Jugendpartizipation am Fachforum

Blogbeiträge der Jugendlichen am Fachforum www.jeuneavis.ch

 

Videoclips der Jungjournalisten von Zambo

 
 
 

3. Nationales Fachforum in Bildern

Fotos

Videos

 
 
 

Tweets zum Fachforum

Die Twitter-Community hat über 800 Tweets unter den Hashtags #fojum und #fojem abgesetzt. Hier finden Sie eine Auswahl der interessantesten Tweets.

 
 
 

3. Nationales Fachforum Jugendmedienschutz (2015)

 

Förderung von Medienkompetenzen und Regulierung – Erfahrungen und Herausforderungen

 

Mit der rasanten Verbreitung der Smartphones in den letzten Jahren hat sich die Mediennutzung noch einmal entscheidend verändert. Wir sind nicht nur überall und immer telefonisch erreichbar sondern haben auch jederzeit Zugriff auf Internetinhalte, Social-Media-Plattformen und andere Kommunikationsdienste. Immer überall online – das gilt nicht nur für Erwachsene sondern auch für Kinder und Jugendliche, die immer früher im Besitz eines Smartphones sind.


Am 3. nationalen Fachforum wurden die daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen beleuchtet und Herausforderungen für den Kinder- und Jugendmedienschutz diskutiert: Was wissen wir über das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen? Wie sind die damit verbundenen Chancen und Gefahren zu bewerten? Wie gelingt die Förderung von Medienkompetenzen in der Familie, Schule und Freizeit sowie in Betreuungseinrichtungen? Wie kann Risikoverhalten rechtzeitig erkannt werden? Was sind Möglichkeiten und Grenzen der Regulierung?


Zum Abschluss des fünfjährigen nationalen Programms Jugend und Medien bot das 3. Nationale Fachforum die Möglichkeit, diese Fragestellungen, die Erfahrungen der letzten fünf Jahre, die Herausforderungen für die Zukunft sowie die Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung der verschiedenen Akteure zu diskutieren. Der Bund wird auch zukünftig eine aktive Rolle im Jugendmedienschutz einnehmen, Kantone und private Organisation bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben im Jugendschutz unterstützen sowie eine Koordinationsrolle im Bereich der Regulierung übernehmen.

 

Programm des Fachforums

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Workshop 1: Ich poste – also bin ich, oder: Wie Medien die Kommunikation und Identität von Jugendlichen beeinflussen

 
 

Zusammenfassung Referat Prof. Dr. em. Franz Josef Röll

In der Soziologie und in der Psychologie galt bisher, dass Identität im sozialen Dialog mit anderen Menschenmaßgeblich durch Kommunikation (Sprache) entsteht und zugleich als Entwicklungsprozess verstandenwerden muss. Die Auflösung traditionaler Bindungen, die zunehmende Individualisierung, die Beschleunigungdes gesellschaftlichen Wandelns und die digitale Lebenskultur haben zu einer Veränderungbei der Konstitution von Identität geführt. Diskontinuität, Fragmentierung, Segmentierung, Deterritorialisierung und Collage (Mashup) bestimmen die heutige Lebenswelt von Jugendlichen. Das Subjekt lässt sichsomit nicht mehr als autonome Einheit definieren. Auszugehen ist von Teil-Identitäten, die sich permanent neu zusammensetzen und weiterentwickeln. Bei der Konstruktion ihrer Identität verlagert sich das Leitbild. Waren früher Erwachsene Vorbilder, so erhalten jetzt die Peers und deren Medienverhalten die zentrale Bedeutung. Jugendliche gehen parasoziale Beziehungen mit Medien ein, die Medien erhalten somit eine konstitutive Bedeutung für die Ich-Bildung, zugleich prägen sie maßgeblich das Beziehungsmanagement von Jugendlichen. Das Selbstbild verortet sich zunehmend an dem gewünschten Selbst, das als Abbild in den Medien in Form einer Selbstnarration präsentiert wird. „Ich poste – also bin ich“ bedeutet daher, dass kein innerer Reflexionsprozess die Normorientierung, die Entwicklung von Werten und das Gefühl von„Selbst“ prägt, sondern die Fähigkeit im Dialog in den sozialen Netzwerken über Außen-Darstellungen Geschmackskoalitionen zu finden mit deren Hilfe Ressourcen erschlossen werden und individuelle Sinnstrukturen herausgebildet werden. Dieser Entwicklungsprozess führt dazu, dass schwache Beziehungen eine höhere Bedeutung erhalten, weil diese bessere Panzer bilden im Angesicht der Anforderungen, denen die Jugendlichen im flexiblen Kapitalismus gegenüber stehen. Allerdings sind damit auch Risiken verbunden. Bei mangelnden Bindungen in der sozialen Welt besteht die Gefahr sich in den Medien zu verlieren (Sucht), die Herstellung einer Kohärenz der verschiedenen Teilfragmente der Identität gelingt nicht, eskommt zu einer narzisstischen Selbstverliebtheit in das eigene Abbild oder zu unreflektierten Adaptionen von problematischen Vorbildern (z.B. Anorexie). Die Jugendbildung ist gefordert Jugendliche bei ihrer Suche nach Anerkennung, Selbstabbildung und befriedigenden Beziehungen in den Sozialen Netzwerken zu begleiten. Dies gelingt nicht durch Verbot, sondern durch Selbstverantwortung. Die Antwort auf diese Entwicklung kann daher nur lauten: Vermittlung von Medienkompetenz bzw. Medienbildung.

 

Referatsfolien:

Prof. Dr. em. Franz Josef Röll, Hochschule Darmstadt, FB Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit, Schwerpunkt: Neue Medien und Medienpädagogik

 
 
 
 

Workshop 2 Medienerziehung von Kleinkindern und Kindern

 
 

Der Workshop bot die Gelegenheit, sich erstmals auf nationaler Ebene mit dem Thema «Medienbildung in der Vorschule» (Abstract Workshop) auseinanderzusetzen. Die Leiterin des Fachbereichs Medienbildung der Pädagogischen Hochschule Zürich, Frau Prof. Friederike Tilemann, stellte in ihrem Referat die Chancen einer frühen Medienbildung in den Vordergrund. So kann Kindern ermöglicht werden, die Medien ein Stück weit als eine Konstruktion zu durchschauen, Medienerlebnisse zu verarbeiten, mit selbsterstellten Fotos und Videos auf sich selbst als Person und auf andere zu schauen, soziale Lernprozesse zu erleben und Medien als Mittel des Selbstausdruckes zu entdecken. Thomas Jaun, Präsident des Netzwerks für Kinderbetreuung und Schulleiter der Höheren Fachschule für Kindererziehung, stellte in seinem Vortrag fest, dass sich die Kinderbetreuung schwer tut mit digitalen Medien, und sie vielerorts bewusst aus den Institutionen ausgeschlossen werden. Er erläuterte, wie Erzieher/innen und Kinder Medien jetzt und in Zukunft nutzen und welche Kompetenzen auf beiden Seiten wichtig werden. Für ihn ist klar: Der Ausschluss von digitalen Medien ist aufgrund der Bedeutung digitaler Medien und aus der Sicht von frühkindlicher Bildung kaum zu begründen. Corinne Rochat, die Leiterin des Centre de ressources en éducation de l’enfance, stellte ein Präventionskonzept vor: Von 2010 bis 2011 nahmen rund 1000 Kinder an 12 Kindertagesstätten an einem Programm teil, welches den Austausch zum Thema Fernsehen und Videospielen fördern sollte.

 

Veronika Lévesque leitete die anschliessende Podiumsdiskussion. Generell lässt sich festhalten, dass das Thema der frühen Medienbildung noch nicht in erzieherische Gesamtkonzepte mit einfliesst. Es fehlen Strukturen sowie die Zusammenarbeit und der Austausch auf den verschiedenen Erziehungsebenen. Auch Thomas Jaun sieht in der Kita-Welt Nachholbedarf: es gibt noch keine überzeugenden Konzepte und den Betreuenden fehlt oft die Kompetenz im Umgang mit Medien. Bo Reichlin bringt ergänzend ein, dass mediolino.ch aufgrund regelmässiger Workshops und einer Befragung in Kitas grosse Unterschiede in der Medienkompetenz der Kinder in Kitas festgestellt hat. Es gebe durchaus auch Kinder, die sich zuhause nur beschränkt mit digitalen Medien auseinandersetzten – in diesen Fällen könne die Kita auch kompensierend wirken. Wie dies im Alltag umgesetzt werden kann, stellte Daniela Straumann vor. Sie führt in ihrer Kinderkrippe Projektwochen durch, in welchen pro Tag eine Medienkompetenz (z.B. Fotografieren) vertieft behandelt wird. An einem Elternabend werden dann die Ergebnisse diskutiert.

 

Zusammenfassend wurde festgestellt, dass das Thema digitale Medien eine grössere Rolle spielen muss und es eine Haltungsänderung braucht. Das Thema muss in pädagogische Programme auch ausserhalb von Kitas Aufnahme finden – in Spielgruppen, Familienzentren oder in der Elternarbeit. Die Medienkompetenz soll gezielt gefördert werden, um Ängste abzubauen und die Diskussion anzuregen. Die Entwicklung der digitalen Medien ist nicht aufzuhalten – doch die pädagogische Praxis im Umgang mit ihnen hinkt noch hinterher. Dies kann auch eine Chance sein, um Eltern, Betreuende und Kinder gemeinsam in diesem Bereich zu fördern.

 

Referate zum Download:

 

Podiums-Teilnehmende:

  • Bo Reichlin, Initiantin Mediolino.ch
  • Daniela Straumann, Gruppenleiterin Kinderkrippe Purzelhuus, Lenzburg

 

Moderation:

Veronika Lévesque, Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion Kanton Baselland

 
 
 
 

Workshop 3: Förderung von Medienkompetenzen in der Jugendarbeit – Einsatz von Handyfilmen und Games

 
 

Renato Hüppi, Stellenleiter OJA Oerlikon und Initiator der Game-Informationsplattform gameinfo.info, stellte in seinem Referat den Einsatz von Games bei der Förderung von Medienkompetenzen bei Jugendlichen vor (Abstract Seite 2, PDF). Die JAMES-Studie zeigt, dass 60 Prozent der männlichen Jugendlichen und 17 Prozent der weiblichen Jugendlichen täglich Videogames spielen. Die Spiele werden zunehmend mobil – das Smartphone ist bei den Jugendlichen das favorisierte Medium fürs Gamen. Hüppi sieht einen grossen sozialen Nutzen beim gemeinsamen Spielen: zum Beispiel bei der Durchführung eines Fifa- oder Minecraft-Turniers, der Einrichtung eines Game-Zimmers im Jugendzentrum oder bei sozialen Aktivitäten wie Kochen oder Einkaufen vor einer Spielrunde. Herausforderungen für die Betreuenden sieht er in der technischen Infrastruktur, dem technischen Know-how und im Erreichen der Zielgruppe der Mädchen. Grundsätzlich bewertet Hüppi gemeinsames Spielen sehr positiv. Allerdings bedarf es erhöhter Aufmerksamkeit seitens der Erwachsenen, um Anzeichen für Probleme frühzeitig zu erkennen.

 

Christian Ritter, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Zürich am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft, stellte in seinem Vortrag die zunehmende Beliebtheit von Handyfilmen bei Jugendlichen in den Mittelpunkt (Abstract, Seite 1, PDF). Handyfilme seien jedoch «mehr als nur Sex & Crime» (so der Titel seines Referats) – nämlich eine jederzeit verfügbare Ausdrucksform und eine Möglichkeit, gemeinsam etwas zu erleben. Ritter präsentiert Erkenntnisse aus dem SNF-Forschungsprojekt «Handyfilme – Künstlerische und ethnographische Zugänge zu Repräsentationen jugendlicher Alltagswelten»: Handyfilme werden oft ausschliesslich mit Gewalt assoziiert, sollten aber als Ressource erkannt werden.

 

In der Diskussion wird festgestellt, dass Jugendliche nicht immer gerne über ihre Erfahrungen mit Handyfilmen sprechen und sich auch bei Projekten gegen eine Einflussnahme der Erwachsenen wehren. Weiter wird erwähnt, dass das Schneiden von Handyfilmen kein Thema ist – die meisten bleiben, einmal aufgenommen, unbearbeitet auf dem Smartphone und werden selten nochmals angeschaut. Ritter kündigt die interaktive Wanderausstellung «Handyfilme – Jugendkultur in Bild und Ton» (handyfilme.net) an, die ab Oktober 2015 Handyfilme von Jugendlichen zeigt.

 

Referate zum Download:

 

Praxisbeispiele:

  • Filmworkshop in der Jugendarbeit: Film Me, my fake and I von Jugendinfo Winterthur
  • Präsentation von Games: Jay-Leo Nagel und Fabio Beti, jugendliche Game-Coaches, GameInfo

 

Moderation:

Milena Giordano, Festivalleiterin Schweizer Jugendfilmtage, OKAJ Zürich

 

 
 
 
 

Workshop 4: Medien und Informatik im Lehrplan 21 und PER: Medienbildung in der Schule

 
 

In seinem Referat erläutert Prof. Dr. Beat Döbeli Honegger, wie das Fach «Medien und Informatik» im Lehrplan 21 integriert ist, der Ende Oktober 2014 von der D-EDK verabschiedet wurde (Abstract, PDF) . Der Teillehrplan «Medien und Informatik» ist als Modul konzipiert und enthält die drei Teilbereiche Medien, Informatik und Anwendungskompetenzen. Döbeli Honegger äussert Zweifel, ob die aktuelle Umsetzung in den 21 mindestens teilweise deutschsprachigen Kantonen die Kompetenzen im Umgang mit den digitalen Medien fördert. Der Föderalismus im Schweizerischen Bildungswesen, mangelnde Ressourcen und unterschiedliche Zeitpläne der Lehrplan-Einführung erschweren die Umsetzung der definierten Lehrplanziele.

 

Nicolas Martignoni, Leiter der Fachstelle fri-tic des Kantons Freiburg / Präsident der Commission d’éducation aux médias et aux technologies dans l’enseignement COMETE (CIIP), ging in seinem Referat auf den aktuellen Stand der Umsetzung des Lehrplans der Romandie PER und die damit verbundenen Probleme ein (Abstract, PDF). Seit 2010 in Kraft, zählt die Informatik im Lehrplan nicht als einzelnes Fach – dies im Gegensatz zum Lehrplan 21. Medienkompetenz muss innerhalb der Vermittlung von anderen Fächern erlernt werden. Dazu gibt es je nach Kanton unterschiedliche Anforderungen und Zeitpläne. Für die Einführung des Lehrplan 21 gibt Martignoni zu bedenken, dass Schüler entsprechende Mittel sowie Zeit für den Erwerb von Medienkompetenzen benötigen. Zu diskutieren seien die Form und die Erfolgsmessung der Vermittlung sowie die Frage, wie zweisprachige Kantone die Umsetzung handhaben.

 

In der Diskussion um die Umsetzung des Fachs «Medien und Informatik» im Lehrplan 21 wird festgestellt, dass Lehrer generell affin für das Thema sind und die jüngere Lehrerschaft entsprechend ausgebildet. Es wird allgemein ein grosser Bedarf konstatiert, zum Teil fehlen die Medienkonzepte zur Umsetzung. Als schwierig erachtet wird eine überkantonale Koordination, da die Umsetzung des Lehrplan 21 zeitversetzt erfolgt. Hier müssen die Schulen übernehmen und auch einen allfälligen Weiterbildungsbedarf ihrer Lehrpersonen anmelden. Aufgrund der fehlenden Mittel wird die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen empfohlen, etwa um  Lehrmittel gemeinsam zu erstellen oder auszutauschen – aus dem Publikum kommt der Vorschlag einer dreisprachigen Tagung zu diesem Thema. Wie lassen sich die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Fach Medien & Informatik ausweisen? In der Romandie existiert ein nicht verbindliches, informelles «Carnet de compétence», und in zwei Jahren soll das Fach separat im Zeugnis ab der 5. Primarklasse aufgeführt sein. Es wird diskutiert, wie dies bei Sonderschulen gehandhabt wird. Ausserschulische Projekte im Bereich Informatik werden als sinnvolle Ergänzung zur schulischen Grundbildung angesehen. Als Fazit fasst Moderationsleiterin Ines Mateos zusammen, dass der frühere Generationenkonflikt bezüglich Medien & Informatik einem Paradigmenwechsel gewichen ist – Lehrerinnen und Lehrer bringen die nötigen Kompetenzen mit, jetzt sind Unterrichtsmaterialien und innovative Vermittlungsmethoden gefragt.

 

Referate zum Download:

 

Podiums-Teilnehmende:

  • Nicolas Martignoni, Leiter der Fachstelle fri-tic des Kantons Freiburg / Präsident der Commission d'éducation aux médias et aux technologies dans l'enseignement COMETE
  • Beat Döbeli Honegger, Dozent am Institut für Medien und Schule, PH Schwyz / Arbeitsgruppe ICT und Medien zum Lehrplan 21
  • Beatrice Straub-Haaf, Leiterin Fachstelle Informatik, Amt für Volksschule Kanton St. Gallen / Arbeitsgruppe ICT und Medien zum Lehrplan 21
  • Peter Baumann, Gesamtschulleiter Hergiswil / Mitglied der Geschäftsleitung des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz BSVLCH / Arbeitsgrupe ICT und Medien zum Lehrplan 21

 

Moderation: Ines Mateos

 
 
 
 

Workshop 5: Beratung und Krisenintervention bei Cybermobbing

 
 

Mit Unterstützung des Bundesamts für Sozialversicherungen und in Zusammenarbeit mit dem Genfer Verein «Action Innocence» hat das Erziehungs-, Kultur- und Sportdepartement des Kantons Genf einen Präventions- und Massnahmenplan für die Bekämpfung von (Cyber-)Mobbing ausgearbeitet. Diesen Plan stellte Laetitia Magnin – Leiterin der kantonalen Fachstelle Schulmediation Le point – vor (Abstract, S.1, PDF). Die Massnahmen beinhalten ein Weiterbildungsprogramm zur Prävention und frühzeitigen Erkennung von Mobbing, die Definition der Rollen und Verantwortlichkeiten an Schulen, ein Standardprotokoll für das Vorgehen bei Mobbing, ein Massnahmenplan für jede Schule, Informationen für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Familie sowie spezifische Informationen über Cybermobbing und Gewalt im virtuellen Raum. Generell geht es darum, die Zusammenarbeit der verschiedenen involvierten Stellen zu stärken.

 

Nadja Ruffiner vom Schulamt des Kantons Neuenburg illustrierte diese Zusammenarbeit anhand des Beispiels einer Arbeitsgruppe, welche im Kanton Neuenburg gemeinsam Massnahmen entwickeln wird, um auf spezifische Probleme bei der Behandlung von Cybermobbingfällen eingehen zu können (Abstract, S.1/2, PDF). Die Gruppe – bestehend aus Schuldirektionen, Vertretern des obligatorischen und nachobligatorischen Unterrichts, der Fachstelle für Informatik an der Schule, der CAPPES (Centre d’accompagnement et de prévention pour les professioinnels des établissements scolaires), der Kantonspolizei und dem Verein «Action Innocence» – hat sich zum Ziel gesetzt, die Prozesse bei konkreten Fällen zu konsolidieren und die Zusammenarbeit der einzelnen Stellen zu verbessern.

 

Esther Luder-Müller, Leiterin der Krisenintervention des Schulpsychologischen Dienstes des Kantons St. Gallen, zeigte am Beispiel der Krisenarbeit im Kanton St. Gallen, dass eine Trennung zwischen Mobbing und Cybermobbing nicht sinnvoll ist (Abstract, S.2/3, PDF). Mobbing und neue Medien lassen sich nicht mehr voneinander trennen. Die gute Zusammenarbeit zwischen dem Jugenddienst des Kantons St. Gallen, der Opferhilfe des Kinderschutzzentrums und in einzelnen Fällen mit der Jugendanwaltschaft ermöglicht eine rasche Abwicklung der Fälle und eine kongruente Fallbearbeitung. In allen Fällen braucht es ein Coaching von Opfer und Mobbenden. Ein Input für die betroffene Klasse in Kombination mit einem Elternschreiben runden die Massnahmen ab.

In der Podiumsdiskussion mit den Referentinnen sowie einer Vertreterin der Kapo Basel-Stadt und der Geschäftsführerin von Action Innocence, zeigte sich, dass das Thema Cybermobbing gesamtschweizerisch eine Rolle spielt und die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Schulen, Vereinen und Eltern generell gut funktioniert. Polizei und Schulen pflegen ein partnerschaftliches Verhältnis. Regelmässige Elternforen in Gegenwart der Polizei fördern die Diskussion, könnten aber noch vermehrt besucht werden. In Zukunft spielt die Aufklärung weiterhin eine wichtige Rolle. Erwachsene sollten wissen, wie Jugendliche die neuen Medien nutzen, damit sie ihre erzieherische Aufgabe wahrnehmen können. Das Thema Cybermobbing sollte zu einem festen Bestandteil von mindestens einem Elternabend werden – auch ohne dass es bereits zu einem Vorfall gekommen ist. Seitens Polizei besteht der Wunsch, dass mehr über Mobbing gesprochen und die Behörden früher einbezogen werden.

 

Referate zum Download:

 

 

Podiums-Teilnehmende:

  • Laetitia Magnin, Leiterin der Fachstelle Schulmediation Le point, Département de l’Instruction publique, de la culture et du sport (DIP), Kanton Genf
  • Nadia Ruffiner, Centre d'accompagnement et de prévention pour les professionnels des établissements scolaires CAPPES, Kanton Neuenbur
  • Esther Luder-Müller, Dipl. Psychologin FH/Leiterin Krisenintervention, Schulpsychologischer Dienst des Kantons St. Gallen
  • Tiziana Bellucci, Geschätsführerin Action Innocence
  • Shirin Scheidegger, Polizistin, Jugend- und Präventionspolizei des Kantons Basel-Stadt

 

Moderation:

Martin Böss, Geschäftsleiter Schweizerische Kriminalprävention SKP

 

 
 
 
 

Workshop 6: Sicheres Internet – aber wie? Möglichkeiten und Grenzen der Regulierung

 
 

Florian Saurwein, Forschungsmitarbeiter der Abteilung Medienwandel & Innovation am IPMZ der Universität Zürich, stellt in seinem Referat (Abstract, S.2, PDF) Selbstregulierungsinitiativen der Branchverbände simsa (Swiss internet industry association) und asut (Schweizerischer Verband der Telekommunikation) im Internet vor. Sein Fazit: Generell sind die Kontextbedingungen für Selbstregulierung aufgrund der Globalität des Internets und der Vielzahl involvierter Akteure schwierig. Saurwein schlägt unter anderem vor, Möglichkeiten zur Selbstregulierung in weiteren Themenfeldern zu prüfen und internationale Entwicklungen zu berücksichtigen.

 

Die Leiterin Jugendschutz und Medienkompetenz von Google Germany, Sabine Frank, präsentiert die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Dienstleister (FSM) aus Deutschland (Abstract, S.1, PDF) . Dafür haben sich 47 Vertreter der Medienbranche zusammengetan und erarbeiten gemeinsame Verhaltensregeln für die Online-Welt. Frank betont, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist – für die Regulierung sind die Bundesländer zuständig, die gesetzliche Grundlage bildet ein Staatsvertrag für den Jugendmedienschutz. Es gilt der Grundsatz der «regulierten Selbstregulierung»: Wenn die Selbstregulierung der Branche nicht funktioniert, kommt ein offizielles Amtsorgan zum Zug. Am Beispiel von Google zeigt Frank auf, wie Unternehmen gemeinsam mit Institutionen des Jugendschutzes illegale Inhalte länderübergreifend vom Netz entfernen. Als «Notice and take down» bezeichnet, besteht bei Google auf allen Plattformen für alle Nutzenden die Möglichkeit, Inhalte zu melden. Diese werden gegebenenfalls in den «18-er Bereich», der nur für volljährige Benutzer sichtbar ist, verschoben.

 

Die Teilnehmenden der anschliessenden Diskussion sind sich einig, dass eine Selbstregulierung der Branche sinnvoll und zielführend ist. Das Medienverhalten von Jugendlichen ändert sich laufend – dank Selbstregulierung kann die Branche schneller auf Trends reagieren. Die Initiative der asut wird deshalb nächstens überarbeitet. Einig ist man sich auch, dass die Beratung zu wichtigen Hilfsmitteln wie Jugendschutzfilter für Medien stark erweitert werden muss, um die Zielgruppe der Eltern zu erreichen. Hier ist fraglich, ob der Verkaufsort der richtige Ort ist, Eltern über solche Massnahmen aufzuklären. Generell ist die Regulierung auf dem richtigen Weg, aber die Rollenverteilung zwischen Staat und Medienbranche muss geklärt werden. Weiter braucht es einen Ausbau und verstärkte Kommunikation der präventiven Massnahmen wie Filter oder andere Jugendschutzmethoden, damit der Endkonsument – Eltern, Kinder und Jugendliche – diese Massnahmen auch einsetzt.

 

Im Auftrag des nationalen Programms Jugend und Medien:

Evaluation der Selbstregulierungsmassnahmen zum Jugendmedienschutz der Branchen Film, Computerspiele, Telekommunikation und Internet: Michael Latzer et al. (2015)

 

 

Referate zum Download:

 

Podiums-Teilnehmende:

  • Michael In Albon, Jugendmedienschutzbeauftragter Swisscom / Leiter der Task Force Jugendschutz asut
  • Jens Kaessner, Abteilung Telecomdienste, BAKOM
  • Peter Grütter, Präsident Swiss Telecommunications Association (asut)

 

Moderation: Thomas Vollmer, Bundesamt für Sozialversicherungen

 

 
 
 
 

Workshop 7: Pornokonsum und Sexting bei Heranwachsenden – was weiss die Forschung und was empfiehlt die Praxis?

 
 

 

In seinem Referat gibt Prof. Pastötter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, Einblick in den Stand der Forschung im Bereich von Sexting und Pornokonsum (Abstract, PDF). Zum Thema Sexting gibt es in Europa keine Studien. Amerikanischen Studien zeigen, dass heute 50 Prozent aller Teenager Erfahrung damit haben, Nacktbilder oder erotische Nachrichten zu verschicken. 16 Prozent der jungen Männer schicken die Nachrichten sogar an völlig Fremde – es scheint auch ein Werbemittel zu sein. Studien zum Pornokonsum von Heranwachsenden gibt es Hunderte, doch aufgrund der unterschiedlichen Definitionen von Pornografie und Konsum sind diese nicht vergleichbar. Ca. 50 Prozent der Jungen und ca. 10 Prozent der Mädchen schauen sich ab der Pubertät Pornos an – die Mädchen i.d.R. als Folge der Aufforderung durch den Partner. In der Selbstaussage Jugendlicher und Erwachsener wird sexuelle Aufklärung als Motiv genannt, Pornografie anzusehen. Ein regelmässiger Konsum im Sinne von Betrachten mit gleichzeitigem Masturbieren scheint bei Jugendlichen nicht häufig zu sein. Für viele Kinder und Jugendliche ist nicht das Genital das Interessante, sondern die Sehnsucht nach einem Partner, der uns versteht, uns annimmt, und den wir verstehen.

 

Ob Pornokonsum Wertvorstellungen im Sexualverhalten verändert, ist schwer zu untersuchen, da die Studien auf Selbstaussagen basieren und der Zugang zu den verborgenen Motiven schwierig ist. Sexualität ist ein komplexer hormoneller, emotionaler und kognitiver Prozess. Daraus eine kausale Wirkung herzustellen ist eine Herausforderung für die Forschung. Aus kulturanthropologischer Sicht sieht Prof. Pastötter Pornografie als eine Erzählung, ein sog. narratives Medium. Und er glaubt, dass die Bilder eine Wirkung haben. Man kann etwa feststellen, dass der Lusteffekt durch den Pornokonsum schnell nachlässt, d.h. eine Desensibilisierung stattfindet. So sagen junge Männer, dass ihre Reaktionsfähigkeit auf reale Partner eingeschränkt wird, weil die Fantasie im Kopf und nicht im Körper ist. Beobachtungen zufolge gibt es auch Auswirkungen bei Kindern im sozialen Zusammenhang – etwa eine sexualisierte, obszöne Sprache. Da der Jugendschutz im Netz nicht gewährleistet ist – es gibt über 6 Mio. frei verfügbare Videoclips und Pornofilme – erachtet er die Medienpädagogik als wichtig. Er weist aber darauf hin, dass diese nur das kognitive Verständnis unterstützt. Das Einzige, das gemäss ihm gut funktioniert, ist, die Vorbildfunktion der Erwachsenen zu aktivieren – denn Kinder merken, wenn Eltern Pornos konsumieren. Und er fordert auf jedem Porno ein Hinweis: «Ihre normale sexuelle Reaktionsfähigkeit zu ihrem Partner leidet.»

 

Die Erfahrungen von Pascale Coquoz als Sexualpädagogin in der Romandie bestätigen die Darstellungen von Prof. Pastötter. Sie beobachtete in den letzten 10 Jahren in den Schulklassen einen Anstieg der sexuellen Erregung und der sexualisierten Sprache und erklärt diese durch die Visualisierungen in unserer hypersexualisierten Gesellschaft. Sie beobachtet damit verbunden auch eine Steigerung des Ekels durch alles, was mit der eigenen Sexualität zu tun hat. Die Jugendlichen machen keinen Unterschied mehr zwischen erwachsener Sexualität und Pornografie. Schlecht informierte Kinder sind eher beeindruckt durch Pornos als solche, die einen Dialog mit den Eltern hatten. Auch die Kultur beeinflusst die Wahrnehmung.

 

Beide Fachpersonen sind sich einig: Man soll nicht dramatisieren und auch nicht verurteilen. Die positive Seite sei, dass Jugendliche eine grössere Offenheit in ihrem Wording und eine grössere Kompetenz hätten. Die Grundsatzfragen blieben aber dieselben: Wie wird man schwanger, wie verändert sich mein Körper in der Pubertät etc. Pornografie ist nicht das Thema, das die Jugendlichen interessiert. Dennoch werde es in der Sexualpädagogik immer angesprochen – ausgehend von den emotionalen Auswirkungen bei der Betrachtung der Bilder. Einig sind sie sich auch darin, dass die Sexualisierung der Gesellschaft und der frühe Kontakt mit Pornos nicht zu einer Vorverschiebung des ersten Geschlechtsverkehrs führen. Prof. Pastötter ergänzt, dass es im Gegenteil sogar eher zu einer Verschiebung nach hinten kommt – dies zeigen Studien in den USA. Ein Problem das er sieht ist, dass Kinder und Jugendliche bis 13/14Jahre nicht in der Lage sind, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden – die Medienwirkungsforschung zeige dies. Wie kann man also verhindern, dass sich Bilder unerwünscht emotional auswirken? Und bringt man einem Kind bei, dass Porno nicht partnerschaftliche Sexualität ist, sondern eine Erzählung? Pastötter’s Hypothese ist: Je mehr Sicherheit und funktionierende Beziehungen ein Kind erlebt, desto eher ist es auch in der Lage das Gesehene besser zu verarbeiten. Nicht Worte wie «das ist nicht echt», sondern starke körperliche Erfahrungen der Sicherheit, der emotionalen Stabilität und Geborgenheit können emotionale Reaktionen seiner Meinung nach dämpfen. Dies wiederum können nur die engen Bezugspersonen leisten, Lehrpersonen nicht. Wenn diese versagten, werde es schwierig. Erwachsene sollten sich deshalb ihrer Verantwortung bewusst sein, den Kindern ein Gegenmodell zu bieten, das sie befähigt, die Bilder einordnen und verarbeiten zu können. Frau Coquoz betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der Elternarbeit, die bereits im Kindergartenalter beginnt. Elterncafés bieten einen Rahmen, wo Eltern sich austauschen und Fragen beantwortet werden können.

 

Eine Schulsozialarbeiterin aus dem Publikum konstatiert, dass sie gute Erfahrungen macht mit dem Gespräch über Liebe, Verliebtheit und Freundschaft sowie mit kindgerechten Büchern. Coquoz kann dem zustimmen. Der Sexualkundeunterricht fördert die Entwicklung von Kompetenzen und hilft, die Weichen zu stellen. Auch das Thema Körperlichkeit und Sinnlichkeit greift ARTANES in den Schulen auf. Sie zeigen Videos zum Thema: Wie küsse ich gut, streichle ich, umarme ich? ARTANES hat zudem pädagogisches Material publiziert, um mit Jugendlichen zu arbeiten und für die Peer-Gruppe. Sie plädiert für die Sexualerziehung als eine Querschnittaufgabe im frühen Kindesalter.

 

Referat zum Download:

 

Prof. (US) Dr. Jakob Pastötter, Präsident Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung

 

Podiumsteilnehmende:

  • Pasquale Coquoz, présidente de l'Association romande et tessinoise des éducatrices / teurs, formatrices / teurs en santé sexuelle et reproductive ARTANES
  • Prof. (US) Dr. Jakob Pastötter, Präsident Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung

 

Moderation:

Myriam Caranzano-Maître, Geschäftsleiterin ASPI (Fondazione della Svizzera italiana per l’Aiuto, il Sostegno e la Protezione dell’infanzia) / Vorstandsmitglied von ISPCAN (International Society for the Prevention of Child Abuse and Neglect)

 
 
 
 

Workshop 8: Wie gelingt Elternarbeit? Good Practice Beispiele lokaler Netzwerkarbeit

 
 

 

Workshop 8 widmete sich der Frage, wie Eltern – insbesondere belastete und bildungsferne – in der Sensibilisierungsarbeit besser erreicht werden können und zeigte anhand von verschiedenen Beispielen das Potenzial der Zusammenarbeit mit lokalen Partnern auf.

 

In ihrem Inputreferat (Abstract, PDF) stellte Maya Mulle, Geschäftsführerin Elternbildung Schweiz und Leiterin der Fachstelle Elternmitwirkung, fünf Good-Practice-Beispiele lokaler Netzwerkarbeit zur Unterstützung von Medienerziehung aus Deutschland vor. Diese hat die Stiftung digitale Chancen evaluiert und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet. Mulle erzählte, wie die Elterngruppen erreicht und mit digitalen Medien vertraut gemacht werden und stellte die Handlungsempfehlungen für die gelingende Elternarbeit vor: zum Beispiel den Eltern vertraute Personen in die Schulung einzubeziehen und als Multiplikatoren zu nutzen, den Einstieg ins Thema möglichst einfach zu gestalten, die Jugendlichen zur eigenen Medienproduktion anzuleiten oder den Spassfaktor nicht zu vergessen. Auf einem Flipchart fasste sie stichwortartig die Faktoren zusammen, die zum Erfolg der Elternarbeit führen.

 

Joachim Zahn, Projektleiter bei zischtig.ch, zeigte am Beispiel der Gemeinde Egg, wie die Zusammenarbeit zwischen Lehrkörper, Schulsozialarbeit, Jugendarbeit, Jugendpolizei und zischtig.ch funktioniert. Dabei leisten alle involvierten Akteure, thematisch aufeinander abgestimmt, einen Beitrag zur Förderung von Medienkompetenzen. Weiter zeigt Zahn, wie im Rahmen eines generationenübergreifenden Workshops das Gespräch zwischen Eltern und Kindern über digitale Medien gezeigt, angeleitet und geübt werden kann. Ein weiteres Konzept von zischtig.ch setzt auf eine interaktive Form des Informationsabends, um mehr Eltern für einen Besuch zu gewinnen. Die Erwachsenen bestimmen auf ihrem Smartphone vor Ort die Inhalte des Abends mit. Zahn unterstreicht die Notwendigkeit, über neue Themen zu informieren und die Eltern richtiggehend davon zu überzeugen, dass der Besuch einer Informationsveranstaltung tatsächlich neue Erkenntnisse bringt.

Eva Piscitelli stellte die Strategie des Kantons Neuenburg vor. Vorbildlich ist, dass diese im Rahmen einer interdepartementalen Zusammenarbeit umgesetzt wird. Ziel der verschiedenen parallelen Aktivitäten, zu denen Unterrichtssequenzen, Informationsabende für Eltern und schriftliche Unterlagen gehören, ist: Informieren, zum Nachdenken anregen und Elternkompetenzen zur aktiven Begleitung der Kinder im Netz ausbauen. Mittels schriftlicher Befragung der Eltern wird jeweils eine Erfolgskontrolle durchgeführt, deren Ergebnisse in die Gestaltung des zukünftigen Angebots einfliessen.

 

Yvonne Ledergerber vom mehrfach ausgezeichneten Präventions-Förderungsprogramm «Femmes-Tische» präsentierte das Moderationsset zum Thema Medienerziehung, welches methodisch-didaktische Materialien für einen moderierten Austausch unter Müttern mit Migrationshintergrund bietet. Durch den niederschwelligen, informellen Rahmen und die Moderation durch Mütter aus demselben Kulturkreis gelingt es dem Projekt, die Mütter zu erreichen.

 

Brigitte Waldis-Kottmann von der Schule Hochdorf zeigte in ihrem Praxisbeispiel die gelungene Kombination von Elternabenden (mit Übersetzern und auf Deutsch) und praktischen Workshops. Die Veranstaltungsreihe punktete durch ihren Netzwerkcharakter, den generationenübergreifenden Praxisbezug und die Vermittlung von Inhalten für die Schulung der Medienkompetenz zuhause.

 

In der Diskussion, moderiert von Inés Mateos (Expertin für Bildung und Diversität), zeigte sich, dass zwei Aspekte eine entscheidende Rolle für eine gelungene Elternarbeit spielen:

  1. Vielfalt der Angebote, persönlicher Beziehung, aktive Mitarbeit der Eltern und attraktive Rahmenbedingungen: Die Informationsvermittlung erfolgt idealerweise in der Muttersprache der Eltern. Diese schätzen, wenn schriftliche Informationen durch kurze Fachinputs und aktives Arbeiten an ihren eigenen Geräten vertieft werden können. Die Form der Vermittlung bzw. der Informationsveranstaltung soll die Bedürfnisse und Ressourcen der Eltern berücksichtigen. Attraktive Rahmenbedingungen (geringe Kosten, kurzer Anfahrtsweg, etc.) sind zudem ein Muss für den Erfolg. Den Eltern vertraute Personen dienen bei schwer erreichbaren Erwachsenen als Multiplikatoren.
  2. Netzwerke unterstützen die Elternarbeit: Netzwerkpartner mit unterschiedlichen Kompetenzen ergänzen die Rahmenangebote. Bedingungen dafür sind ein Konzept zur Zusammenarbeit, Zeit für Absprachen und qualifiziertes Personal. Mögliche Netzwerkpartner zeigt Tabelle 1 im Factsheet von Elternbildung CH zu den Aspekten gelingender Elternarbeit.

 

Referat zum Download:

 

Maya Mulle, Geschäftsführerin Elternbildung CH

 

 

Praxisbeispiele und Podiums-Teilnehmende:

  • Brigitte Waldis-Kottmann, Akzent Prävention und Suchttherapie Luzern, Schule Hochdorf
  • Yvonne Ledergerber, Femmes-Tische Zürcher Unterland, Eva Piscitelli, Of ce de l’informatique scolaire et de l’organisation OISO
  • Kanton Neuenburg, Joachim Zahn, Projektleiter zischtig.ch

 

Moderation: Inés Mateos, Expertin für Bildung und Diversität / Moderatorin

 
 
 
 

Workshop 9: Potential von Peer Education zur Förderung von Medienkompetenzen

 
 

In diesem Workshop wurden die Ergebnisse aus der Evaluation von sieben Modellprojekten vorgestellt, welche die Methode Peer Education anwenden – das Lernen von Gleichaltrigen. Die Evaluation, welche vom Programm Jugend und Medien finanziert und begleitet wurde zeigt, mass ob und wie Peer Education zur Förderung der Medienkompetenzen bei Jugendlichen eingesetzt werden kann. Evaluationsleiter Prof. Dr. Olivier Steiner von der Hochschule für Soziale Arbeit der FHNW stellt die Projektphasen, die Ergebnisse sowie die fünf zentralen Qualitätsmerkmale (Abstract, PDF) für die Methode des Peer Involvement vor, die sich aus den Ergebnissen ableiten lassen. Weitere Informationen finden sich in der Rubrik Peer Education.

 

Ivan Reinhard der Stiftung aebi-hus, stellte das Peer Projekt der Expertengruppe Weiterbildung Sucht EWS / Stiftung aebi-hus vor (Factsheet «Bitte schalten Sie Ihr Handy ein»). Jugendliche reflektieren den Umgang mit digitalen Medien in einem Theaterstück, welches sie einem öffentlichen Publikum präsentieren. Romina Miani von InTeam berichtet vom Projekt «Peer-Media-Educator – Medienkompetenz@Jugendliche» bei dem arbeitslose Jugendliche zu sogenannten Peer Tutors ausgebildet werden. Leonardo Da Vinci von der Tessiner Fachhochschule SUPSI erläutert, wie sich in der Kunst- und Gewerbeschule Trevano einige Jugendliche freiwillig zu «Peer Juniors» bzw. «Peer Seniors» für die Vermittlung von Medienkompetenzen ausbilden lassen (Factsheet Modellprojekt SUPSI). Auf das einfach zugängliche und beliebte Medium Video setzt das Projekt «Virtual Stories» der drei Trägerschaften RADIX, Pädagogische Hochschule Schwyz und Stiftung idée:sport (Factsheet Virtual Stories). Auf der Plattform feel-ok.ch können die erarbeiteten Fallstudien von anderen Jugendlichen kommentiert werden. Als Webradio von und für Jugendliche ist das Modellprojekt der Gemeinde Renens zu verstehen (Factsheet Web radio par les jeunes). Hier beraten sich Jugendliche gegenseitig und werden von Radiomachern unterstützt. Via Blog erhalten sie Feedback von Zuhörenden und anderen Jugendlichen.

 

Referat zim Download:

Prof. Dr. Olivier Steiner, Hochschule für Soziale Arbeit, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Fachhochschule Nordwestschweiz

 

Podiums-Teilnehmende:

  • Ivan Reinhard, Delegierter des Stiftungsrates aebi-hus
  • Romina Miani, Stellenleiterin InTeam / Bereichsleitung Laufbahnplanung, Coaching, Medienkompetenz
  • Nicolas Perelyguine, Verantwortlicher Jugend des Service Culture-Jeunesse-Sport der Stadt Renens
  • Dea Bllaca und Marilyn Themo, Teilnehmerinnen der Projektwoche
  • Leonardo Da Vinci, Fachbereich Sozialarbeit, Tessiner Fachhochschule SUPSI
  • Prof. Dr. Dominik Petko, Prorektor Forschung und Entwicklung und Leiter des Instituts für Medien und Schule, Pädagogische Hochschule Schwyz
  • Yves Weber, Projektleiter Stiftung idée:sport
  • Einordnung der Ergebnisse und Diskussion des Potentials der Methode: Muriel Langenberger, Head of Intervention Europe, Jacobs Foundation

 

Moderation: Maria Ritter, Bereich Forschung und Evaluation, Bundesamt für Sozialversicherungen

 

 
 
 
 

Workshop 10: Medienpädagogik als Teil der Sozial-, Heil und Sonderpädagogik – sich dem Thema anzunehmen, heisst mit der Zeit zu gehen.

 
 

Wie geht die Sozial- und Sonderpädagogik mit dem Thema digitale Mediennutzung um? Diese Frage stand im Zentrum des Inputreferats von Monika Luginbühl von der BFF Bern (Abstract, PDF) und der anschliessenden Diskussion mit Praxisbeispielen. Sie stellte den von ihr verfassten Leitfaden zur Standortbestimmung «Förderung von Medienkompetenzen in Institutionen für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen» vor, der in einer Zusammenarbeit von Curaviva Schweiz, BFF Bern und dem Nationalen Programm Jugend und Medien entstanden ist.

 

Patrice Schnidrig präsentierte, wie das Kinderdorf St. Antonius in Leuk das Thema digitale Medien aufgreift. Als weiteres Beispiel diente die Fondation Officielle de la Jeunesse FOJ, die per Intranet und Informatikplattform ihre Mitarbeitenden über die Risiken der Internetnutzung aufklärt und ein internes Schulungsprogramm für Kinder und Jugendliche durchführt. Martina Suter vom Kompetenzzentrum Jugend und Familie Schlossmatt erläuterte die Umsetzung des Leitbilds Neue Medien in ihrer Institution für Kinder und Jugendliche sowie junge Mütter.

 

In der Diskussion äussern die Teilnehmenden den Wunsch nach einer Plattform mit juristischen Informationen zum Jugendmedienschutz sowie nach einer Orientierungshilfe, um zu klären, ab welchem Alter mit der Medienerziehung begonnen werden sollte. Weiterbildung der Mitarbeitenden in Institutionen, eine klare Grundhaltung, zu der auch Regeln gehören, und Mut zu ihrer Umsetzung gelten als wichtige Grundvoraussetzungen für eine gelingende Medienpädagogik. Für ein generell geltendes Medienkonzept scheint das Spektrum im Bereich Sonderpädagogik zu breit – das Angebot zur Medienpädagogik muss differenziert sein und auf die Bedürfnisse von Heil-, Sonder- und Sozialpädagogik separat eingehen. Das gemeinsame Ziel aller Massnahmen ist klar: Kindern und Jugendlichen den Zugang zu digitalen Medien ermöglichen, dabei ihre Privatspäre schützen und ihnen beibringen, wie sie sich vor den Gefahren schützen können.

 

Referat zum Download:

Monika Luginbühl, Sozialarbeiterin FH, Erwachsenenbildnerin HF, Dozentin Grundausbildung Sozialpädagogik und Kindererziehung HF der BFF Bern

 

 

Podiums-Teilnehmende:

  • Martina Suter, Gesamtleiterin Kompetenzzentrum Jugend und Familie Schlossmatt
  • Patrice Schnidrig, Bereichsleiter Kinderdorf Leuk
  • Claudia Grob, Fondation Officielle de la Jeunesse

 

Moderation: David Oberholzer, Leiter Fachbereich Kinder / Jugend, CURAVIVA

 
 
 
 

Workshop 11: Exzessive Nutzung von Games, Internet und Smartphones – Was gilt heute als normal?

 
 

In seinem Referat (Abstract, PDF) geht Dr. Philippe Stefan, Kinderpsychiater und Leiter des Centre psychothérapeutique de l'Hôpital de l'enfance am Lausanner Universitätsspital CHUV, auf die sogenannte «Cyberaddiction» oder Internetsucht ein. Ist der Ausdruck legitim? Welche Faktoren fördern eine Abhängigkeit? Zu Beginn der Adoleszenz macht das Gehirn wichtige biologische Entwicklungen durch und auch der Körper verändert sich. In dieser Zeit ist der Jugendliche empfänglich für die Möglichkeiten, die digitale Medien bieten, wie bspw. intensive visuelle und auditive Reize. Deshalb ist es gerade bei Jugendlichen wichtig, dass die Eltern den Einfluss der digitalen Medien nicht verteufeln, sondern ihre Sprösslinge aufmerksam bei der Nutzung begleiten. Renanto Poespodihardjo, leitender Psychologe der Ambulanz für Verhaltenssüchte der Universität Basel, ging in seinem Vortrag (Abstract, PDF) auf die Faktoren ein, die aus einem Zeitvertreib eine Sucht machen. Gemäss einer Studie von 2012 sind 4.4 Prozent der europäischen Bevölkerung von einer Online-Sucht betroffen. Die Abhängigkeit entsteht durch bewusste Belohnungsstrategien und hat meist drastische Folgen für das soziale, berufliche oder schulische Leben. Als Zeichen für eine mögliche Sucht gelten ein exzessiver Konsum, ein damit einhergehender Kontrollverlust und sichtbar negative persönliche, schulische oder berufliche Konsequenzen.

 

In der Diskussion zeigte sich, dass ein «normaler» Konsum digitaler Medien nicht mit einer Zeitangabe definiert werden kann, da er von zahlreichen Faktoren abhängt. Sobald Eltern einen Leidensdruck bemerken oder einen negativen Einfluss eines exzessiven Konsums auf das soziale oder schulische Leben, sollten sie das Gespräch suchen. Die Jugendlichen brauchen Unterstützung und ein offenes Ohr, aber auch Regeln und Grenzen. Wenn ein ungutes Gefühl bleibt, können Fachstellen weiterhelfen. Es gibt keine Spiele, die als besonders suchtgefährdend gelten. Wenn Eltern und Jugendliche gemeinsam spielen und Eltern sich aktiv mit dem aktuellen Game auseinandersetzen, hilft dies dem gegenseitigen Verständnis. Oft wird in der Diskussion erst klar, was den Reiz eines Spiels ausmacht. Im Schulbereich ist es wichtig, zwischen Prävention und Intervention zu unterscheiden. In einem Krisenfall müssen die zuständigen Fachstellen beigezogen werden, in Einzelfällen sind auch Kurse für Jugendliche mit exzessivem Spielverhalten sinnvoll. Bei der Prävention steht der Umgang mit digitalen Medien mittels innovativer Projekte und klarer Regeln im Vordergrund. Dort können Präventionsfachstellen bei der Konzepterarbeitung unterstützen.

 

Publikation

Dr. Philippe Stephane, Kinderpsychiater und Leiter des Centre psychothérapeutique de l'Hôpital de l'enfance am Lausanner Universitätsspital CHUV – «La cyberaddiction chez les adolescents en question», publiziert in «Prismes, No.20» im Dezember 2014.

 

Podiums-Teilnehmende:

  • Niels Weber, Psychologe und Präventionsbeauftragter bei Rien ne va plus, Genf
  • Larissa Hauser, Projektleiterin Suchtpräventionsstelle Winterthur

 

Moderation: Nathalie Arbellay, Groupement romand d’Etudes des Addictions GREA und Amanda Kiefer, Fachverband Sucht

 
 
 
 

Workshop 12: Jugendschutz und Regulierung im Bereich der Computerspiele und von Apps

 
 

Wie lässt sich der Jugendmedienschutz bei der heutigen Medienvielfalt und der ständigen (mobilen) Verfügbarkeit von Spielen und Filmen effizient gewährleisten? Dazu sind neben staatlicher Intervention und elterlicher Kontrolle auch Brancheninitiativen zur Selbstregulierung nötig, wie sie der Branchenverband Swiss Interactive Entertainment Association SIEA mit der Alterskennzeichnung von Computerspielen und Abgabekontrollen im Handel eingeführt hat. Eine Evaluation dieser Selbstregulierungsmassnahmen ergab, dass in fünfzig Prozent der Fälle für die Altersklasse ungeeignete, jugendgefährdende Produkte im klassischen Handel gekauft werden konnten, in einem Drittel der Fälle war dies auch bei Online-Käufen möglich. In seiner Präsentation (Abstract,PDF) empfahl Julian Wallace, Assistent der Abteilung Medienwandel & Innovation am IPMZ der Universität Zürich, deshalb den Verbänden vermehrt und regelmässig Testkäufe von Games und Filmen durchzuführen und die Ergebnisse zu kommunizieren. Staatliche Stellen könnten diese Testkäufe finanziell unterstützen. Für die Kontrolle von Online-Verkäufen mit der Altersgrenze ab 18 Jahren ersetzt die Kreditkarte die Alterslegitimation. Dirk Bosmans, Vertreter des Pan European Game Information System PEGI, informierte über die neusten Entwicklungen in der Altersklassifizierung von Computerspielen (Abstract,PDF). Das PEGI-System findet Anwendung in ganz Europa ausser in Deutschland, wo das USK-Label vorherrscht. Um die Flut von Apps und Online-Spielen abzudecken, wurde die International Age Rating Coalition (IARC) gegründet. Sie ermöglicht für Europa, Brasilien, USA und Kanada ein gemeinsames Ratingsystem, welches im Google Play Store beispielsweise bereits Anwendung findet. Ab 2016 zeigt auch YouTube bei seinen Inhalten eine landesabhängige Altersklassifizierung.

 

In der Diskussion wies Peter Züger von der Branchenorganisation SIEA auf den seit 2006 bestehenden Code of Conduct (CoC) hin, der neu in einem E-Learning-Tool für die Schulung der Verkäufer Anwendung findet. Der CoC verpflichtet den Handel, ausschliesslich Produkte mit PEGI-Klassifizierung zu verkaufen. Hier gibt es Probleme bei der Durchsetzung, weil viele Anbieter Waren direkt von Deutschland ohne PEGI-Label importieren. Die Diskussionsteilnehmenden befürworten deshalb eine gesetzliche Grundlage, um den CoC schweizweit durchzusetzen. Gleichzeitig spielt die Medienbildung eine wichtige Rolle. Der Verein GameRights setzt zum Beispiel auf sogenannte «Game Agents», die an Elternabenden Schulungen durchführen – eine Massnahme, die sich in der Praxis sehr bewährt habe. Ein grosses Problem ist, dass Jugendliche über illegale Download-Plattformen auch an nicht altersgerechte Spiele herankommen. In diesem Fall, aber auch generell, ist die elterliche Instanz sehr wichtig. Viele Eltern kennen aber das PEGI-System noch nicht oder unterschätzen seine Relevanz. Hier kann die Schule einen wichtigen Aufklärungsbeitrag leisten.

 

Referate zum Download:

 

Podiums-Teilnehmende:

  • Peter Züger, Präsident Swiss Interactive Entertainment Association SIEA
  • Thomas Riediker, Präsident GameRights

 

Moderation: Thomas Vollmer, Bundesamt für Sozialversicherungen

 
 
Google+