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Narrativen gegen Radikalisierung im Internet

Gerade Jugendliche und junge Erwachsene sind besonders anfällig für gewalt-extremistische Propaganda, wie sie in den sozialen Netzwerken verbreitet wird. Angesichts extremistischer politischer oder religiöser Ideologien, die zu Gewalt und sozialer Isolation führen, ist die Bereitstellung und Verbreitung von Gegennarrativen und alternativen Narrativen in Form von Videos oder Slogans eine erfolgversprechende Strategie zur Prävention des Phänomens. Im Rahmen ihres Schwerpunktes 2017 - 2018 «Extremismus und Radikalisierung» erprobt und evaluiert die nationale Plattform Jugend und Medien diese Methoden.

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Im Rahmen ihres Schwerpunktes 2017 - 2018 «Extremismus und Radikalisierung» unterstützt die Plattform Jugend und Medien vier Pilotprojekte, die Gegennarrativen oder Alternative Narrativen als Methode einsetzen. Die unterstützten Pilotprojekte sollen verhindern, dass junge Menschen übers Internet radikalisiert werden. Das Ziel des Projekts ist es, Good practice zu identifizieren und schweizweit zugänglich zu machen.

 
 

Was sind Gegen- und alternative Narrativen?

Gegennarrative im engeren Sinne dekonstruieren, entmystifizieren und diskreditieren direkt extremistische Botschaften, etwa durch ideologische oder theologische Argumente, durch Humor, die Aufdeckung von Heuchelei, Lügen und Fehlinformationen. Ausserdem wecken und schärfen sie den kritischen Verstand und zeigen, wie man die richtigen Fragen stellt. Die Jugendlichen werden dazu ermutigt, sich diese Fragen selbst zu stellen und somit Argumente und Gegenargumente kritisch zu reflektieren und zu hinterfragen.

Die alternativen Narrative fokussieren auf alternative, positive Botschaften: «für» anstatt «gegen» etwas. Sie vermitteln positive Inhalte über das Zusammenleben, die Offenheit gegenüber Anderem, die soziale Integration, über die Demokratie und den liberalen Rechtsstaat.

 

Pilotprojekte Gegennarrative und alternative Narrative

Das von der nationalen Plattform Jugend und Medien durchgeführte Projekt besteht darin, vier von der Zivilgesellschaft erarbeitete und verbreitete Pilotprojekte zu Gegennarrativen und alternativen Narrativen zu unterstützen, zu begleiten und zu evaluieren. Die Umsetzung der vier Projekte wird dabei eng verfolgt. Die Projekte erhalten finanzielle Unterstützung. Zudem finden themenspezifische Austauschtreffen statt (zur Einbindung von Jugendlichen, Online-Kommunikation, nachhaltigen Verankerung des Pilotprojekts usw.). 

Durch die externe Evaluation soll Wissen über die Umsetzung solcher Projekte gewonnen werden. Ausserdem soll das Potential für deren Verbesserung identifiziert werden. Die Schlussfolgerungen des Evaluationsberichts und die daraus abgeleiteten Empfehlungen dienen den Kantonen, Gemeinden und zivilgesellschaftlichen Organisationen als Grundlage für die Ausgestaltung und die Umsetzung vielversprechender Gegennarrativ- oder Alternativnarrativprojekte.

 

Die vier Pilotprojekte

 

#SwissMuslimStories

Das Ziel der Kurzfilmkampagne #SwissMuslimStories ist es, mit den Klischees über Musliminnen und Muslime in der Schweiz zu brechen und eine neue, junge und kreative Perspektive in die Debatte um den Islam in der Schweiz einzubringen. Die Kampagne soll damit eine Alternative zu denjenigen extremen und polarisierenden Positionen und Stimmen bieten, die sich gegen Diversität und Vielfalt richten und Opfer- und Exklusionsnarrativen verbreiten.

Kernelement der Kampagne ist eine Serie von 10-12 kurzen Videos, die als «Portraits» und «Stories» konzipiert sind und über die gängigen Plattformen der Sozialen Medien verbreitet werden.

Durch verschiedene individuelle Geschichten von Schweizer Musliminnen und Muslimen wird deren gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation sichtbar gemacht sowie die Vereinbarkeit und Gleichzeitigkeit verschiedener Identifikationen aufgezeigt. Zugleich fungieren die porträtierten Personen als positive Beispiele für junge Musliminnen und Muslime und zeigen auf, dass die Verbindung aus Muslim- und Schweizersein eine grosse Ressource für die gesellschaftliche Teilhabe und das gesellschaftliche Engagement darstellt. Ein weiteres wichtiges Element der Kampagne ist das Aufzeigen der Pluralität und Diversität muslimischer Lebenswelten in der Schweiz.

Die Videos sollen transportieren, dass es bei Schweizer Muslimen verschiedene Religionsverständnisse und Formen religiöser Praxis gibt und wie diese Vielfalt im Islam nebeneinander bestehen kann. Damit soll extremistischer Propaganda entgegengewirkt werden, die behauptet, dass ihr jeweiliges Islamverständnis das einzig wahre ist. Dadurch sollen aber auch vorurteilsbehaftete und undifferenzierte Bilder über «den Islam» und «die Muslime», welche rassistischen Haltungen Vorschub leisten können, entgegengewirkt werden.

Die Kampagne richtet sich an ein breites sowohl muslimisches als auch nicht-muslimisches Publikum, wobei vor allem Jugendliche (12-18 Jahren) und junge Erwachsene (18-25 Jahren) angesprochen werden sollen.

Der Hauptverbreitungskanal der Kampagne sind die Sozialen Medien. Entsprechend sollen Accounts mit dem Namen #SwissMuslimStories auf Instagram, Facebook und Telegram eröffnet werden, wo die Kurzvideos sowie weiteres visuelles Material hochgeladen werden. Für die Verbreitung der Videos soll zudem ein YouTube-Kanal sowie eine Projekt-Website erstellt werden, auf der die Kurzfilme sowie Hintergrundinformationen zu den Inhalten hochgeladen werden.

Projektträger und Projektleitung:

  • Projektträger: Verein Ummah (Muslimische Jugend Schweiz)
  • Projektleitung: Dominik Müller, ISEK Ethnologie, Universität Zürich infoanti spam bot@swissmuslimstoriesanti spam bot.ch
  • Projektleitung Stv: Dr. Dilyara Müller-Suleymanova, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften; Asmaa Dehbi, Studentin der Erziehungswissenschaften, Universität Zürich


Das Projekt wird unterstützt durch:

  • Stiftung Mercator Schweiz
  • Fachstelle für Rassismusbekämpfung
  • Integrationskredit Stadt Zürich
  • Kantonales Integrationsprogramm, Fachstelle Integration Kanton Zürich
  • Offene Jugendarbeit Zürich (OJA)
  • Paul Schiller Stiftung, Zürich
  • Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS)
  • Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ)
 

#PositivIslam

Ziel des Projekts #PositivIslam ist es, eine zweisprachige (FR und IT) "Gemeinschaft" aus jungen muslimischen und nicht muslimischen Bloggerinnen und Bloggern aufzubauen, die Kurzartikel verfassen, kurze Videos posten und mit Internetnutzerinnen und -nutzern über eine Onlineplattform interagieren. Die Bloggerinnen und Blogger produzieren regelmässig Gegen- und Alternativnarrative zur radikalen Propaganda. Diese Artikel basieren auf den Alltagserfahrungen ihrer vielfältigen Zugehörigkeiten und illustrieren die Entwicklungsprozesse ihrer Reflexion über Identität.

Das Projekt basiert auf zwei Ansätzen, einer physischen Präsenz und einem Online-Angebot. Beide Ansätze sind eng miteinander verknüpft:

  1. Methodik-Workshops: Aufbau von Workshops für den gegenseitigen Austausch und für gemeinsame Überlegungen. Die jungen Erwachsenen sollen lernen, extremistische Aussagen kritisch zu reflektieren und zu hinterfragen.
  2. Plattform: Aufbau einer Internetplattform, auf der wöchentlich neue Artikel, Zeichnungen/Cartoons oder Videos veröffentlicht werden. Die Plattform enthält die drei Hauptrubriken "PositivBlogging", "PositivDrawing" und "PositiVideos".

Projektträger und Partner:


Unterstützung und Parterschaft:

 

#Winfluence

In Rahmen von Workshops entwickeln rund zehn Jugendliche zwischen 14 und 18 partizipativ alternative Narrative und Gegennarrative zur extremistischen Propaganda. Basierend auf der inhaltlichen Auseinandersetzung vermitteln die Teilnehmenden ihre Erkenntnisse auf zwei Wegen an andere Jugendliche und junge Erwachsenen:

     

  1. Sie produzieren die Basis für kurze unterhaltsame Video-Clips. Diese Clips werden in einem zweiten Schritt durch junge Erwachsene im Alter von 18 bis ca. 25 Jahre überzeichnet und als animierte Videos online gestellt. In einer Social-Media-Kampagne werden die Clips auf verschiedenen Social-Mediaplattformen verbreitet. Zielgruppen dafür sind mögliche Opfer von extremistischer Propaganda und die ablehnende und skeptische Bevölkerung.
  2. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen treten unter Pseudonymen mit ihren Peers über Social Media in Kontakt und stehen via Jugendapp anonym per Chat als Ansprechpartner rund um Extremismus, extremistische Propaganda, Radikalisierung und entsprechenden alternative Narrative und Gegennarrative zur Verfügung. Die Pseudonyme entsprechen den Charakteren in den verschiedenen Videoclips und können von verschiedenen Personen zur Interaktion genutzt werden.

Die Jugendliche Peer-Group wird im gesamten Prozess von Profis begleitet: Bei der Gruppenbildung von soziokulturellen Animatoren, bei der Themenentwicklung von Fachpersonen zu Radikalisierung, bei der Filmproduktion von professionellen Medienschaffenden, bei der Einbettung und Promotion von Social-Media-Experten und bei der Peer-to-Peer-Beratung von professionellen Beratungspersonen.

Projektträger und Partner:

 

#KnowIslam

Das Projekt #KnowIslam richtet sich an muslimische Jugendliche zwischen 14 und 18 sowie an junge Erwachsene bis 25 Jahre in der ganzen Schweiz. Wenn die Jugendlichen im Internet nach Wissen und Antworten suchen, sind sie bereits in einem Prozess. Das Projekt #KnowIslam soll in dieser Phase mit audiovisuellen Informationen einsteigen und die Jugendlichen mittels einfacher Ansprache und Informationen dabei unterstützen, über ihren Glauben und Alltag zu reflektieren. Die jungen Musliminnen und Muslime sollen sich Kenntnisse über einen friedlichen und humanistischen Islam aneignen, sich eine eigene Meinung bilden und eine alternative Antwort zu der islamistischen Propaganda finden. Dazu gehörte auch, junge Musliminnen und Muslime zu ermutigen, über ihre eigene Religion und Kultur konstruktiv kritisch nachzudenken.

 

Begrifflichkeiten und Konzepte werden in diesem Projekt in alternativen Narrativen zu Extremismus und Islamismus neu aufgenommen und mit islamischem Habitus und Erklärungssystemen jugendgerecht aufgearbeitet. Mit kurzen drei- bis fünfminütigen Youtube-Erklär- und Nachrichtenformaten, die ansprechend und zugleich differenziert aufbereitet werden, soll zur Reflexion angeregt werden. Ziel der Videos ist es, mögliche religiöse Fragen in allgemeine ethische und gesellschaftliche Fragen zu «übersetzen» und zu zeigen, dass Religiosität eine – aber bei Weitem nicht die einzige – Ressource von Miteinander sein kann.

 

Drei Plattformen werden für die Verbreitung der alternativen Narrative benutzt: Youtube für die Verbreitung von Videoinhalten, Facebook und Instagram für die Verbreitung von Textbildern.

 

Projektträger und Partner:

  • Projektträger: Dialoginstitut, Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog
  • Projektleitung: Cebrail Terlemez, Historiker, ehm. Geschäftsleiter von verschiedenen Organisationen in interreligiösen Bereichen. cebrail.terlemezanti spam bot@gmailanti spam bot.com
  • Partner: Zusammenarbeit mit den Moscheen, Jugendorganisationen und islamischen Dachverbänden.
 
 

Studien und Grundlagen