Videos zum Thema Cybermobbing

  • Videos, die zum Nachdenken anregen oder als Diskussionsbasis dienen: auf dem Youtube-Kanal von Jugend und Medien.
  • Netzangriff der Film: 45-minütiger Spielfilm zum Thema Cybermobbing mit Schauspielern aus der beliebten Jugendserie «Die wilden Hühner».
 
 
 

Präventionstipps für Schulen

 
 
 

Cybermobbing – andere im Internet fertig machen

Mobbing unter Jugendlichen geschieht etwa auf dem Pausenplatz. Das ist nicht neu. Immer häufiger passiert die Schikane jedoch auch im virtuellen Raum. Mittels digitaler Medien werden immer häufiger auch boshafte und diffamierende Texte, Bilder oder Filme via Internet oder Handy verbreitet.

 

Cybermobbing ist deshalb gravierend, weil Opfer in kürzester Zeit vor einer grossen Community blossgestellt werden können. Und weil einmal publizierte Inhalte an verschiedenen Orten immer wieder auftauchen können. Eltern oder Lehrpersonen erfahren oft lange nichts davon, weil sie keinen Einblick in die Online-Kommunikation der Heranwachsenden haben. Entsprechend kann es dauern, bis ein Fall ans Licht kommt.

 

In dieser Rubrik erfahren Sie Wissenswertes zum Thema Cybermobbing: Was ist es, wie erkennt man es, wie kann man vorbeugen, wie geht man damit um? Auch geben wir Vorschläge für Schullektionen und Praxistipps.

 
 
 

Was ist Cybermobbing?

 
 

Cybermobbing ist Mobbing im Internet. Man verwendet dafür auch die Begriffe Cyberbullying oder Internetmobbing. Dabei wird eine Person absichtlich, über eine längere Zeit immer wieder über digitale Medien schikaniert – mit SMS, Chat-Nachrichten und Facebook-Einträgen etwa.

 

Die Täter – der «Mob» – sind oft dem Opfer bekannte Personen aus der Schule, dem Quartier, einem Verein. Sie beleidigen, bedrohen oder erpressen ihre Opfer direkt oder üben psychischen Druck aus; sie verleumden, stellen bloss, verbreiten Gerüchte. Die Folgen können für Opfer gravierend sein: Verlust von Selbstvertrauen, Angstzustände und Depressionen.

 

Die Grenzen zwischen dem, was noch als Spass und was als beleidigend empfunden wird, sind fliessend. Cybermobbing beginnt dort, wo sich ein Individuum bedrängt, belästigt und beleidigt fühlt. Jugendliche sind sich der Wirkung häufig nicht bewusst, wenn sie verletzende Bilder ins Internet stellen oder unter Freunden herumschicken. Oft wird eine solche Aktion nur als Spass verstanden. Es gibt aber auch gezielte Handlungen, um eine Person fertigzumachen.

 
 
 
 

Wie unterscheidet sich Cybermobbing von Mobbing?

 
 

Cybermobbing ist Mobbing im virtuellen Raum. Die Belästigungen erfolgen via Internet und Handy – Täter und Opfer stehen sich nicht physisch gegenüber. Der Täter kann einfach und schnell beleidigende Texte, Gerüchte und erniedrigende Bilder oder Filme im Internet streuen. Und er wird nicht direkt mit der Reaktion des Opfers auf seine Handlungen konfrontiert. Anonym oder zumindest in Distanz zu bleiben ist für den Internet-Mobber leichter; er kann angreifen, ohne seinen Namen zu nennen, er kann verletzen, ohne eine Gegenreaktion erwarten zu müssen.

 

Kein Entfliehen

Die Schikanen verbreiten sich oft sehr schnell an einen grossen Nutzerkreis. Opfer fühlen sich dann nirgendwo mehr sicher. Denn die Schikanen erreichen sie via Internet selbst in den eigenen vier Wänden. Veröffentlichte Verletzungen im virtuellen Raum sind zudem schwer zu entfernen und sie können wieder und wieder gelesen oder angeschaut werden. Dies macht es für Opfer schwer, die Taten zu vergessen und zu bewältigen. Dadurch kann Cybermobbing das subjektive Leiden noch verstärken.

 

Täter häufig unerkannt

Auch gibt es auf Seite der Täterinnen und Täter Unterschiede zum traditionellen Mobbing. Denn die Anonymität des Internets macht es diesen möglich, unerkannt zu agieren. Auch ist die Hemmschwelle für solche Taten durch die Unsichtbarkeit und Distanz des Opfers tiefer, als wenn dieses einem gegenüber steht.

 
 
 
 

Woran erkennt man Cybermobbing?

 
 

 

Opfer, Täter oder Zuschauer von Cybermobbing, haben oft Hemmungen sich mitzuteilen. Das macht es für die Angehörigen und die Lehrpersonen schwer, das Problem zu erkennen. Denn die Anzeichen für Cybermobbing sind nicht offensichtlich. Dennoch gibt es Merkmale, die darauf hinweisen, dass ein Kind betroffen sein könnte. Eine klare Unterscheidung zwischen Tätern und Opfern ist dabei nicht immer möglich. Viele Jugendliche Opfer haben selbst auch schon gemobbt. Der wichtigste Rat lautet daher: Aufmerksam bleiben und bei einem konkreten Verdacht offen ansprechen.

 

Worauf Eltern achten sollten

Wirkt Ihr Kind bedrückt, verletzt, wütend? Zieht es sich zurück? Hat es vermehrt gesundheitliche Probleme? Kopfschmerzen? Bauchschmerzen? Schlafprobleme? Fällt seine Schulleistung plötzlich ab? Will es nicht mehr zur Schule gehen? Vermeidet es Ausflüge, Schulreisen, Lager? Melden sich kaum mehr Schulkameraden? Fehlen plötzlich besonders geliebte Gegenstände oder Geld?

 

Worauf Lehrperson achten sollten

Verschlechtert sich das Klassenklima? Fehlt der Klassenzusammenhalt? Besteht ein Gemeinschaftsgefühl nur bei gemeinsamen Feindbildern? Begegnen sich Schüler unfreundlich? Sind Freundschaften zerbrochen? Werden Schüler ausgegrenzt oder gar isoliert? Gehen bei einzelnen Schülern immer wieder persönliche Sachen «verloren»? Ändern einzelne Schüler ihr Verhalten? Ziehen sie sich zurück? Fehlen sie häufig? Schwänzen sie die Schule? Fällt ihre Leistung deutlich ab? Werden sie aggressiv?

 

Achtung: Diese Veränderungen können auch Ausdruck eines anderen Problems, einer anderen psychischen Belastung sein. Holen Sie bei einem Verdacht professionellen Rat.

 

 
 
 
 

Wie verbreitet ist Cybermobbing?

 
 

Häufiger als Cybermobbing durch Veröffentlichungen im Internet kommt es vor, dass Beschimpfungen oder Beleidigungen als Textnachrichten versendet oder blosstellende Bilder an Kollegen geschickt werden.

 

Cybermobbing kommt deutlich seltener vor als Mobbing. Dies ergab die EU-Kids-online-Studie 2012: Ihr gemäss wurden 15 Prozent der befragten Schweizer Jugendlichen schon Opfer von Mobbing, 5 Prozent von Cybermobbing. Was dabei aufhorchen lässt: Die Eltern wissen oft nichts davon. Bei Cybermobbing steigt das Risiko mit zunehmendem Alter, Mädchen sind häufiger betroffen und Schauplatz sind oft die Sozialen Netzwerke.

 

Im Rahmen der JAMES-Studie 2014 wurden rund 1'200 Schweizer Jugendliche zu ihren Erlebnissen befragt. 22 Prozent gaben an, dass sie in Chats oder auf Facebook schon einmal fertiggemacht wurden. 12 Prozent der Jugendlichen haben erlebt, dass im Internet Falsches oder Beleidigendes öffentlich über sie verbreitet wurde. Dass Fotos oder Videos ohne ihre Zustimmung ins Internet gestellt wurden, gaben 28 Prozent der Jugendlichen an. Damit von Mobbing gesprochen werden kann, müssen diese Ereignisse allerdings wiederholt stattfinden.

 
 
 
 

Wie können sich Jugendliche schützen?

 
 

Jugendliche können sich vor Cybermobbing schützen, indem sie grundsätzlich sensibel und kritisch mit privaten Daten im Netz umgehen – sowohl mit den eigenen als auch mit den Daten anderer.

 

Wer in Blogs, Sozialen Netzwerken oder Foren Angaben zu seiner Person macht oder Bilder veröffentlicht, macht sich verletzbar. Respektvolles Verhalten (Netiquette), keine sensiblen Daten und Informationen auf dem Profil (z.B. peinliche oder allzu freizügige Bilder), nur persönliche Freunde und sichere Privatsphäre-Einstellungen können schützen. Wichtig ist es zudem, nach der Benutzung von Sozialen Netzwerken oder des Email- oder Chat-Kontos immer auszuloggen, damit keine Dritten Zugriff dazu erlangen und das Profil missbrauchen können. Entsprechend sollten auch keine Passwörter gespeichert werden. Weitere Tipps finden Sie in der Checkliste Sicherheit in Sozialen Netzwerken der Schweizerischen Kriminalprävention.

 

Eltern und Schule können Kinder und Jugendliche unterstützen, indem sie ihnen solche Tipps geben; mit ihnen diskutieren, welche Folgen ihr Verhalten im Internet haben kann, was Cybermobbing für das Opfer bedeutet und sie informieren, dass man sich als Mobber strafbar machen kann. Sich selber im Internet suchen liefert Informationen, in welchem Zusammenhang der eigene Name auftaucht und welche persönlichen Bilder veröffentlicht wurden.

 
 
 
 

Wie können Eltern und Schule Cybermobbing vorbeugen?

 
 

Zu Hause

Bauen Sie zu Ihren Kindern eine vertrauensvolle Kommunikation auf. Dazu gehört, dass Sie sich für ihre Mediennutzung interessieren und mit ihnen darüber sprechen. Lassen Sie sich erklären, was sie fasziniert. Oder wovor sie sich fürchten. Zudem sollte es Ihnen als Eltern erlaubt sein, ab und zu die Inhalte einzusehen die Ihre Kinder online stellen. Vereinbaren Sie jedoch vorher mit Ihrem Kind, wie Sie es in seiner Mediennutzung begleiten. Und seien Sie bereit, diese Vereinbarung immer wieder anzupassen. Je älter Ihr Kind wird, desto stärker wird es selber entscheiden wollen, was es Ihnen zeigt und was nicht. Akzeptieren Sie das, lassen Sie Ihr Kind Schritt für Schritt los. Signalisieren Sie aber klar: «Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst.»

 

Das Thema Cybermobbing ansprechen

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Cybermobbing. Lassen Sie sich erklären, was es schon weiss. Ergänzen Sie, was Sie zusätzlich darüber wissen. Oder recherchieren Sie das Thema gemeinsam. Diskutieren Sie darüber, was Gründe für Cybermobbing sein könnten. Und lassen Sie Ihr Kind darüber nachdenken, was es tun würde, wenn es von jemandem über das Internet oder Handy schikaniert würde. Die Broschüre «My little Safebook» (S. 22) der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP) zeigt Ihnen, wie Sie mit Ihrem Kind darüber reden können.

 

In der Schule

Cybermobbing ist eine Sonderform von Mobbing. Deshalb ist es sinnvoll, deren Prävention in die Mobbingprävention zu integrieren und früh damit zu beginnen. An Schulen, die eine klare Haltung einnehmen, trauen sich die Schüler eher, ein Problem zu melden. Es ist zudem wichtig, dass Schülerinnen und Schüler wissen, an wen sie sich im Fall von Cybermobbing wenden können. Zudem ist es wichtig, dass Schulen definierte Standardvorgehen haben, wie in Fällen reagiert werden soll. Dies entlastet die einzelnen Lehrpersonen.

 

Den Ansatz «früh beginnen» verfolgt Be-Prox, das erfolgreiche Berner Präventionsprogramm gegen Mobbing und Gewalt in Kindergarten und Schule. Dabei lernen Lehrpersonen, wie sie mit dem Problem umzugehen. Françoise D. Alsaker erklärt im Interview die sechs Programmschritte von Be-Prox.

 
 
 
 

Wie reagiert man bei Cybermobbing?

 
 

Als Opfer sollten Kinder und Jugendliche auf keinen Fall dem Mobber online antworten, sondern Hilfe holen – bei den Eltern oder einer erwachsenen Vertrauensperson.

 

Sofortmassnahmen

Erwachsene sollten aufmerksam zuhören und Ruhe bewahren. Die belästigende Person sofort gesperrt und dem Sozialen Netzwerk oder Chatforum gemeldet werden. Beweismaterial wie Screen-Shots, in Chaträumen geführte Unterhaltungen und Bilder sollte man auf dem Computer abspeichern und danach – wenn möglich – alle Online-Inhalte löschen oder von den Plattformbetreibern löschen lassen.

 

Wenn Schulkolleginnen und -kollegen involviert sind, sollten sich die Eltern an die Lehrperson wenden oder an den Schulsozialarbeitenden. Eltern können zusammen mit Lehrpersonen, der Schulleitung, dem schulpsychologischen Dienst oder der Schulsozialarbeit abwägen, ob sie bei der Polizei Anzeige erstatten sollen. Die Schweizerische Kriminalprävention (skppsc.ch) bietet ebenfalls Erstberatungen an und hilft, passende Hilfsangebote zu finden.

 

Längerfristige Massnahmen

Machen Sie Ihrem Kind keine Vorwürfe oder Schuldgefühle, sondern signalisieren Sie deutlich, dass Sie ihm helfen und es schützen werden. Schaffen Sie eine Atmosphäre, die Ihrem Kind Sicherheit bietet. Verschaffen Sie sich einen Überblick: Was ist passiert? Wer ist involviert? Welche Rolle spielt Ihr Kind? Und haben Sie Geduld – Opfer brauchen Zeit, um zu berichten, was ihnen passiert ist.

 
 
 
 

Macht man sich mit Cybermobbing strafbar?

 
 

Was im realen Leben verboten ist, gilt auch für die digitale Welt. Zwar ist Cybermobbing – wie auch Mobbing – im Strafgesetz nicht explizit als Straftatbestand aufgeführt, oft aber die dem Cybermobbing zugrunde liegenden belästigenden, drohenden und demütigenden Handlungen. Täterinnen und Täter können zur Rechenschaft gezogen werden, wenn folgende Straftatbestände erfüllt sind.

 
 
 
 
 
 
 

Nützliche Dokumente zu Cybermobbing für Eltern und Lehrpersonen

 
 

Für Familien

 

Für Lehrpersonen

  • Unterrichtseinheit Cybermobbing – Ideen für den Unterricht mit Lektionsvorschlag (FHNW Fachhochschule Nordwestschweiz)
  • Hilfestellung für Lehrpersonen zur Prävention, Erkennung und Intervention bei Mobbing in der Schule (Amt für Volksschule, St. Gallen)
  • klicksafe.de – Modul Cybermobbing für Lehrpersonen Hilfestellungen und Materialien für den Unterricht
  • SRF my school – Unterrichtsmaterialien mit Film «Er liked mich, sie liked mich nicht»
  • Merkblatt Cybermobbing für Schulleitungen, Lehrpersonen und Schuldienste (Bildungs- und Kulturdepartement Kt. Luzern)
  • Praktischer Leitfaden zur Bekämpfung von Cybermobbing unter Schülern (Guide pratique pour lutter contre le cyberharcèlement entre élèves, Ministère français de l'Education nationale, de la jeunesse et de la vie associative, auf Französisch)
  • Medienhelden – Ein Projekt an Schulen in sechs europäischen Ländern mit Unterrichtsmanual zur Förderung von Medienkompetenz und Prävention von Cybermobbing
  • Peacemaker – Das Projekt soll auf Basis der Peer-Mediation Gewalt an Schulen abbauen und vorbeugen.
 
 
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