Broschüre für Institutionen

Broschüre zur Medienkompetenz in sonder- und sozial- und heilpädagogischen Kinder- und Jugendinstitutionen –  Leitfaden zur Standortbestimmung

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Weitere Informationen

- medienundsozialpädagogik.ch – Webplattform der BFF Bern Berufs- Fach- und Fortbildungsschule

- szh.ch – Webrubrik des Schweizerischen Zentrums für Heil- und Sonderpädagogik zu ICT  

- Zusammenfassung von Workshop 10  – Medienpädagogik als Teil der Sozial- und Sonderpädagogik – am 3. nationalen Fachforum Jugendmedienschutz

 
 
 

Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen mit spezifischen Bedürfnissen

Längst sind digitale Medien zentraler Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen – auch von jungen Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die rasanten Entwicklungen rund um die digitalen Medien wie Smartphones, Tablets und Computer stellen viele Leitungspersonen und Mitarbeitende von Institutionen für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen vor grosse Herausforderungen. Nicht selten wird aus einer Not heraus versucht die Heranwachsenden vor digitalen Medien abzuschirmen. Die Erfahrungen zeigen aber, dass dies nicht sinnvoll ist. Kinder und Jugendliche müssen lernen kritisch und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umzugehen. Nur so können sie die Potenziale der Medien nutzen und sich auch vor den Gefahren schützen. Die Förderung der Medienkompetenz ist ein wesentlicher Beitrag zur Partizipation und zur Chancengleichheit in der Gesellschaft.

 

Erfahren Sie hier, wie die Medienpädagogik im sozial-, heil- und sonderpädagogischen Kontext in ihre verschiedenen Handlungsfelder integriert werden kann. 

 
 
 

Handlungsfelder der medienpädagogischen Arbeit

 
 

Förderung von Medienkompetenzen in sozial-, heil- und sonderpädagogischen Institutionen bedeutet, innerhalb von drei zentralen Handlungsfeldern zu agieren: Medienerziehung, Medienkultur und Medienbildung. Besonders beachtet wird dabei die Arbeit an den Schnittstellen Institution – Eltern / Herkunftssystem, Institution – Schule sowie Institution – Gesellschaft. Diese Schnittstellen können mit Spannungen einhergehen. Systemische sozial-, heil- und sonderpädagogische Arbeit begegnet diesen Spannungsfeldern aktiv und lösungsorientiert.

 

Medienpädagogik heisst im Berufsalltag: Berücksichtigen Sie die einzelnen medienpädagogischen Handlungsfelder gleichwertig und versuchen Sie, in allen drei Handlungsfeldern positive Entwicklungsprozesse zur Förderung der Medienkompetenzen anzustossen. Erfahren Sie in den folgenden Abschnitten mehr darüber.

 
 
 
 

Medienkompetenz und Gesellschaft

 
 

Medienkompetenz ist eine Grundvoraussetzung, um aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben und Medien kreativ gestaltend zu nutzen, aber auch, um sich selber vor möglichen Gefahren im Umgang mit digitalen Medien zu schützen. Kinder und Jugendliche brauchen die Begleitung der Erwachsenen im Medienalltag. Im sozial-, heil- und sonderpädagogischen Bereich ist es daher wichtig, dass Berufsleute selber medienkompetent sind, Medienkompetenz in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aktiv fördern und Schutzmassnahmen umsetzen.

 

Digitale Medienkompetenz und Gesellschaft heisst im Berufsalltag: Verwechseln Sie technische Kompetenz nicht mit Medienkompetenz und nehmen Sie Ihre erzieherische Rolle als kritische und begleitende Unterstützung auch bei technisch versierten Kindern und Jugendlichen wahr.

 

Einen Fragebogen zur Einschätzung Ihrer Medienkompetenz finden Sie in unserer Broschüre "Förderung von Medienkompetenzen in Institutionen für Kinder und Jugendlichen mit spezifischen Bedürfnissen" auf Seite 11.

 
 
 
 

Handlungsfeld Medien und Erziehung

 
 

Erziehungsaufgaben rund um Medien beinhalten das Aushandeln und Einfordern sinnvoller und kontrollierbarer Nutzungsregeln (zeitlich, technisch, inhaltlich und kommunikativ), das Monitoring (Kostenkontrolle, Filter, Spurennachverfolgung), aber vor allem auch die aktive Begleitung, also die Befähigung von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit digitalen Medien. Die Zusammenarbeit mit Eltern sollte besonders beachtet werden, denn Medienerziehung von Kindern und Jugendlichen heisst aus systemischer Sicht, dass den Eltern Unterstützung angeboten wird. Dabei geht es um Aspekte wie Prävention, Deeskalation sowie kooperative und dialogische Prozesse. Die kostenlose Broschüre Medienkompetenz informiert Eltern über die Chancen und Gefahren von digitalen Medien und gibt ihnen wichtige Tipps für den Erziehungsalltag.  

 

Aktive Begleitung heisst:

  • Für Fragen da sein und grundsätzliches Interesse an der Mediennutzung der Kinder und Jugendlichen zeigen.
  • Gemeinsame Mediennutzung, angepassten Umgang mit digitalen Medien vorleben, sich auf Nutzungstrends von Kindern und Jugendlichen einlassen und gemeinsam mit ihnen lernen.
  • Stellung beziehen (zum Beispiel eigene positive oder negative Bewertungen von Tools und Games).
  • Information und Aufklärung zu Themen wie rechtliche Aspekte, digitaler Fussabdruck, Gewalt und Medien oder Sexting.
  • Kinder und Jugendliche individuell und auf ihre Situation angepasst an die Nutzung spezifischer Medien und Medieninhalte heranführe (zum Beispiel durch Ermunterung zum Erlernen eines audiobasierten Mailprogramms für motorisch beeinträchtigte Personen; auf Lern-Tools hinweisen).  

Einen Fragebogen zur Frage, wie Sie Kinder und Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien begleiten und mit den Eltern zusammenarbeiten, finden Sie auf S. 13 unserer Medienkompetenzbroschüre für Kinder- und Jugendinstitutionen.

 
 
 
 

Handlungsfeld Medien und Institutionskultur

 
 

Medienpädagogische Arbeit setzt eine gelebte, positive Medienkultur in der Institution voraus und zeigt sich im Berufsalltag auf verschiedenen Ebenen:

  • Mitarbeitende haben im direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen eine Vorbildfunktion und können den positiven Umgang mit digitalen Medien im Alltag kreativ fördern.
  • Institutionen gewähren und ermöglichen Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen einen entsprechenden Medienzugang.
  • Institutionsleitende machen über den Web-Auftritt der Institution sowie über die Professionalität und Differenziertheit bei der Nutzung digitaler Medien in der internen und externen Kommunikation ihre Haltung in Bezug auf das Thema Medien sichtbar.

 

Medien und Institutionskultur heisst im Berufsalltag: Setzen Sie sich, insbesondere als Leitungsperson, bewusst und differenziert mit den Grundhaltungen (von bewahrpädagogisch bis befähigend) zu digitalen Medien auseinander und gestalten Sie die Institutionskultur in diesem Bereich aktiv und kontinuierlich.

 

Einen Fragebogen zur Erhebung der Institutionskultur und der Grundhaltung in Bezug auf digitale Medien finden Sie auf S. 14 unserer Medienkompetenzbroschüre für Kinder -und Jugendinstitutionen.

 
 
 
 

Handlungsfeld Medien und Bildung

 
 

Tauschen Sie sich aktiv mit den Lehrpersonen über die Förderung der Medienkompetenz aus. Stellen Sie sicher, dass im Wohnalltag keine unnötigen Hürden (Technik, Betreuung, Regeln) die Umsetzung der schulischen Anforderungen behindern.

 

Die Broschüre « Medienkompetenz im Schulalltag » gibt wertvolle Hinweise, mit welchen Themen sich die Schulen konkret befassen sollten.

 

Einen Fragebogen zur Erfassung, inwiefern die digitalen Medien und die Schule in der pädagogischen Arbeit einbezogen werden, finden Sie auf Seite 17 der Broschüre Medienkompetenz für Kinder- und Jugendinstitutionen.

 
 
 
 

Kindeswohlfragen und rechtliche Aspekte

 
 

Im sozial-, heil- und sonderpädagogischen Kontext stehen sich das Selbstbestimmungsrecht der Kinder beziehungsweise Jugendlichen und das Erziehungsrecht respektive die Erziehungspflicht der Erziehungsberechtigten gegenüber. Die Medienerziehung ist Teil dieses Erziehungsrechts. Kinder und Jugendliche sollen nicht nur befähigt werden, sinnvoll mit Medien umzugehen, sondern auch vor drohenden Kindeswohlgefährdungen – namentlich durch die Nutzung digitaler Medien – bewahrt werden.

 

Die Risiken der Mediennutzung sind vielfältig: So können Kinder und Jugendliche unter anderem Opfer eines sexuellen Missbrauchs (zum Beispiel sexuelle Belästigung oder Grooming), eines Betrugs oder eines Cybermobbings, -bullyings oder -stalkings werden. Ebenso besteht die Gefahr einer Online-, Game- oder Pornografiesucht. Kinder und Jugendliche können sich aber auch strafbar machen, zum Beispiel durch Gewaltaufrufe übers Internet, durch das Zugänglich-machen von Pornografie an unter 16-Jährige oder durch die Herstellung, den Besitz oder den Konsum von Kinderpornografie. Einen Überblick über die Gefahren im Netz finden Sie hier.

 

Das Selbstbestimmungsrecht von Kindern und Jugendlichen ist Teil der persönlichen Freiheit und hängt massgeblich von der Urteilsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen ab. Die Erziehungsberechtigten haben den Willen der urteilsfähigen Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen, soweit dies dem Interesse des Kindswohls nicht entgegensteht.

 

Dass sich Selbstbestimmungs- und Erziehungsrecht in einem gewissen Spannungsfeld befinden, ist selbstverständlich. In der medienpädagogischen Praxis sind oftmals Kompromisse auszuhandeln und gegebenenfalls auch Grenzen auszutesten. Eine Überwachung oder Kontrolle der digitalen Kommunikation der Kinder und Jugendlichen durch die Erziehungsberechtigten ist nur mit deren Einverständnis oder unter der Voraussetzung zulässig, dass klare Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung oder -verletzung bestehen und die Kontrolle oder Überwachung verhältnismässig ist.

 
 
 
 

Handlungsschritte zur Medienkonzeptentwicklung

 
 

Ein zeitgemässes sozial-, heil- und sonderpädagogisches Institutionskonzept beinhaltet ein medienpädagogisches Teilkonzept. Eine erste Grundlage dafür können Sie schaffen, wenn Sie eine Standortbestimmung in Ihrer Institution vornehmen. Die Medienkompetenzbroschüre für Kinder und Jugendinstitutonen beinhaltet Fragebögen zur Standortbestimmung.

 

Medienpädagogisches Konzept

Ein medienpädagogischen Konzepts beinhaltet folgende drei Ebenen, die regelmässig überprüft und bei Bedarf weiterentwickelt werden sollten:

 

1. Leitbild

Die Grundhaltung sowie die angestrebte Institutionskultur werden erarbeitet und schriftlich in einem Leitbild festgehalten. Wichtig ist, dass diese Grundlagenarbeit gemeinsam (im Team) erfolgt und somit auch von den Mitarbeitenden getragen wird.

 

2. Aufgaben auf der Ebene der verschiedenen Hierarchiestufen

In den jeweiligen Aufgabenbeschrieben der Mitarbeitenden wird festgelegt, wer für was zuständig ist und was dies genau beinhaltet. Institutionsleitungen stellen beispielsweise Ressourcen sicher, Bereichsleitungen traktandieren das Thema regelmässig an Sitzungen, in Teams gibt es eventuell Ressortverantwortliche, welche das Thema in Form von Inputs einbringen, Bezugspersonen haben die Aufgabe, mit den jeweiligen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen und ihren Systemen das Thema direkt zu bearbeiten und die Koordination mit der Schule und weiteren Stellen zu sichern.

 

3. Konkretisierung im Alltag

Auf dieser Ebene wird festgelegt und festgehalten, welche Möglichkeiten es für medienpädagogische Arbeiten im Alltag gibt und wann diese wo und wie genutzt werden. Das Thema kann zu einem festen Bestandteil der Bezugspersonenarbeit werden, es kann ein Traktandum im Elterngespräch sein, es können regelmässige Gruppenanlässe stattfinden. Projekttage und Lagerwochen können auch für medienpädagogische Arbeit genutzt werden.

 
 
 
 

Adressen und weiterführende Informationen

 
 

Online-Standortbestimmung Medienkompetenz

Möchten Sie die Standortbestimmung für Mitarbeitende von Institutionen online vornehmen? >> Der Link zum Online-Fragebogen kann per Email angefordert werden bei infoanti spam bot@medienpaedagogikanti spam bot.ch .

 

Weiterbildungsangebote in den Bereichen Sozial-, Heil- und Sonderpädagogik

  • BFF Bern Berufs-, Fach- und Fortbildungsschule: Fachseminare für Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Fach- und Führungspersonen im Bereich Kinder und Jugendliche.
  • CURAVIVA Schweiz: Kurs „Medienpädagogik – Kinder und Jugendliche im Umgang mit Social Media begleiten“; Inhouse-Schulungen nach Bedarf
  • New Media Concept: Workshops und Begleitung von Institutionen bei der Konzeptentwicklung
  • Weitere Schulungsangebote für Eltern, Lehr- und Fachpersonen finden Sie in unserer schweizweiten Angebotsdatenbank.

 

Informationen für Eltern und Erziehungspersonen

  • medienundsozialpädagogik.ch : Webplattform der BFF Bern Berufs-, Fach- und Fortbildungsschule für die Sozialpädagogik.
  • Medienstark : Informationsplattform der Swisscom für Eltern mit Tipps für die Medienerziehung im Alltag.
  • elternet.ch : Diverse alltagsnahe Informationen zur Medienerziehung.
  • Medienprofi : Verschiedene Unterlagen und Angebote von Pro Juventute zum Thema digitale Medien.
  • www.safersurfing.ch : Plattform der Schweizerischen Kriminalprävention mit Informationen zur Prävention von Gefahren im Netz, in einfacher Sprache und mit vielen nützlichen Links.
  • Foliensatz für Elternbildner/innen mit den wichtigsten Botschaften für Eltern

 

Informationen für Jugendliche

  • tschau.ch: Die E-Beratung und Jugendinformation tschau.ch ist eine professionell geführte Beratungsplattform für junge Menschen in der deutschsprachigen Schweiz.
  • feel-ok.ch: Facheinheit der Schweizerischen Gesundheitsstiftung RADIX und ein internetbasiertes Interventionsprogramm für Jugendliche. Allgemeine Informationen zu vielen Jugendthemen.

 

Informationen für Kinder

  • www.thewebsters.ch : Alltagserfahrungen, die Jugendliche mit dem Internet machen, erzählt in Forme eines Comics. Herausgerber: Bundesamt für Kommunikation.
  • www.netcity.org : Spielerische Lernplattform von Action Innocence zum Umgang mit Internetrisiken

 

Informationen für Institutionen

  • www.einfachsurfen.ch - Leitfaden zur Gestaltung von einfachen Internet-Benutzeroberflächen für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Informationen zur Barrierefreiheit
 
 
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