu verwenden, wodurch sie sich der elterlichen Kontrolle entziehen. Altersfreigaben bieten keine Garantie, dass Kinder von bestimmten Darstellungen nicht geschockt oder verängstigt sind. Und schliesslich gehört die Missachtung von Regeln zur Pubertät dazu.

Aus all diesen Gründen kommt es vor allem auf die Vertrauensbeziehung und den Dialog zwischen Eltern und ihren Kindern an.

 

 

 
 
 

Medien altersgerecht nutzen

 

Zur Altersfrage: Entwicklungsstufen von Heranwachsenden

Die Frage, ab wann Kinder reif sind für den Umgang mit den mobilen Medien und wie viel für ihr Wohlbefinden gut ist, hängt mit den Fähigkeiten zusammen, die je nach Altersstufe entwickelt werden. Darum hier ein kurzer Einblick:

 
 

1. und 2. Lebensjahr

Die Geräusche, das Licht und die Farben auf Bildschirmen sind Reizquellen, die überfordern können, da die Fähigkeit zur Selbstregulation noch nicht vorhanden ist. Im ersten Lebensjahr sollten Babys deshalb möglichst wenig mit medialen Inhalten in Kontakt kommen. Sobald ein Kleinkind Greifbewegungen erlernt, erreicht es erste (allerdings zufällige) Effekte auf einem Touchscreen. Im 2. Lebensjahr versteht ein Kind zudem einfache Bildergeschichten. Nutzen Eltern dafür ein Smartphone oder Tablet, ist es wichtig, die Aufmerksamkeit zu lenken und den Bezug zum eigenen Erleben des Kindes herzustellen.

 

3. Lebensjahr

Das Interesse an anderen Menschen steigt, Sprache und Fantasie entwickeln sich weiter. Kinder wenden sich vermehrt bewusst digitalen Medien zu und interessieren sich für spielerische und kreative Funktionen. Dieses Interesse kann gefördert werden, indem Fotos oder Videos gezeigt werden – dabei ist jedoch immer darauf zu achten, das Kind nicht zu überreizen.

 

Ab 3 Jahren

Die Fähigkeit zum symbolischen Denken (d. h. mit Zeichen wie Buchstaben, Wörtern oder Zahlen), aber auch grob- und feinmotorische Kompetenzen werden immer ausgeprägter, was den Umgang mit digitalen Medien beeinflusst. Tipp- und Wischbewegungen bereiten kaum mehr Mühe und werden gezielt angewandt. Das Verständnis für mediale Inhalte steigt. So kann beispielsweise der Bezug von Fotos zur erlebten Realität geschaffen werden. Mit altersgerechten Apps können die kognitiven Fähigkeiten gezielt gefördert werden.

 

5 und 6 Jahre

Informationen können immer schneller verarbeitet werden. Der Wissensdrang nimmt zu. Das Interesse an Medien ist gross – zur Unterhaltung, aber auch zur Beantwortung von Fragen. Das Internet wird ebenfalls wichtiger, dessen Struktur aber in dem Alter noch nicht verstanden wird. Zudem fehlen Lese- und Schreibfähigkeiten. Deshalb sind Beschränkungen und elterliche Begleitung besonders bedeutend.

 

7 bis 10 Jahre

Die Kinder lernen Lesen, Schreiben, Rechnen und eignen sich zunehmend Wissen an. Zudem werden sie selbstständiger; Eltern trauen ihnen immer mehr zu und übertragen Verantwortung. Auch Medien werden entsprechend selbstständiger genutzt für eigene Interessen, Hausaufgaben und zur Unterhaltung. Die kommunikativen Funktionen der digitalen Medien werden wichtiger und die Kinder verstehen immer mehr den Unterschied zwischen Fiktion und Realität. Viele Kinder in dem Alter besitzen bereits ein eigenes Smartphone. Eltern sollten nebst der engen Begleitung insbesondere kindergerechte Sicherheitseinstellungen berücksichtigen und Risiken thematisieren.

 

11 und 12 Jahre

Die Fähigkeit, abstrakt und hypothetisch zu denken, verstärkt sich. Selbstreflexion und Selbstkritik werden vermehrt möglich. Kinder hinterfragen zunehmend Regeln. Mit zunehmendem Spielraum für eigenständige Medienaktivitäten nimmt auch die Wahrscheinlichkeit der Konfrontation mit nicht altersgerechten Inhalten zu. Entsprechend wichtig ist es, das Bewusstsein für Risiken zu schärfen.

 

13 bis 16 Jahre

Die Pubertät bringt körperlich und emotional verschiedene Veränderungen und Herausforderungen mit sich. Die Entwicklung der eigenen Identität geht mit der Ablösung von den Eltern einher. Gerade das Smartphone ist dabei ein wichtiges Element für das Autonomieerleben. Im Austausch mit Gleichaltrigen entwickeln die Heranwachsenden ihr Medienwissen weiter und überholen in gewissen Fertigkeiten ihre Eltern. Die Bedeutung der elterlichen Rolle als Begleiter und Unterstützer nimmt aber nicht ab: Nachfragen, informiert bleiben, kritische Fragen stellen und Reflexionsprozesse fördern bleiben wichtige Aufgaben.

 
 

Wichtig

Achten Sie auf eine Balance zwischen medialen und non-medialen Aktivitäten.

 
 

«3-6-9-12» - eine einfache Faustregel

  • Bis 3 Jahre: Kein Fernsehen und kein regelmässiger Bildschirmkonsum - gegen ein punktuelles Nutzen von kleinkindgerechten Filmen, Sendungen oder Apps oder das Ansehen von digitalen Fotoalben oder Videochats mit Verwandten und Bekannten ist nichts einzuwenden.
  • Bis 6 Jahre: Keine eigene Spielkonsole
  • Bis 9 Jahre: Kein Internet und kein eigenes Handy. Ein gemeinsam genutztes Familienhandy kann aber sinnvoll sein.
  • Bis 12 Jahre: Keine sozialen Netzwerke, kein unbeaufsichtigtes Internet.
 
 
 

Tipps für den Alltag

Die folgende 7-Schritt-Strategie dient als Hilfestellung, um das Thema Mediengebrauch regelmässig anzusprechen und Probleme zu lösen. Mit einer offenen, verständnisvollen, aber auch klaren Haltung gelingt es, eine vertrauensvolle Basis zu schaffen.

 
 

Interesse zeigen und miteinander reden

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Interessen und Gewohnheiten (chatten, spielen, surfen, soziale Netzwerke). Was macht es besonders gern? Was gefällt ihm an seinem Lieblingsspiel? Hat es schon einmal etwas Negatives erlebt?
  • Vielleicht denken Sie, als Erwachsene müssten Sie vieles besser wissen. Bei digitalen Medien kann es aber auch einmal umgekehrt sein. Lassen Sie Ihr Kind die Expertenrolle übernehmen. So zeigen Sie ihm, dass Sie sich dafür interessieren, was es macht. Ein solches Interesse bildet die Grundlage für alle weiteren Schritte. Und es wird stolz sein, Ihnen zu zeigen, was es weiss.
  • Erklären Sie Ihrem Kind auch, warum Sie sich Sorgen machen und wissen wollen, was online geschieht.
  • Ermutigen Sie Ihr Kind, über unangenehme Internetbegegnungen, übergriffige Bemerkungen oder schockierende Inhalte zu sprechen – wie etwa Gewalt oder Pornografie.
  • Vermitteln Sie klare – je nach Alter gemeinsam ausgehandelte – Regeln und Grenzen, sowohl in Bezug auf den Zugang und die Nutzungszeiten. So werden Sie von Ihrem Kind als interessierte und kompetente Ansprechperson wahrgenommen.
  • Erklären Sie Ihrem Kind, weshalb Altersfreigaben und Inhaltskennzeichnungen sinnvoll sind. Machen Sie klar, dass diese einzuhalten sind. → Games
  • Vereinbaren Sie auch, wie Sie das Einhalten kontrollieren. Bedenken Sie: Heimliches Überwachen fördert kein Vertrauen.
 

Gemeinsam das Internet erkunden und Vorbild sein

  • Entdecken Sie die Möglichkeiten und Chancen von digitalen Medien gemeinsam mit Ihrem Kind: Setzen Sie sich mit den Medien auseinander, spielen und lernen Sie zusammen. Denn gemeinsame positive Medienerlebnisse können eine weitere Grundlage dafür bilden, sich später auch über kritische Erlebnisse auszutauschen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, wie es sich schützen kann, und unterstützen Sie es dabei.
    → Sicherheit & Datenschutz
  • Fragen Sie sich ausserdem immer wieder, ob Sie ein gutes Vorbild sind. Das heisst nicht, dass Sie nur noch das tun dürfen, was Sie Ihren Kindern erlauben. Allerdings müssen Sie sich bewusst sein, dass Kinder sich bei Eltern viele Verhaltensmuster abschauen, die später wirksam werden.
 

Nicht drohen oder strafen

  • Verwenden Sie Medien nicht als Mittel zur Bestrafung oder Belohnung. Medien erhalten dadurch eine übersteigerte Bedeutung.
  • Drohungen und Strafen führen zudem dazu, dass Kinder Probleme eher verheimlichen und nicht gesprächsbereit sind. Kinder sollten stattdessen wissen, dass Sie versuchen werden, ihnen bei Problemen mit Ruhe und Verständnis zuzuhören.
  • Ein Kinderzimmer ohne Fernseher, Computer und Spielkonsole hilft, die abgemachten Bildschirmzeiten im Auge zu behalten.
  • Vermeiden Sie auch generelle Verbote. Denn ein striktes Handy- und Internet-Verbot würde Kindern Lernchancen und soziale Zugehörigkeit vorenthalten. Medien gehören heute zum Alltag. Kinder müssen lernen, sinnvoll mit ihnen umzugehen.
 

Reagieren, wenn etwas seltsam erscheint

  • Eltern haben in der Regel ein gutes Sensorium dafür, wenn mit ihrem Kind etwas nicht stimmt. Reagieren Sie, wenn Sie das Gefühl haben, am Verhalten Ihres Kindes hat sich etwas verändert oder Ihnen sonst etwas eigenartig vorkommt.
  • Sagen Sie Ihrem Kind, wenn Sie den Eindruck haben, dass es sich anders verhält als sonst. Erkundigen Sie sich, was der Grund sein könnte.
  • Machen Sie deutlich, dass Sie sich Sorgen machen.
 

Empathie zeigen

  • Wenn Ihr Kind von Problemen erzählt, ist es wichtig, zunächst Empathie zu zeigen. Kinder brauchen jemanden, der sie unterstützt, auch wenn sie sich vielleicht nicht korrekt verhalten haben.
  • Machen Sie keine Vorwürfe. Zeigen Sie stattdessen auf, dass das Verhalten zwar nicht okay war, aber dass Sie trotzdem zu ihm stehen und helfen werden, das Geschehene wieder gut zu machen.
  • Versuchen Sie, im Gespräch Vorschläge für mögliche Umdeutungen anzubieten. Vielleicht kann man eine Situation auch anders verstehen und diese veränderte Sichtweise bietet einen Ausweg.
 

Gemeinsam Lösungen suchen

  • Wenn es darum geht, Lösungen zu finden, sollten Sie Ihr Kind immer mit einbeziehen. Entscheiden Sie nicht über den Kopf Ihres Kindes hinweg. Nur so können Kinder lernen, später auch selbst Lösungen zu suchen.
  • Wichtig ist zu signalisieren, dass es immer eine Lösung gibt. Das gilt insbesondere für Mobbingopfer, denen ihre Situation sonst sehr ausweglos vorkommen kann.
    → Cybermobbing
 

Vertrauenspersonen aktivieren, Hilfe suchen

  • Es gibt viele mögliche Ansprechpartner. Für Ihr Kind ist es wichtig zu erfahren, dass es nicht allein ist – und dass es auch Hilfsmöglichkeiten gibt, wenn Sie als Eltern nicht weiterwissen.
  • Je nachdem, was geschehen ist, müssen verschiedene Stellen involviert werden: Bei Mobbing oder Diskriminierung beispielsweise die Schule, bei Belästigungen allenfalls die Polizei.
  • Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, bei einer Beratungsstelle Rat zu holen → Beratungsangebote Datenbank
 
 
 

Weitere nützliche Infos

 
 
 

Internetseiten für Eltern zum Thema Medienerziehung

 
 
 

Weitere Angebote für Eltern und Grosseltern