Tipps für Lehrpersonen

  • Thematisieren Sie mit den Schülerinnen und Schülern das Schreiben in unterschiedlichen Kontexten und Medien
  • Setzen Sie Grenzen, wenn Jugendliche Kraftausdrücke verwenden, die der Situation nicht angemessen sind.
  • Hinterfragen Sie ihren eigenen Sprachgebrauch.
 
 
 

Jugendsprache – Wandel statt Zerfall

Kommunizieren via Messenger, SMS, E-Mail oder Chat ist populärer denn je. Täglich werden in der Schweiz Millionen von Nachrichten verschickt. Dabei wird auf Grammatik, Kommaregeln und Rechtschreibung häufig nicht besonders viel Wert gelegt. Jugendliche «simsen» häufig in Dialekt, drücken ihre Gefühle mit «Emoticons» wie «lol» oder ☺ aus, kürzen Wörter ab, erfinden neue und benutzen lautmalerische Ausdrücke, wie wir sie aus Comics kennen. Völlig normal ist auch das Verwenden von Kraftausdrücken wie «megageil» oder «krass». Diese Art zu schreiben, dient einerseits der Abgrenzung von den Erwachsenen und andererseits zeigt sie die Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

 

Die Jugendsprache ist also nicht mehr wie früher nur eine gesprochene, sondern hat sich mit den neuen Kommunikationsformen zu einer geschriebenen Sprache entwickelt. Die Herausforderung für Jugendliche ist, ihre Sprache dem Kontext anzupassen: zum Beispiel in Schultexten nicht Ausdrücke wie «voll easy» oder «saumässig cool» zu verwenden. Sie müssen wissen, dass man mit seinen Eltern und Erwachsenen anders redet als mit seinen Freunden und dass man in einem Schulvortrag nicht gleich spricht wie beim Chatten. Auch werden in einem Deutschaufsatz vollständige Sätze erwartet, beim Simsen hingegen nicht.

 

Jugendliche können relativ gut ihren Stil den verschiedensten Schreibsituationen anpassen. Dies hat eine repräsentative Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften gezeigt. Ihr zufolge haben die digitalen Medien keinen Einfluss auf die Schreibkompetenz der Jugendlichen. Das heisst, das private Simsen, Chatten und Mailen beeinflussen weder die Rechtschreibkenntnisse noch die Ausdrucksweise in der Schule. Die von vielen Erwachsenen beklagte Sprachverarmung der Jugend findet demnach nicht statt. Vielmehr haben wir es mit einem innovativen und kreativen Sprachwandel zu tun. Die veränderten sprachlichen Normen können für Jugendliche sogar identitätsstiftend sein. Und sollte die verbreitete Kritik des Zerfalls der Sprachkultur tatsächlich berechtigt sein, so ist die Jugendsprache nicht Ursache, sondern vielmehr Spiegel der moderne Mediengesellschaft und des sozialen Umfelds.

 
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