Von Fake News, Filter Bubbles und falschen Profilen

Wahrheit, Halbwahrheit oder Lüge? Echt oder manipuliert? Ernst oder Satire? Dies fragt sich manch einer, der im Internetdschungel unterwegs ist – sei es auf der Suche nach vertrauenswürdigen Quellen, beim Lesen von Newsmeldungen  oder beim Betrachten von Werbeanzeigen, Fotos und Videos in Sozialen Netzwerken. Dass es im Netz wimmelt von Falschmeldungen, Hoax (schlechte bis bösartige Scherze auf Social Media), manipulierten Bildern, wahrheitsverzerrender Propaganda oder Werbung, erstaunt nicht weiter, denn: Im Netz findet wie auch im echten Leben ein harter Kampf um Aufmerksamkeit statt. Medienpräsenz, Klickraten, Fans, Impressions, Wählerstimmen und Neukunden sind die digitale Währung.    

 

Für Kinder und Jugendliche gehört deshalb heute zu den grössten Herausforderungen in der digitalen Welt, den Wahrheitsgehalt von Text-, Bild- oder Videoinhalten beurteilen zu können. Nur wenn Heranwachsende kritische Medienkompetenz entwickeln und Medieninhalte einschätzen lernen, sind sie in der Lage, Fake-Content von echten Informationen zu unterscheiden und Manipulationsversuche zu entlarven. Erwachsene sind dank ihrer Lebenserfahrung wichtige Begleiter, wenn Kinder und Jugendliche die Medienwelt mit einer kritischen Distanz entdecken lernen.

 
 
 

Formen von Manipulationen, Lüge und Verzerrungen

 
 

Es gibt zahlreiche Formen von Manipulation und Realitätsverzerrung im Netz: Produktewerbung – häufig auch versteckt platzierte –, Falschmeldungen, von Social Bots verbreitete Hoax-Meldungen, Gerüchte oder pseudowissenschaftliche Theorien. Auch sind erfundene Verschwörungen, das Anprangern von Sündenböcken, für deren Schuld es keine Beweise gibt, Formen der Manipulation.

 

Falschmeldungen

Falschmeldungen im Netz können beabsichtigt oder unbeabsichtigt publiziert worden sein. Während die Ursache bei den unbeabsichtigten entweder ein Qualitätssicherungsproblem oder falsch verstandene Ironie oder Satire ist – bekannte Beispiele sind „Der Postillion“, aber auch „Die Tagespresse“ - geht es bei den beabsichtigten Falschmeldungen (Fake News) immer um klare Interessen: ökonomische, ideologische oder propagandistische. Während Falschmeldungen früher im Dorf dank der sozialen Kontrolle sofort sanktioniert wurden, ist dies heute im globalen Netzwerk, wo Identitäten jeder Zeit kreiert und wieder aufgelöst werden können, viel schwieriger. Falschmeldungen jedoch ganz zu verhindern, ist heute unmöglich. Einen Vorschlag zur Kategorisierung von Fake News finden Sie in diesem SRF-Artikel.

 

Hoax verbreiten sich insbesondere auf Facebook, Twitter oder Messengern wie WhatsApp. Weit verbreitet war etwa die Behauptung auf Facebook, die Social Media Plattform ändere seine Datenschutzbedingungen, und man könne dem via Post auf der eigenen Wall widersprechen und sich so schützen. Eine weitere Hoax ist das vermeintliche Blue Whale-Spiel. Bei diesem Social-Media-Game werden die Spieler am Ende aufgeordert, Suizid zu begehen. Medien haben das Spiel, das es nicht gibt, mit realen Suiziden von Minderjährigen in Verbindung gebracht. 

 

Trotz des potenziellen Einflusses von Falschmeldungen hält sich deren Wirkung gemäss dem Medienforscher Prof. Latzer der Universität Zürich in Grenzen. Denn laut einer Studie der Uni Zürich wird bei Internetinhalten am wenigsten den Inhalten auf Social Media-Kanälen vertraut. Am meisten vertraut wird Service Publique-Inhalten, gefolgt von Inhalten von politischen Parteien.

 

Clickbait Webseiten

Eine weitere Form von Falschmeldungen sind sogenannte Clickbait Webseiten. Dabei werden reale Geschichten aufgegriffen und dramatisiert oder übertrieben dargestellt. Andere wichtige Aspekte wiederum werden ignoriert. Diese beabsichtigte Verzerrung der Wirklichkeit dient einzig der Unterhaltung und dem Klicks-Fang.

 

Social Bots

Soziale Bots sind künstliche Social Media-Profile, die automatische Antworten und vorprogrammierte Informationen absenden. Es gibt Social Bots, die menschliche Identität vortäuschen mit dem Ziel der Manipulation. Es gibt aber auch Social Bots, die Informationen sammeln und weitergeben.

Das Phänomen existiert vor allem auf Twitter, wo ein bedeutender Teil der Profile Bots sind. Bei Facebook existieren solche Social Bots ebenfalls, jedoch in geringerer Zahl. Es ist für einen User nicht einfach festzustellen, ob hinter einem Profil ein Mensch oder ein Roboter steckt.

Trolle machen dasselbe wie Social Bots, aber es stecken Menschen dahinter. Sie wollen irritieren, stören, provozieren und manipulieren.

 

Social Bots werden dann zu einem Massenproblem, wenn deren Tweets von Journalisten aufgegriffen werden. Leider geschieht dies aufgrund des ökonomischen Drucks und der Jagd nach Views immer häufiger. Um das Problem und dessen Auswirkung auf die öffentliche Meinung einzudämmen braucht es einerseits die konsequente Durchsetzung der Pressekodizes durch die Medienbranche, anderseits die kritische Medienkompetenz der Internetuser.

 

Filter Bubbles

Filter Bubbles, auch Echokammern genannt, entstehen dadurch, dass die Information und Werbung im Internet immer stärker personalisiert wird. Durch die algorhitmische Selektion von Inhalten erhalten Internet-User das, was sie mögen und das ihre Meinung bestätigt. Hinter der Personalisierung der Information stehen ökonomische Interessen, denn unser Konsumverhalten wird dadurch gesteuert. Auch Suchmaschinen und News-Aggregatoren funktionieren auf Basis von solchen Algorithmen.

 

Algorithmen schaffen also unsere Realitäten. Risiken dabei sind Verzerrungen, Zensur durch automatische Filterung aber auch die Überwachung und Verletzung der Privatsphäre (Latzer 2016). Algorithmen liefern heute jedoch nicht mehr nur Eintönigkeit, sondern auch Diversität, da Eintönigkeit auf Dauer als langweilig empfunden wird. Untersuchungen zeigen, dass Menschen trotz Personalisierung der Information und Werbung unterschiedliche Quellen konsultieren, dass Filter Bubbles die Diversität also nicht einschränken. Jedoch steigt die Polarisierung der Meinungen an. So wirken etwa Influencer auf Social Media polarisierend, wogegen Influencers in den Massenmedien mehr ausgleichend wirken (Latzer, 2017).

 

Filter Bubbles sind keine Informationsgefängnisse, sondern jedem Internetuser stehen die Türen offen, andere Informationen zu suchen. Wenn dies nicht geschieht, dann, weil viele Menschen dies nicht wollen, denn: Filter Bubbles sind Komfortzonen.

 
 
 
 

YouTube-Stars – die Idole und Werbeträger im Netz

 
 

YouTuber sind die Stars der jungen Internetgeneration. Sie sind Idole und gleichzeitig Vorbild vieler Kinder und Jugendlichen. Mit ihren Videos erreichen sie dank riesiger Fangemeinschaften Klickzahlen bis in Millionenhöhe und verdienen kein schlechtes Geld. Während sich die Videos der weiblichen YouTube-Stars meist um Mode, Lifestyle und Beauty drehen, geht es bei den männlichen Stars häufig um Video-Games – in sogenannten Let’s Play-Videos -, technische Neuigkeiten oder Abenteuer. Firmen nutzen YouTuber als Plattform zur Platzierung ihrer Produkte – sei es, in dem jene Kleidungsstücke oder Accessoires von Sponsoren tragen, Produkte ausprobieren und weiterempfehlen oder Video-Spiele kommentieren. Solche Werbedeals sind für Unternehmen ein attraktives Geschäft, denn sie steuern das Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen. Es geht aber nicht nur um Produkte, sondern auch um Werte: so vermitteln Youtube-Stars Rollenbilder und Schönheitsideale, die es kritisch zu betrachten gilt. Erwachsene tun deshalb gut daran, mit ihren Kindern über die Interessen und Gewinne zu sprechen, die hinter deren Internetidolen stehen.

 
 
 
 

Gegenmittel: Medienkritik kreativ anregen

 
 

Die in diesem Beitrag genannten Internetphänomene werden so schnell nicht verschwinden, denn keine technische Lösung wird sie gänzlich verhindern können. Wie es mit Spam-Mails war, so gilt es auch bei Hoax, Social Bots und anderen Realitätsverzerrungen im Netz, einen Umgang damit zu finden und diese möglichst rasch zu erkennen.

 

Die beiden zentralen Fragen, die es zu beantworten gilt, sind:

  • Wie finde ich vertrauenswürdige und qualitative Informationen im Internet?
  • Wie kann ich zwischen Information und Desinformation unterscheiden?

 

In den nachfolgenden Abschnitten finden Sie Strategien dazu.

 
 
 
 

Informationen suchen: Alternative Suchmaschinen

 
 

Wer nicht mit seinen persönlichen Daten bezahlen und passgenaue Werbeanzeigen erhalten möchte, kann auf alternative Suchmaschinen zurückgreifen. Solche Meta-Suchmaschinen leiten Anfragen an Suchdienste weiter. Die Suchmaschinen unterscheiden sich nach folgenden Kriterien: Grad der Sicherheit, Nachhaltigkeit, Privatsphäre-Funktionen, grüne Features (z.B. Server mit Ökostrom), mit oder ohne Datenschutzzertifizierung, wählbares Spendenziel u.a.  

 

Hier finden Sie eine Auswahl von alternativen Suchmaschinen:

 

Weitere Informationen in unserer Rubrik Suchen und Recherchieren

 

 
 
 
 

Informationen verifizieren – gewusst wie

 
 

Im Internet gibt es Billionen von Seiten. Suchmaschinen sind deshalb unverzichtbar. Doch wie finde ich seriöse Inhalte? Einfach ein Wort zu Googeln reicht nicht. Es bedarf bewusster Strategien, um Treffer einzugrenzen und dazu muss man auch verstehen, wie Suchmaschinen funktionieren. Es lohnt sich, alternative Suchmaschinen (siehe nachfolgende Infobox) zu verwenden. Auch bedarf es Strategien, um die Glaubwürdigkeit von Internetquellen beurteilen zu können (siehe auch Rubrik „suchen und recherchieren“).

 

Faktencheck

Folgende kritische Fragen können helfen, Inhalte zu verifizieren und auf deren Absichten zu beurteilen:

  • Wer steckt hinter der Information oder dem Bild? PR-Agenturen, Aktivisten, politische Parteien sind nie neutral, sondern wollen ihre Botschaft verbreiten.
  • Lassen sich weitere Quellen mit derselben Information/Aussage finden, die voneinander unabhängig sind? Wenn ja, ist es ein Zeichen von Glaubwürdigkeit.
  • Ist die Darstellung der Inhalte einseitig oder die Gegenargumente nicht vorhanden oder nur schwach? Da sollte man sich fragen, was verschwiegen wird.

 

Hoax erkennen

Sie machen sich die Leichtgläubigkeit vieler Leser und deren Bereitschaft, Inhalte ungeprüft zu teilen, zu Nutze, um

Fans zu sammeln und danach Viren zu streuen. Daran erkennt man Hoax:

  • Impressum fehlt
  • Zu schön, um wahr zu sein
  • Formulierungen wie „Kein Scherz“ oder „wichtig“ sollten jeden Leser grundsätzlich skeptisch machen

 

(Quelle: SRF My School)

 

Wikipedia

Wikipedia ist ein Internet-Wissenslexikon, bei dem Jeder und Jede Beiträge schreiben, korrigieren oder ergänzen kann. Durch die gegenseitige Kontrolle werden Falschinformationen in der Regel rasch korrigiert. Somit steigt die Qualität der meisten Inhalte permanent. Es gibt aber auch Ausnahmen, wodurch es keine Garantie gibt, dass die Inhalte stets korrekt sind.

 
 
 
 

Weiterführende Informationen und Webseiten

 
 

Für Eltern

Für Lehrpersonen

 

 

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