Nachgefragt

Wir haben mit Betroffenen über das Thema Internet und Sexualität gesprochen – mit einem Jugendlichen, einer Mutter und einem Jugendbeauftragten. Zum Interview.

 
 
 

Einsichten

  • Einblicke in den Alltag von Jugendlichen, mit wahren aber anonymisierten Filmen: virtualstories.ch
  • Videos, die zum Nachdenken anregen oder als Diskussionsbasis dienen: auf dem Youtube-Kanal von Jugend und Medien.
  • Sexting-Kampagne von Pro-Juventute
 
 
 

Sexting und erotische Selbstdarstellungen in digitalen Medien

Wenn Heranwachsende erste sexuelle Erfahrungen machen, kommen häufig auch die digitalen Medien ins Spiel. Aufklärungsseiten im Netz suchen,  Pornografie anschauen oder im Chat flirten sind normale Internetaktivitäten Jugendlicher. Und inzwischen gehört auch Sexting dazu.

 

Bei diesem jungen Phänomen fotografieren sich Jugendliche nackt oder in lasziven Posen und senden die Fotos via Handy an ihren Liebespartner oder ihr Date. Doch Vorsicht: Ein als Liebesbeweis geschicktes Foto kann zur Gefahr werden. Es kann beispielsweise nach einer Trennung aus Rache per Handy oder Internet an unerwünschte Zuschauer gelangen.

 

Wie sich Jugendliche vor den Gefahren schützen können, was Eltern tun können und wo man Hilfe findet, erfahren Sie auf dieser Seite.

 
 
 

Was ist Sexting?

 
 

Die Wortschöpfung «Sexting» setzt sich aus den englischen Wörtern «sex» und «texting» zusammen. Bei Sexting werden erotische Selbstaufnahmen (Fotos oder Videos) via Handy oder Internet verschickt. Auch das Verschicken von erotischen oder pornografischen Mitteilungen gehört dazu. Die Inhalte werden über Plattformen wie etwa Facebook, Whatsapp und Snapchat an eine Person oder an eine Gruppe gesendet.

 

In der Regel spielt sich Sexting in einer intimen Beziehung ab: Ein aufreizendes Foto oder Video wird dem Partner als Liebesbeweis oder zum Flirten geschickt. Manchmal sendet man das Material zum «Spass» oder aus Neugier auch an die ganze Freundesgruppe.

 
 
 
 

Was weiss man über Sexting unter Jugendlichen?

 
 

Da es sich um eine neue Tendenz handelt, liegen heute erst wenige Studien dazu vor. In der Schweiz ist nur eine Minderheit der Jugendlichen von Sexting betroffen: 8 Prozent der Heranwachsenden zwischen 12 und 19 Jahren haben bereits erotische Selbstaufnahmen oder Videos verschickt. Dabei sind Jungen bedeutend aktiver – 14 Prozent der Jungen haben schon eigene erotische Bilder oder Videos verschickt, bei den Mädchen sind es nur 1 Prozent. (JAMES-Studie 2014).

 

Laut einer in Deutschland durchgeführten Studie (Döring, N. 2012) sind Mädchen stärker von den Gefahren betroffen, die Sexting mit sich bringt. Wenn freizügiges Bild- oder Textmaterial ohne Zustimmung der Urheberin in Umlauf gelangt, sind die Stigmatisierung und die Provokationsvorwürfe für ein Mädchen schlimmer als für einen Jungen.

 
 
 
 

Welche Risiken birgt Sexting?

 
 

Das grösste Risiko bei Sexting besteht darin, dass die Inhalte sehr schnell verbreitet werden, sich aber nur schwer löschen lassen. Mit einem einzigen Klick landet ein kompromittierendes Bild oder Video im Internet und bleibt womöglich für immer. Auch wenn die Bilder bewusst geschickt werden – etwa an eine vertrauenswürdige Person, oder unter Gruppendruck – können sie schlimme Probleme verursachen, wenn sie in die falschen Hände und/oder an eine breite Öffentlichkeit gelangen.

 

Manchmal wird Material mit sexuellem Inhalt an Unbekannte verschickt. Darin liegt ebenfalls eine Gefahr, etwa wenn man einem Unbekannten (ob gleichaltrig oder nicht) vor der Webcam oder auf einem Chat seine Geschlechtsteile zeigt.

 

Bei «Sextortion» handelt es sich um eine Form der Erpressung im Zusammenhang mit Sexting. Ein Erwachsener beschafft sich unter einer falschen Identität über soziale Netzwerke oder über das Internet freizügige Bilder von Jugendlichen und droht, sie zu veröffentlichen, um noch mehr Bilder (z.B. Striptease vor laufender Webcam), Geld oder ein Treffen mit dem Opfer zu erzwingen.

 

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Wo liegt die Grenze zwischen Sexting und Pornografie?

 
 

Vorsicht mit pornografischen Bildern! Nicht nur Erwachsene, sondern auch Minderjährige, die Jugendlichen unter 16 Jahren pornografisches Bild- oder Videomaterial verschicken, machen sich strafbar. Erotisch ist nicht gleich pornografisch.

 

Jugendliche unter 16 Jahren können zudem wegen Erstellung und/oder Verbreitung von (Kinder)Pornografie rechtlich belangt werden. Wenn sich Minderjährige nackt fotografieren oder bei der Selbstbefriedigung oder sexuellen Handlungen filmen, produzieren sie Kinderpornografie. Das ist verboten und kann strafrechtliche Folgen haben, egal ob die Inhalte sie persönlich oder andere Minderjährige betreffen. Jedoch bleiben Minderjährige von mehr als 16 Jahren straflos, wenn sie voneinander einvernehmlich pornografische Gegenstände oder Vorführungen herstellen, diese besitzen oder konsumieren (Art. 197, Ziffer 8 StGB).

 
 
 
 

Wie können Eltern und Lehrpersonen präventiv handeln?

 
 
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind oder mit der Schulklasse über deren Erfahrungen im Internet und in den neuen Medien. Zeigen Sie Interesse am «digitalen Leben» der Jugendlichen, indem Sie sie etwa fragen, welche Tipps sie geben würden .
  • Ermuntern Sie Ihr Kind, beunruhigende Inhalte mit Ihnen, einer Lehrperson oder einem anderen vertrauenswürdigen Erwachsenen zu besprechen.
  • Diskutieren Sie über das Thema Selbstdarstellung im Internet, und zwar jungen- und mädchenspezifisch.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind oder Ihren Schülern über Fotos und Bilder, die gefährlich sein können, wenn sie ungewollt verbreitet werden. Könnten die Kinder damit umgehen, dass diese Bilder auf der Strasse zu sehen sind oder im Schulhof herumgereicht werden?
  • Raten Sie Ihrem Kind oder Ihren Schülern nachdrücklich ab, Bilder oder Videos, die sie nackt oder in anrüchigen Posen zeigen, zu verschicken, online zu veröffentlichen oder auf einem ungesicherten Träger zu speichern. Sollten solche Inhalte trotzdem produziert werden, empfehlen Sie Ihrem Kind oder Ihren Schülern, eine Identifizierung zu verhindern.
  • Weisen Sie Ihr Kind oder Ihre Schüler auf den Missbrauch solcher Inhalte hin: Wenn sie auf «Like» klicken oder Fotos/Videos mit Dritten teilen, werden sie selbst zum Belästiger und fügen dem Urheber der Inhalte Schaden zu.
 
 
 
 

Wie reagiere ich auf Missbrauch von Sexting-Inhalten?

 
 

Wenn der/die Jugendliche das Opfer ist:

  • Zeigen Sie Unterstützung, und verurteilen Sie nicht die eigentliche Selbstdarstellung, sondern die missbräuchliche Verwendung des Fotos bzw. Videos durch Dritte. 
  • Versuchen Sie, ohne zu urteilen, herauszufinden, was ihn/sie motiviert hat, die Inhalte überhaupt zu produzieren.
  • Informieren Sie die Person, die die Inhalte missbräuchlich verwendet hat, dass Sie Anzeige erstatten werden.
  • Wenn Gruppendynamik im Spiel ist, es sich z.B. um Cybermobbing handelt, müssen die Lehrpersonen, die Schüler und die Eltern des Opfers involviert werden.
  • Suchen Sie Rat bei Fachleuten oder nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch (siehe: Wo finde ich Hilfe?)

 

Wenn der/die Jugendliche den missbräuchlichen Besitz von Inhalten durch andere erwähnt:

  • Nehmen Sie das Problem ernst, ohne über den Inhalt selbst zu urteilen.
  • Bewahren Sie die Inhalte nicht einmal zu Beweiszwecken auf, da der Besitz unter Umständen strafbar ist (Kinderpornografie).
  • Informieren Sie die Person, die die Inhalte missbräuchlich verwendet hat, dass Sie Anzeige erstatten werden.

 

Wenn der/die Jugendliche selbst einen Missbrauch begangen hat:

  • Betonen Sie zunächst, dass es richtig ist, darüber zu sprechen, und weisen Sie ihn/sie auf die möglichen (rechtlichen) Folgen hin.
  • Sprechen Sie gemeinsam darüber, wie der Schaden begrenzt oder behoben werden kann: etwa durch das Löschen der existierenden Inhalte (auf den eigenen und auf fremden Geräten oder Internetplattformen) oder dadurch, dass er/sie mit dem Opfer über die gewünschte Wiedergutmachung diskutiert.
 
 
 
 

Wo finde ich Rat?

 
 

Für Eltern und Lehrpersonen

  • Elternnotruf: 0848 354 555 oder elternnotruf.ch
  • Liste der Beratungsstellen für sexuelle Gesundheit (Sexuelle Gesundheit Schweiz)
  • In unserer Übersicht finden Sie Beratungsangebote in Ihrer Region.

 

Für Kinder und Jugendliche

 
 
 
 

Nützliche Dokumente für Eltern und Lehrpersonen

 
 

Sexualerziehung

  • Kostenlose Broschüren von Sexuelle Gesundheit Schweiz: für Jugendliche und für Fachpersonen
  • «Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt – Eine Broschüre für Eltern und Erziehende von 0- bis 6-jährigen Kindern», herausgegeben von der Stiftung Jugendschutz Schweiz: Informationen und Bestellungen

 

Prävention

 
 
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