Videos zum Thema Extremismus und Hassreden

Sensibilisierungsvideos finden Sie auf dem Youtube-Kanal von Jugend und Medien

 
 
 

Radikalisierung früh erkennen

Der Fragebogen Ra-Prof (Radicalisation Profiling) unterstützt bei der Früherkennung von Radikalisierung eines jungen Menschen.

 
 
 

Extrem im Netz – von Hassreden, Shitstorms und Diskriminierung

Soziale Netzwerke, Blogs und Kommentarspalten bieten unzählige Plattformen, Meinungen zu äussern, öffentliche Diskurse zu führen und Propaganda zu betreiben. Immer häufiger werden diese Kanäle auch benutzt für diskriminierende oder extremistische Äusserungen, Hassreden oder zur Anwerbung von Mitgliedern für radikale Gruppen. Die Begriffe «Hate Speech», «Shitstorm» und «Radikalisierung im Netz» sind inzwischen etablierte Begriffe in unserer modernen Kommunikationsgesellschaft.

 

Auch Kinder und Jugendliche sind betroffen. Sie können Opfer von Propaganda, Anfeindungen und Beleidigungen werden, unreflektiert problematische Inhalte Dritter teilen - manchmal ohne zu wissen, dass sich antidemokratische Strategien dahinter verbergen -, aber auch selbst Aggression und Hassreden im Netz verbreiten. Dies kann dann sogar zu konkreter Gewalt in der Offline-Welt führen.

 

In der Prävention ist das Vermitteln einer klaren Haltung gegen Hass zentral. Dazu muss den Heranwachsenden aufgezeigt werden, wo die Grenze zu diffamierendem oder diskriminierendem Verhalten überschritten wird. Es geht auch darum, Gegenstrategien und Handlungsmöglichkeiten sowie eine Debattenkultur zu lernen. Erfahren Sie in den folgenden Rubriken mehr dazu.

 
 
 

Welche Formen von Extremismus gibt es und woran erkennt man sie?

 
 

Extremismus im Netz äussert sich in unterschiedlicher Form: ausländerfeindliche, rassistische, muslimfeindliche oder antisemitische Hass-Botschaften, Gewaltandrohungen, rechts- oder linksextreme Propaganda, Sexismus oder extreme Formen von Cybermobbing sind Ausdruck davon. Der Hass wird von Organisationen mit extremistischen Ideologien gezielt befeuert. Oft tarnen sie die diskriminierende Hetze – etwa als Satire, Humor oder als politische Aufklärung.

 

Extremistische, insbesondere rechtsradikale Äusserungen stehen den fundamentalen Werten einer demokratischen Gesellschaft – etwa Menschenrechte, Gleichheit, Freiheit, Toleranz – diametral entgegen. Ungleichheit, Ressentiments gegen Gruppen, Autoritarismus und Ablehnung der Demokratie kennzeichnen ihre Ideologie. Ziel- und Wertvorstellungen «kognitiver Extremisten», widersprechen zwar jenen der Gesellschaft, sind als solche aber nicht verboten, geahndet werden jedoch «gewaltbereite Extremisten», die zu Gewalt aufrufen oder diese rechtfertigen.

 

Rechtsextremismus

Rechtsextreme Propaganda bedient sich oft der Angst vor dem «Fremden». Menschen aus anderen Ländern, mit anderer Hautfarbe oder Religion sowie Homosexuelle und Behinderte sind besonders betroffen von Anfeindungen und rassistischen Parolen oder Attacken. Extremer Patriotismus und das Verwenden von Symbolen wie etwa die Zahl 88 oder das Hakenkreuz, Grussformeln wie «Heil Hitler» und «Sieg Heil» sind weitere Erkennungsmerkmale.

Rechtsextremismus ist häufig gut getarnt und kommt jugendgerecht etwa in Videos oder Songs aber auch als Informationsseiten zu gesellschaftlichen Themen oder lokale Bürgerinitiative daher. Einige Beispiele dazu finden sich auf www.netz-gegen-nazis.ch.

 

Rassistische Diskriminierung

Rassistische Diskriminierung liegt vor, wenn Menschen wegen ihrer Herkunft, Rasse, Sprache oder Religion ungerecht behandelt, beschimpft, gedemütigt oder bedroht werden. Aktuell nehmen Beschimpfungen gegenüber Flüchtlingen massiv zu. Diese werden meist mit rassistischen (häufig auch sexistischen oder antiislamischen) Vorurteilen verknüpft. Hetze bedient sich falscher Informationen, wie z.B. «Flüchtlinge beuten Sozialsysteme aus». Auch gehören Projektionen von gesamtgesellschaftlichen Problemen wie Kriminalität oder Wohnungsmangel oder Sexismus z.B. auf «Flüchtlinge» häufig dazu. Der Hass wird strategisch durch Rechtsextreme und Rechtspopulisten/-innen geschürt, aber stark von «Alltags-Rassisten/-innen» verbreitet. Manchmal werden auch Falschmeldungen («Hoax») wie z.B. Gerüchte über vermeintliche Straftaten, zur Hetze gegen Asylsuchende verbreitet. (Quelle: Broschüre «Hetze gegen Flüchtlinge in Sozialen Medien» 2016, Amadeu Antonio Stiftung)

 

Muslimfeindlichkeit (Islamophobie)

«Muslimfeindlichkeit drückt eine ablehnende Haltung und Einstellung gegen Menschen aus, die sich als Muslime bezeichnen oder als solche wahrgenommen werden. In diese Muslimfeindlichkeit können sich auch Komponenten der Ablehnung gegenüber der Herkunft der Personen aus einem (vom Islam geprägten) Land oder einer patriarchalischen Gesellschaft mischen.» (www.ekr.admin.ch/themen/d126.html)

 

Dschihadistischer Extremismus

Ein junges Phänomen, das aktuell Europa beschäftigt, ist die dschihadistische Radikalisierung. Immer wieder lassen sich junge Menschen aus westlichen Ländern verleiten, sich dem IS oder anderen dschihadistischen Gruppen (z.B. al-Qaida) anzuschliessen. Dschihadismus ist eine extremistische Strömung des Islamismus, welche den Aufbau und die Ausdehnung des islamischen Staates mittels Gewalt verfolgt. Als Ungläubige, die gewaltsam zu verfolgen sind, gelten alle Menschen, die sich nicht dem IS anschliessen (Muslime) oder diesen bekämpfen

 

Linksextremismus

Linksextremisten vertreten revolutionär-marxistische oder anarchistische Ideen und kämpfen für ein kommunistisches System oder eine anarchistische Gesellschaft. Gewaltbereite Linksextremisten instrumentalisieren oft gesellschaftliche Proteste für ihre Zwecke. Sie sind bekannt für Sabotageakte an Symbolen des Kapitalismus (Banken, Geschäfte u.a.).

 

(Hetero-) Sexismus

Sexismus bezeichnet die Diskriminierung eines Menschen aufgrund seines Geschlechts. In der Regel sind Frauen betroffen. Eine besondere Form ist der Heterosexismus. Er wertet homosexuelle, bisexuelle, transgender, intersexuelle, aber auch androgyne Menschen ab, diskriminiert sie oder greift sie physisch an.

 

Hassreden

Hassreden (engl. Hate Speech) sind Ausdrucksformen von Hass, die sich auf Personen und Gruppen beziehen und Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus etc. propagieren, dazu anstiften, sie fördern oder rechtfertigen. Auch Cybermobbing kann eine Form von Hate Speech sein ((interner Link zur Rubrik Cybermobbing)). Personen werden beleidigt, ausgegrenzt oder benachteiligt. Im Extremfall kann es sogar darum gehen, Gewalt gegen die betroffene Person oder Gruppe auszulösen. Hassreden sind meistens in Kommentaren auf Facebook-Seiten, als Kommentare zu Fotos, auf Blogs, Webseiten oder auf Twitter zu finden.     

 
 
 
 

Radikalisierung – der Weg zum Extremismus

 
 

Radikalisierung ist der Prozess, durch den Personen oder Gruppen zu Extremisten werden. Eine Radikalisierung kann zu den verschiedensten Gruppierungen hin erfolgen – von politischen und religiösen Gruppierungen über vereinnahmende religiöse Bewegungen («Sekten», dschihadistischen Gruppen) bis zu Hooligans, Links- oder Rechtsextremen.

 

Es zeigt sich, dass die Mechanismen, die bei der Radikalisierung spielen, von der ideologischen Ausrichtung weitgehend unabhängig sind. Es handelt sich um einen aktiven Prozess, der von einer Vereinnahmung zu unterscheiden ist. Bei der Entstehung treffen individuell unterschiedliche Faktoren zusammen - es gibt demnach kein typisches Profil.

 

Die Radikalisierungsforschung ist sich nicht einig über die Entstehung von (gewaltbereitem) Extremismus. Die meisten Modelle und Theorien beschreiben aber drei Elemente:

  1. Die persönliche Erfahrung von Unmut, Unzufriedenheit und Konflikt (z.B. Identitätskonflikt), Ausgrenzungserfahrungen oder politischer Spannungen
  2. Die Übernahme einer extremistischen Ideologie
  3. Die Einbindung in Sozial- und Gruppenprozesse, die geprägt sind von Gruppenloyalität und Gruppendruck

Über die Bedeutung, Kombination und Reihenfolge dieser Elemente ist man sich aber nicht einig. Auch dürften weitere Faktoren eine Rolle spielen.

 

Dynamik von Hetze im Netz

Extreme Ansichten verbreiten sich online viel schneller als offline und die Hemmschwelle, sie zu unterstützen, ist geringer als im realen Leben. Dies hat damit zu tun, dass man im Internet seine Meinung publik machen kann, ohne seine Identität preisgeben zu müssen. Auch lässt sich leicht eine Fake-Identität kreieren. Hinzu kommt, dass man sich im Netz schneller einer Gruppe oder Gemeinschaft zugehörig fühlen kann, was einen Prozess der Radikalisierung beschleunigen kann.

 

Ein Beispiel für die Dynamik von Hetze im Netz sind die Casting-Shows (z.B. «Germany‘s next Topmodel») und seine begleitenden «Fanseiten», wo sich regelmässig junge Hassgemeinschaften bilden. Der deutsche Konfliktforscher Andreas Zick sieht das Bedürfnis nach gemeinsamer Abgrenzung und nach verbindenden Emotionen als Teil der Identitätsfindung von Jugendlichen. Hassäusserungen sind nach ihm ebenfalls Ausdruck davon. Auch Radikalisierungen seien intensiv emotional gesteuert. Als Motive für Hassreden nennt er: a) Wunsch nach Zugehörigkeit; b) Einfluss, Macht und Kontrolle; c) Welt verstehen lernen (einfache Erklärungen); d) Selbstwertsteigerung sowie e) Vertrauen – Misstrauen. Als wichtige Massnahme gegen Radikalisierung sieht er die Medienpädagogik.

 

Radikalisierung früh erkennen

Um unguten Entwicklungen frühzeitig entgegenwirken zu können, müssen Radikalisierungstendenzen früh erkannt werden. Ein neues Instrument, welches die Erkennung unterstützt, nennt sich Ra-Prof (Radicalisation Profiling). Die Software kommt zum Einsatz, wenn der Verdacht besteht, dass ein junger Mensch sich möglicherweise radikalisiert - etwa wenn er auf Facebook IS-Videos teilt. Das Schweizerische Institut für Gewalteinschätzung (Sifg) gibt dieses Instrument mit 42 Fragen heraus. Beispielsweise die Lehrperson, der Polizist oder die Sozialarbeiterin beantwortet die Fragen, welcher dann von zwei Spezialisten ausgewertet werden. Bei einer negativen Einschätzung werden weitere Fachpersonen beigezogen.

 

Deradikalisierung

Bei der Deradikalisierung geht es darum, die Konflikte zu reduzieren, der extremistischen Ideologie entgegenzuwirken oder Personen aus ihrem (extremistischen) sozialen Umfeld herauszulösen. Deradikalisierung kann kann zum Ziel haben die Einstellungen und Überzeugungen eines Menschen zu ändern oder dessen Handeln zu beeinflussen. (Quelle: Bundeszentrale für Politische Bildung, Deutschland)

 
 
 
 

Wie verbreitet ist Extremismus im Netz?

 
 

Hassreden, gewalttätige extremistische Aktivitäten verschiedenster Art und politisch motivierte Hetze haben sich in den letzten Jahren im Internet zunehmend verbreitet. Gerade Social Media-Kanäle werden von extremistischen Gruppen gezielt als Propagandamedium eingesetzt, um neue Mitglieder zu gewinnen, zu radikalisieren und zu mobilisieren. Derzeit stehen besonders Flüchtlinge im Fokus von Rechtsextremen.

 

Viele Minderjährige in der Schweiz werden Zeugen von Extremismus und Hassreden im Netz. Die jüngsten Schweizer Zahlen stammen aus dem Jahr 2013. Von den Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 16 Jahren haben nach eigenen Angaben 10 Prozent Hassnachrichten gegen Gruppen oder einzelne Personen gesehen (EU Kids Online-Studie 2013).

 

Grosses Dunkelfeld

Nur ein kleiner Teil der Fälle von Extremismus wird im Rahmen von Beratungen oder Anzeigen überhaupt registriert. Eine Fallstatistik zu allen Formen von Extremismus gibt es nicht. Im Bereich rassistischer Diskriminierung zeigt die Statistik der Beratungen in der Schweiz, dass Rassismus gegen Schwarze das häufigste Diskriminierungsmotiv ist. Eine Zunahme an Fällen ist im Bereich der Muslimfeindlichkeit festzustellen, welche an zweiter Stelle folgt. Die meisten Diskriminierungen finden im Bereich der verbalen und nonverbalen Kommunikation statt, darunter am häufigsten Beschimpfungen sowie Verleumdungen / falsche Anschuldigungen. (Rassistische Diskriminierung in der Schweiz. Bericht der Fachstelle für Rassismusbekämpfung 2014)

 

 

 
 
 
 

Welche Gesetze sind anwendbar?

 
 

Die Grenze der freien Meinungsäusserung ist dann überschritten, wenn die Menschenwürde angegriffen oder zu Gewalt aufgerufen wird. Das schweizerische Recht kennt verschiedene Rechtsnormen, die Menschen vor rassistischer Diskriminierung, Gewaltaufrufen, Hassreden oder Cybermobbing schützen. Rechtsgrundlagen sind etwa die Bundesverfassung, die Strafnormen gegen Rassendiskriminierung, Beschimpfung, Verleumdung, üble Nachrede und Drohung oder der zivilrechtliche Schutz der Persönlichkeit. Informationen zu den strafrechtlich verbotenen Inhalten und Handlungen im Netz finden sich in unserer Rubrik Strafbare Handlungen.

 

Auch auf Ebene der Kantone und Gemeinden existieren Rechtsnormen, die Menschen vor rassistischer Diskriminierung schützen. Und schliesslich hat die Schweiz diverse internationale Übereinkommen ratifiziert, die rassistische Diskriminierung verbieten.

 

Weitere Informationen:

 
 
 
 

Tipps für Opfer, Zeugen und Jugendliche, die sich vor Extremismus schützen wollen

 
 

Wie handeln, wenn man Opfer oder Zeuge von Anfeindung und Diskriminierung wird? 

  • Bei Eltern, Lehrperson oder einer Beratungsstelle um Rat suchen.
  • Hetzende Nutzer in den Sozialen Medien blockieren.
  • Via Meldebutton (der sich im jeweiligen Post befindet) beim Plattformprovider Meldung erstatten. Diese werden immer vertraulich behandelt. Wird eine Löschung des gemeldeten Inhalts abgelehnt, kann man die Bearbeitung negativ bewerten und ein Feedback schreiben, sodass eine erneute Überprüfung stattfindet. Informationen: www.facebook.com/help
  • Eigene Aussagen in Diskussionen im Netz nicht rechtfertigen.
  • Anzeige bei der Kantonspolizei erstatten. Es ist aber ratsam, sich vorab bei einer Beratungsstelle beraten zu lassen, ob eine Anzeige sinnvoll ist. Achtung: Anzeigen müssen innerhalb von drei Monaten nach dem Vorfall gemacht werden.
  • Alle Beweismittel aufbewahren: Screenshots mit Zeitstempel und URL, in Chaträumen geführte Unterhaltungen und Bilder.
  • Beleidigungen haben oft nichts mit der eigenen Person zu tun. Deshalb sollte man sie nicht zu persönlich nehmen.

 

Leitfäden, Richtlinien in Schulen

Für Krisensituationen haben die meisten Schulen heute Hilfsmittel und Richtlinien, die vorgeben, wie bei Gewaltvorfällen wie Mobbing, Bedrohung von Lehrpersonen und Jugendlichen u.a. vorzugehen ist. Handlungsanweisungen bei Verdacht auf Radikalisierung könnten dort integriert werden.

 

Wie sich Jugendliche im Netz vor Hetze und extremistischer Propaganda schützen können

  • Nicht unreflektiert extreme Meinungen in Netz teilen
  • Sich über verbotene Inhalte und Handlungen informieren
  • Aggressive oder beleidigende Kommentare im Netz vermeiden
  • Sich informieren, wer hinter einer Propaganda steckt, bevor man sie unterstützt
  • Keine privaten Daten und Adressen im Netz öffentlich machen
  • Social Media-Profil so einstellen, dass Bilder, auf denen man markiert wurde, erst nach eigener Freigabe veröffentlicht werden
 
 
 
 

Wie können Eltern, Schule und Freizeitorganisationen Extremismus im Netz vorbeugen?

 
 

Medienkultur ist mit realer Kultur verbunden. Es stellen sich deshalb gesamtgesellschaftliche Herausforderungen, die auf verschiedenen Ebenen angegangen werden müssen. Übergeordnet ist das Ziel, eine demokratische Alltagskultur zu stärken – in Familie, Schule und im Sozialraum. Hier können Eltern, Lehrpersonen und Jugendarbeitende im pädagogischen Alltag einen wichtigen Beitrag leisten. Die Kinder müssen ein Gespür dafür entwickeln, wo die Grenze zwischen Scherz, Satire, Ironie und Beleidigung, Bedrohung und Menschenverachtung liegt.

 

Integrative Massnahmen

Massnahmen, die im weiteren Sinne einer Radikalisierung vorbeugen sind die Verhinderung von Arbeits- und Perspektivenlosigkeit, die Förderung des Demokratieverständnisses, politische und religiöse Bildung sowie die Teilnahme an der Gesellschaft, (Bericht Präventionsmassnahmen gegen Radikalisierung 2016). Integrative Massnahmen bezwecken, Ausländerinnen und Ausländern eine chancengleiche Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, d.h. ihnen eine Perspektive für die berufliche und soziale Eingliederung zu bieten (Kantonale Ämter für Integration stellen Angebote zur Integrationsförderung zur Verfügung). Auch zur Prävention von dschihadistischer Radikalisierung von Muslimen empfehlen Experten die chancengleiche Teilhabe am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben (2. Bericht der Taskforce Tetra). Es ist zudem wichtig, dass problematische Entwicklungen und potenzielle Gewaltrisiken früh erkannt und entsprechende Massnahmen früh eingeleitet werden.

 

Abbau von Vorurteilen

Programme zum Abbau von Vorurteilen und zur Förderung positiver Einstellungen gegenüber anderen Gruppen wie z. B. ethnischen Minderheiten, Menschen mit Behinderung oder älteren Menschen wirken präventiv. Vor allem soziale Kontakte mit anderen Gruppen sowie die Schulung in Empathie und im Einnehmen der Perspektive von Anderen reduzieren Vorurteile und sind empfehlenswert (Bericht Averdijk/Eisner, Wirksame Gewaltprävention: eine Übersicht zum internationalen Wissensstand). Programme, die Rollenspiele einsetzen, scheinen dabei grö̈ssere Wirkung zu erzielen als Gruppendiskussionen und gedrucktes Material.

 

Kritischer Umgang mit Medieninhalten lernen

Die Heranwachsenden müssen lernen, dass hinter lustigen Videochannels oder viralen Kampagnen Stimmungsmache und eine Rekrutierungsabsicht radikaler Gruppen stecken kann. Sie sollen Propagandastrategien, Fakes und Shitstorms erkennen können. Auch hier braucht es die kritische und kreative Auseinandersetzung im Rahmen der Medienpädagogik und Experimentiermöglichkeiten.

 

Deeskalierende Kommunikation lernen

Kinder und Jugendliche müssen lernen, deeskalierend zu kommunizieren und Angriffe richtig einzuschätzen. Dazu gehört auch, die Wut, welche zum Aufwachsen dazu gehört, kanalisieren zu können. Alternativen zu Beleidigungen auf digitalen Netzwerken müssen gelernt sein. Coolness-Training ist gefragt.  

 

Mit Gegenrede Zivilcourage zeigen

Zivilcourage zeigen in Form von Gegenrede («Counter Speech») kann in gewissen Fällen eine Antwort auf Extremismus im Netz sein. Gegenrede, bei der man sich mit sachlichen Gegenargumenten (Debunking) und menschenrechtsorientiert in die Onlinedebatte einbringt, ist insbesondere stark darin, Vorurteile und einseitige Meinungen und Stimmen nachhaltig zu verändern. Positive Dialoge und Debatten können öffentlich ein Gegengewicht zu Rassismus und Hetze sein und insbesondere neutrale Mitlesende positiv beeinflussen. Detaillierte Informationen zu diesen Strategien finden sich in der Broschüre «Hetze gegen Flüchtlinge in sozialen Medien», 2016.

 

Diese Debatten können auch offline stattfinden – etwa in der Schule, in einer Jugendorganisation oder im privaten Umfeld. Die SAJV zeigt verschiedene Möglichkeiten, wie man offline aktiv werden kann - etwa mit einem Projekt, einem Workshop oder einer Kampagne.

 

Gegen-Narrative

Die deutsche Amadeu Antonio Stiftung setzt mehr als auf Gegenrede auf die Strategie der Gegen-Narrative (Counternarratives). Dabei werden alternative, auch ironische Erzählungen und humorvolle Botschaften als Gegenwehr vermittelt (z.B. die Facebook-Seite «Katzen gegen Glatzen» – KaGeGla).

 

Ideen und praktische Tipps, wie Kampagnen zur Gegenrede oder zielgerichtete Gegen-Narrative (counter-narrative) entwickelt werden können, finden sich im Handbuch zum Thema Gegenrede sowie auf der Website counternarratives.org.

 

Anschauungsbeispiele von Diskriminierung nutzen

Anschauungsbeispiele helfen Diskriminierung zu erkennen. Beispiele von rassistischer Diskriminierung finden sich auf der Webseite des Beratungsnetzes für Rassismusopfer. Beispiele wie Rechtsextremismus im Netz geschürt wird, finden sich auf der Webseite von Klicksafe.

Weitere Beispiele findet man in der «Meldeliste» - eine Sammlung von Hassinhalten aus Europa. Sie dient auch jungen Menschen, Organisationen und Experten, um Hassreden zu verstehen und davon ausgehend Gegenreden und -argumente zu entwickeln.

 

Projekte gegen Rassismus

In zahlreichen Städten und Kantonen der Schweiz werden Aktionswochen gegen Rassismus durchgeführt. Die jährlich stattfindenden Kampagnen haben zum Ziel auf das Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aufmerksam zu machen. Seit 2012 koordinieren die Westschweizer Kantone und das Tessin ihre Aktionen. Des Weiteren führt die Schweizerische Flüchtlingshilfe jährlich Projekttage durch (www.fluechtlingshilfe.ch › Bildung › Angebot-fuer-jugendliche › Integration).

 

Die Fachstelle für Rassismusbekämpfung unterstützt Projekte gegen Rassismus und für Menschenrechte. Besonders gefördert werden schulische Projekte und Vorhaben  in der ausserschulischen Jugendarbeit oder in Sportvereinen.

 

Europäische Initiative für Zivilcourage online

Die europaweite Initiative für Zivilcourage online unterstützt die von Organisationen und Aktivisten gezeigte Zivilcourage in Form von positiven Debatten und Dialogen und bekämpft so Extremismus und Hassreden im Internet. Als eine Anlaufstelle für die Initiative wurde eine Facebook-Seite geschaffen. Auf dieser werden alle Arbeit im Rahmen der Initiative beschrieben und Informationen dazu geliefert, wie Menschen sich engagieren können. Unter den Hashtags #civilcourage und #Zivilcourage können Menschen Geschichten, Inhalte und Ideen teilen, um ihre Unterstützung für die Initiative und für Counterspeech zu zeigen. Die Initiative wurde von Facebook Anfang 2016 zusammen mit dem International Centre for Radicalisation and Political Violence (ICSR), dem Institute for Strategic Dialogue (ISD) und der Amadeu Antonio Stiftung ins Leben gerufen.

 
 
 
 

Anlaufstellen gegen Radikalisierung und Rassismus

 
 

Die Liste ist nicht abschliessend.

 
 
 
 

Weiterführende Informationen und Webseiten

 
 

Für Eltern

 

Für Lehrpersonen

 

Freizeit / Jugend- und Sozialarbeit

 

Webseiten und Informationsbroschüren

 

Weiterbildungsangebote

  • Weiterbildung „Recht gegen rassistische Diskriminierung“ und Flyer
  • Jugend debattiert“ bildet in drei Landessprachen Lehrpersonen aus, um die Debattiermethode in den Unterricht zu integrieren.
  • Akteure in der Menschenrechtsbildung in der Schweiz
  • Weiterbildungsmodule (in Erarbeitung) zur Thematik Islam und Gesellschaft - einerseits für in der Schweiz lebende Muslime und Referenzpersonen der muslimischen Gemeinschaften, andererseits für mit Muslimen und/oder islamischen Gemeinden arbeitende Personen (z.B. Sozialarbeiter, Lehrpersonen, Behörden). Organisiert vom Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft SZIG der Universität Fribourg in Kooperation mit dem Staatssekretariat für Migration, der Fachstelle zur Rasissmusbekämpfung und weiteren Partnern.

 

Berichte

 

 

 
 
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